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Diese documenta-Kunstwerke bleiben in Kassel

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Von: Mark-Christian von Busse

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Installation aus Messern: Die Arbeit „Kahiu kogi gatemaga mwene“ („Wenn ein Messer zu scharf ist, verletzt es den Besitzer“) vom Wajukuu Art Project aus Nairobi (Kenia) im Eingangsbereich der documenta-Halle. Archi
Installation aus Messern: Die Arbeit „Kahiu kogi gatemaga mwene“ („Wenn ein Messer zu scharf ist, verletzt es den Besitzer“) vom Wajukuu Art Project aus Nairobi (Kenia) im Eingangsbereich der documenta-Halle. Archi © Pia Malmus

Neun Kunstwerke der documenta fifteen bleiben in Kassel. Mit dabei sind auch Videeoinstallationen.

Kassel – Die Vertragsverhandlungen sind abgeschlossen: Neun künstlerische Positionen der documenta fifteen wurden für die städtischen und staatlichen Kunstsammlungen in der Neuen Galerie und der Graphischen Sammlung angekauft. Der Magistrat hat darüber auf Vorschlag der Ankaufskommission entschieden. Das hat die städtische Pressestelle bekanntgegeben.

Folgende Kunstwerke bleiben in Kassel:

1. Amol K Patil, „Black Masks on Roller Skates“: Von dem indischen Konzept- und Performancekünstler wurde eine Auswahl von 13 Skulpturen, 13 Gemälden sowie ein Film erworben. Er hatte im Untergeschoss des Hübner-Areals ausgestellt. Die Themen dort: die Situation der Arbeitsmigranten in Mumbai und das Kastensystem.

2. Britto Arts Project, „Rasad“: Fische, die sich in Pistolen verwandeln, ein Blumenkohl, der zum Atompilz wird – erworben wurden 218 Einzelobjekte sowie ein im Maßstab verkleinerter Nachbau des Marktstandes, den die Künstler aus Dhaka (Bangladesch) in der documenta-Halle eingerichtet hatten.

Fische als Pistolen: Detail am „Marktstand“ vom Britto Arts Project.
Fische als Pistolen: Detail am „Marktstand“ vom Britto Arts Project. © Pia Malmus

3. Marwa Arsanios, „Who is Afraid of Ideology? Part 4 Reverse Shot“ (Video): Fragen nach Erbe, Eigentum und Wert reflektiert die Künstlerin aus Beirut – hier am Beispiel der Vergemeinschaftung eines Steinbruchs im Libanon mithilfe einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Der Film lief am Standort Hafenstraße 76.

4. Sebastián Diaz Morales, „Smashing Monuments“ (Video): Im Film des in Amsterdam lebenden Argentiniers treten Mitglieder von Ruangrupa mit Monumenten in Jakarta über Werte wie Freundschaft oder Großzügigkeit in Dialog – exemplarisch für Lumbung als Praxis der d15. Er wurde am Eingang der Hübner-Halle gezeigt.

5. Jatiwangi art Factory, „Perhutana Family Forest Terracotta“: Das Kollektiv aus Jatiwangi, Indonesien, das am Ort der einst größten Ziegelindustrie Südostasiens zu Hause ist, will ein Naturschutzgebiet entstehen lassen, für das jeder Landanteile kaufen kann. Wer sich beteiligt, bekommt als Zertifikat einen gebrannten Ziegelstein. Erworben wurden 25 Lizenzen.

6. Wajukuu Art Project, „Kahiu kogi gatemaga mwene“: Das Kollektiv aus Kenia will die Mukuru-Slums zu einem Ort machen, an dem sich Kinder kreativ entfalten können. Für Künstler Ngugi Waweru ist seine Messer-Installation in der documenta-Halle auch ein Symbol für Menschen in der Leistungs- und Konsumgesellschaft.

