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documenta: Aufsichtsrat tagt - Spannungen vor der Sitzung

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Von: Florian Hagemann

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Haben das Sagen im Aufsichtsrat: Vorsitzender Christian Geselle und Angela Dorn.
Haben das Sagen im Aufsichtsrat: Vorsitzender Christian Geselle und Angela Dorn. © Andreas Fischer/nh

Nach dem Antisemitismus-Eklat auf der documenta fifteen tagt nun der Aufsichtsrat.

Kassel – Nach dem Antisemitismus-Eklat auf der documenta fifteen kommt heute der Aufsichtsrat der Weltkunstausstellung zu einer außerordentlichen Sitzung in Kassel zusammen. Sie beginnt um 18 Uhr – Ende offen. Fragen und Antworten.

Was ist von der Sitzung konkret zu erwarten?

Im besten Fall steht an deren Ende eine einheitliche Sprachregelung des Gremiums, die die documenta als Institution stärkt und darauf eingeht, wie der Antisemitismus-Eklat weiter aufgearbeitet wird. Eine solche einheitliche Sprachregelung wird wohl angestrebt nach den Querelen der vergangenen Wochen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sie tatsächlich zustandekommt – und vor allem: welchen genauen Inhalt sie haben wird.

Zuletzt wurden die Differenzen der beiden Gesellschafter offensichtlich: Auf der einen Seite steht die Stadt Kassel mit Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) an der Spitze, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender ist. Er stand zuletzt stets hinter documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann und hat die Weltkunstausstellung vor politischen Einflüssen von außen verteidigt.

Auf der anderen Seite steht Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne). Die stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats unterstützte zuletzt den Fünf-Punkte-Plan ihrer Parteifreundin Claudia Roth. Die Kulturstaatsministerin hatte darin auch Strukturänderungen angemahnt – und mehr Einfluss für den Bund. Dorn hatte nach dem Antisemitismus-Eklat Schormann auch einen umfassenden Fragenkatalog zugeschickt – und nach dem Rückzug von Berater Meron Mendel weitere Fragen gestellt. Schormanns Agieren wird von Dorns Seite durchaus kritisch gesehen. Die weitaus negativen Kommentare in überregionalen Medien nach Schormanns Erklärung am Dienstagabend und die erneute Kritik von Roth und Mendel (siehe Bericht oben) dürften Dorns Eindruck eher noch verstärken.

Wird es denn dann auch um die Zukunft der Generaldirektorin Sabine Schormann gehen?

Nicht direkt, wie zu hören ist. Eine Entlassung steht nicht zur Debatte, was auch damit zu tun hat, dass man Schormann rein arbeitsrechtlich nichts vorwerfen kann, was einen solchen Schritt rechtfertigen könnte. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, ihr einen Berater zur Seite zu stellen, der die Aufarbeitung des Eklats – wie auch immer – begleitet. Allerdings böte solch eine Konstruktion auch Gefahren. Eine Art Aufsicht würde sowohl bei Schormann als auch in Künstlerkreisen nicht gut ankommen. Ein provozierter Rücktritt Schormanns könnte schließlich eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende sogar das Aus der documenta fifteen stehen könnte.

Um was könnte es noch gehen?

Im Raum steht immer noch die Frage, wie es strukturell weitergeht – ob und in welcher Form etwa der Bund wieder einsteigt. Oder aber auch: welche Fachleute noch geholt werden können. Ins Reich der Verschwörungstheorien werden gemeinhin die kursierenden Vermutungen gesteckt, Kassel könne die documenta an eine andere Stadt verlieren.

Wer gehört dem Gremium Aufsichtsrat überhaupt an?

Der Aufsichtsrat besteht aktuell aus zehn Personen. Vorsitzender des Gremiums ist Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), seine Stellvertreterin ist Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne). Sie hat die Sondersitzung auch beantragt. Weitere Mitglieder des Aufsichtsrats sind Staatsminister Axel Wintermeyer (CDU), Kassels Regierungspräsident Mark Weinmeister (CDU), Martin Worm (parteilos), Staatssekretär des hessischen Finanzministeriums, die Kasseler Landtagsabgeordnete Karin Müller (Grüne), Kassels Kulturdezernentin Susanne Völker (parteilos) sowie die Kasseler Stadtverordneten Rabani Alekuzei (SPD), Gernot Rönz (Grüne) und Marcus Leitschuh (CDU). Insofern sind in dem Gremium Vertreter der beiden documenta-Gesellschafter Stadt Kassel und Land Hessen vertreten.     Vertreter des Bundes finden sich im Aufsichtsrat derzeit nicht wieder. In Folge des Finanzskandals vor fünf Jahren hat die Bundeskulturstiftung ihre beiden Sitze ruhen lassen. (Florian Hagemann)

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