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Dieses Musik-Festival soll wieder Normalität auf die documenta bringen

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Von: Matthias Lohr

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Sie würden in jedem Tarantino-Film eine gute Figur machen: Die Mitglieder der Band White Shoes & The Couples Company mischen Jazz mit Sixties-Sound und Easy Listening. Die Band aus Jakarta tritt am Samstag (19.15 Uhr) beim Meydan-Festival auf der Kasseler Karlswiese auf.
Sie würden in jedem Tarantino-Film eine gute Figur machen: Die Mitglieder der Band White Shoes & The Couples Company mischen Jazz mit Sixties-Sound und Easy Listening. Die Band aus Jakarta tritt am Samstag (19.15 Uhr) beim Meydan-Festival auf der Kasseler Karlswiese auf. © Reza Fauzi/NH

Eigentlich sollte die documenta auch eine Party werden. Dann kam der Antisemitismus-Eklat. An diesem Wochenende soll ein großes Musik-Festival die Normalität zurückbringen.

Kassel – Indra Ameng von Ruangrupa spielt kein Instrument, aber er weiß um die Kraft der Musik: „Musik verbindet die Menschen noch mehr als Kunst“, sagt das Mitglied des indonesischen Kollektivs, das die documenta fifteen leitet. Wahrscheinlich könnte es keinen besseren Zeitpunkt geben für das erste Musik-Festival, das Ameng und seine Kuratorenkollegen von Freitag bis Sonntag veranstalten.

Auf zwei Bühnen auf der Karlswiese spielen an jedem Tag sechs Bands aus der ganzen Welt (sowie heimische Acts). Ameng erwartet jeweils 1000 Zuschauer bei dem kostenfreien Open-Air-Spektakel. Es ist die Party, die Ruangrupa vor Beginn der documenta so oft versprochen haben für diesen Kunstsommer. Man wolle nicht nur Kunst zeigen, sondern zusammenkommen und eine gute Zeit haben, hieß es.

Doch seit der Eröffnung vor drei Wochen reden viele nur über das antisemitische Motiv, das auf einem Kunstwerk des Kollektivs Taring Padi zu sehen war und die Kunstschau erschüttert hat. „Wir haben diese Reaktionen nicht erwartet“, sagt Ameng. Man habe nicht gewusst, wie bedeutend das Thema Antisemitismus angesichts der deutschen Geschichte ist: „Wir lernen das jetzt.“ So wolle man sich auch in die künftigen Diskussionen einbringen.

Das Meydan-Festival soll nun ein Stück Normalität zurückbringen. Wobei es genau genommen aus drei Festivals besteht: Auf der Karlswiese werden die Festivals Sur le Niger, Cinema Caravan und das von Ruangrupa in Jakarta verantwortete Fest RRREC zu einer großen Veranstaltung, die alle zusammenbringt.

Musikalisch ist für jeden etwas dabei, wie Ameng verspricht – von afrikanischer Musik von Cheick Tidiane Seck (Mali) über Jazz, Indietronic von Kirara aus Südkorea bis zu japanischem Punkrock von Otoboke Beaver. Dazu kommen heimische Acts.

Wer sich bei Spotify einmal durch das Line-up gehört hat, würde am liebsten drei Tage von Anfang bis Ende dabei sein. Besonders verheißungsvoll ist die indonesische Band White Shoes & The Couples Company, die kongenial Jazz mit Sixties-Sound und Easy Listening mixt und in jedem Tarantino-Film eine gute Figur abgeben würde. Der „Rolling Stone“ kürte das Sextett einst zu einer der weltweit 25 besten Bands auf der Plattform Myspace.

Die 18 Bands und Künstler sollen dafür sorgen, dass die Karlswiese ein Meydan wird, wie auf Urdu, Farsi und Arabisch ein öffentlicher Treffpunkt genannt wird.

Weitere Meydan-Veranstaltungen folgen jeweils am zweiten Wochenende im August und September im Nordstadtpark und in Bettenhausen. Fragt man Ameng, ob diese documenta nun eine „normale documenta“ wird, antwortet er: „Ich hoffe es.“ (Matthias Lohr)

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