Das Kunstmagazin Art hat ein Sonderheft über die Kasseler Ausstellung herausgegeben

Kunstmagazin Art: „Diese documenta ist gut“

Das Cover zeigt Geoffrey Farmers „Leaves of Gras“ in der Neuen Galerie.

Kassel. Mit einem großen Lob, einer Ermunterung zum Kassel-Besuch und einem leuchtenden Hügel geht es los: Das Kunstmagazin Art aus Hamburg hat erstmals in seiner Geschichte eine Sonderausgabe aufgelegt - zur Kasseler documenta. Und schwärmt von Anfang an.

Bereits das Editorial von Chefredakteur Tim Sommer, der sich in der Karlsaue fahrradfahrend fotografieren ließ, ist eine Eloge. „Schon der erste Rundgang bewies: Diese documenta ist gut. Sie überzeugt und sie bezaubert, sie ist bildgewaltig und sie ist klug, sie ist engagiert und tolerant, sie ist reich und sie ist problemorientiert, sie beweist Sinn für Geschichte, und sie eröffnet neue Zugänge zur Gegenwart. Mehr kann man nicht verlangen.“

Sommer fordert die Leser dringend zum Besuch auf und empfiehlt einen mindestens zweitägigen Aufenthalt. Und dann startet das opulente Heft mit einer Bilderstrecke, die die Höhepunkte der Schau mit je einem Foto pro Doppelseite präsentiert. Allen voran den „Doing Nothing“-Garten von Song Dong vor der Orangerie. Beleuchtet zur blauen Stunde. Es folgen das Hugenottenhaus mit den dortigen Musikern beim Konzert, dann textliche Annäherungen und Blicke in Ausstellungsorte. Augenfutter. Auch aus neuen Perspektiven, etwa mit einem Blick weit in die Baumkrone, in der Boote des Künstlers Shinro Ohtake aufgehängt sind - über seiner schrottigen Snackbar.

Zwölf Mitarbeiter der Redaktion waren in Kassel und haben das Material zusammengetragen. Zentrum des Heftes ist ein „kritischer Rundgang“ durch die Schau von Ute Thon auf drei eng bedruckten Heftseiten.

Thon bemerkt die sorgfältige Konzeption dieser thematisch umfassenden Schau, ihre Überraschungseffekte, die Abwesenheit von „Künstlerexzessen“. Sie schreibt über den Ausstellungsschwerpunkt Afghanistan und betont, dass auch dieses Thema nicht „bleischwerer Politdiskurs“ sei, sondern künstlerisch überzeugend. Die d13 sei eine „Fundgrube für Entdeckungen - und ein Ort für freudiges Wiedersehen“ mit renommierten Künstlern. Ganz leicht kritische Töne sind allenfalls bei ihrem Rundgang durch die Karlsaue herauszulesen, „die grüne Feel-good-Zone“. So findet sie den Hundespielplatz, dessen Design zu sehr am ästhetischen Bedürfnis des Menschen ausgerichtet sei, am enttäuschendsten.

Aber ihr Ausstellungsfazit ist überwältigend: „Keine andere documenta der letzten Jahrzehnte hat eine stimmigere Mischung aus anspruchsvollen gesellschaftspolitischen Tiefenbohrungen einerseits und sinnlich erfahrbaren, künstlerisch integren Präsentationen andererseits hinbekommen.“

Im zweiten Heftteil folgen dann Künstlerporträts, ein Interview mit Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev, ein Rückblick und eine Geschichte zu Nedko Solakovs Arbeit im Grimm-Museum - vom Künstler selbst mit Notizen ergänzt.

Art Spezial documenta 13, 132 Seiten, 12,80 Euro.

Von Bettina Fraschke

Quelle: mydocumenta

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