Flugzeug aus Pappresten: Das Modell von Hans-Jörg Georgi vom Atelier Goldstein hing in einem Raum der Hübner-Werkshallen.
Flugzeug aus Pappresten: Das Modell von Hans-Jörg Georgi vom Atelier Goldstein hing in einem Raum der Hübner-Werkshallen. © MHK

7. Raumpräsentation des Ateliers Goldstein: Das Atelier gehört zum Verein Lebenshilfe Frankfurt. Es vertritt neurodiverse Künstler. Erworben wurde die gesamte Raumpräsentation mit zwölf Arbeiten von Franz von Saalfeld, Hans Jörg Georgi, Julius Bockelt und Juewen Zhang, wie sie bei Hübner ausgestellt war.

8. Pinar Ögrenci, „Asît“ (Video): Der Film der in der Türkei geborenen Berlinerin war im Landesmuseum zu sehen. Er behandelt die traumatische Geschichte Ostanatoliens mit der Verfolgung von Armeniern und Kurden. Er ist auch eine Reverenz an Stefans Zweigs „Schachnovelle“.

9. Richard Bell, Gemälde „Gallery Hand Outs“: Der Künstler und Aktivist aus Brisbane, Australien, setzt sich für die Selbstbestimmung der Aborigines ein. Seine Bilder hingen im Fridericianum.

Prägender Teilnehmer der documenta 2022: Vom australischen Aborigine-Künstler Richard Bell wird das Gemälde „Gallery Hand Outs“ angekauft.
Prägender Teilnehmer der documenta 2022: Vom australischen Aborigine-Künstler Richard Bell wird das Gemälde „Gallery Hand Outs“ angekauft. © Stadt Kassel

Der Ankauf der ersten sechs Werke wurde aus dem städtischen Etat mit 290 000 Euro finanziert, die anderen drei Objekte wurden durch die Museumslandschaft Hessen Kassel, also das Land Hessen, für 130 000 Euro erworben.

Die Kunstwerke sollen beispielhaft für die Ausstellung stehen, die das indonesische Kollektiv Ruangrupa geleitet hat. Die Arbeiten ließen sich zudem gut in die Sammlungen integrieren, sie „korrespondieren mit schon vorhandenen Arbeiten und erweitern so den Bestand auf bereichernde Weise“, sagte Dorothee Gerkens, Leiterin der Neuen Galerie. 

Die Werke seien von hoher inhaltlicher und künstlerischer Relevanz für die Kunst und die Arbeitsweise der d15, betonte Kulturdezernentin Susanne Völker: „So bilden sie künftig in der städtischen Sammlung das Konzept des Kollektivs Ruangrupa ebenso ab wie die Vielfalt der oft gemeinwohlorientierten künstlerischen Ansätze der d15.“

Die Kunstwerke seien zum größten Teil über die Lumbung Gallery erworben worden, dem zur d15 eigens gegründeten Verein, der in Form einer Kooperative die Vermarktung der Kunstwerke übernommen hat. Damit soll den Künstlern eine faire Entlohnung zuteil werden: Sie erhalten 70 Prozent des Verkaufspreises, die übrigen 30 Prozent fließen in einen „Common Pot“, über den gemeinschaftlich entschieden wird und der auch die Finanzierung der Strukturen der Lumbung Gallery ermöglicht.

Das Land Hessen und die Stadt Kassel haben zum wiederholten Mal in enger Abstimmung gemeinsam Kunstwerke einer documenta angekauft. Darüber hat zunächst die Ankaufskommission unter dem Vorsitz von Kulturdezernentin Susanne Völker beraten. Die Vorschläge hatte Dorothee Gerkens, Leiterin der Neuen Galerie, gemacht.

Der Kommission gehören die kulturpolitischen Vertreter der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung an. Vertreten sind auch die Museumslandschaft Hessen Kassel und das Fridericianum. Außerdem sind die Vorsitzenden des Kunstvereins (Jero van Nieuwkoop), des Museumsvereins (Susanne von Baumbach) und der Kasseler Ortsgruppe des Bundesverbandes Bildender Künstler beteiligt. Beim BBK Kassel bilden Elmar J. Kuhnert, Hildegard Schwarz und Hella Meyer-Alber den nach innen gleichberechtigten Vorstand. 

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