Königsplatz, Goethestern, Uni – oder besser gar nicht?

Diskussion um documenta-Kunstwerk: Wo soll der Obelisk später hin?

„Willkürlich gewählt“: Nach Ansicht des Arbeitskreises Denkmalschutz und Stadtgestalt stört der bisherige Standort des Obelisken die charakteristische Funktion des Königsplatzes. Unser Foto entstand beim Aufbau des documenta-Werks im Juni. Archivfoto: Schachtschneider

Kassel. Königsplatz, Goethestern, Uni – oder besser gar nicht? Schon vor der Entscheidung, ob das documenta-Kunstwerk überhaupt angekauft und in Kassel bleiben soll, wird in der Stadt heftig über den möglichen Standort des Obelisken gestritten.

Die AfD lehnt das 16 Meter hohe Kunstwerk des Künstlers Olu Oguibe gar als „ideologisch polarisierende, entstellte Kunst“ komplett ab. Andere können sich den Verbleib des Obelisken in Kassel vorstellen, wünschen ihn sich aber an einem anderen Standort als am Königsplatz.

Christian Presche

In die Diskussion um das documenta-Kunstwerk hat sich am Mittwoch auch der Kasseler Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt eingeschaltet. „Der Arbeitskreis plädiert dafür, im Falle eines Ankaufs durch die Stadt einen anderen, geeigneten Standort für den Obelisken zu suchen“, betont der Historiker Dr. Christian Presche. Der auffallende, 16 Meter hohe Obelisk betone einen willkürlich gewählten Punkt innerhalb der kreisrunden Platzfläche. „Der denkmalgeschützte Königsplatz ist jedoch so angelegt, dass er sechs gleichberechtigte Platzsegmente voraussetzt; nur dann kann er seine charakteristische Gelenkfunktion zwischen der Königsstraße und der Altstadt erfüllen.“

Auch Brunnen abgelehnt

Deshalb habe auch das Preisgericht bei der bislang letzten Umgestaltung des Königsplatzes (2003/2004) gegen einen einzelnen Brunnen entschieden, der nur ein Segment betont hätte, und für eine Brunnenanlage, die den ganzen Platz umgeben sollte. Aktuelles Hauptproblem des Königsplatzes sei, dass die Platzstruktur mehrfach „negiert“ werde – etwa durch die einfarbige mittlere Asphaltfläche und durch die tiefe Straßenbahntrasse mit Wartehäuschen, die das Rund in zwei Hälften zerschneide. Presche: „Eine weitere beliebig wirkende Möblierung einzelner Segmente – wie durch den haushohen Obelisken vor dem City-Point – würde die Problematik weiter verschärfen.“

Ein vom Stadtteil Vorderer Westen ins Spiel gebrachter Ort für den Obelisken stößt bei dem Arbeitskreis ebenso auf wenig Gegenliebe. Der Goethestern sei als Standort ebenfalls problematisch. „Auf den ersten Blick bietet er sich zwar für einen mittleren Akzent an“, meint Presche. Die Goethestraße sei jedoch schon auf den Herkules als Blickpunkt ausgerichtet. Dieser prägende Bezug würde durch jedes hohe Monument innerhalb des Straßenverlaufs im Blick nach Westen gestört.

Würde die Blickrichtung Herkules stören: Deshalb lehnt der Arbeitskreis auch den Goethestern als Obelisk-Standort ab. Foto: Fischer

Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), der die Diskussion um den Verbleib von d 14-Kunstwerken mit angestoßen hatte, könnte indes mit dem Obelisken am bisherigen Ort auf dem Königsplatz leben. Eine Empfehlung, welche Arbeiten der documenta dauerhaft in Kassel bleiben sollen, will die Ankaufkommission der Stadt am 5. September aussprechen.

Klare Mehrheit für den Verbleib des Obelisken

Für die HNA-Leser ist es eine klare Angelegenheit: Mehr als 60 Prozent der knapp 5000 Teilnehmer an unserer Online-Umfrage auf HNA.de sind der Meinung, dass der Obelisk dauerhaft auf dem Königsplatz bleiben sollte, weil er den Platz bereichern würde. Nur rund 33 Prozent sagten bis Mittwoch Nein und meinten, das documenta-Kunstwerk habe dort langfristig nichts. Nur gut sechs Prozent war das Thema egal.

Im Kulturausschuss am Dienstagabend zeichnete sich bei den meisten Fraktionen – mit Ausnahme der AfD – ebenfalls eine Zustimmung zum Ankauf des documenta-Kunstwerks von Olu Oguibe ab.

In vier Sprachen hat der US-Künstler auf dem Obelisken den Bibelspruch „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ in Goldschrift anbringen lassen.

Der Kasseler Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt wartet nunmehr mit einem neuen Vorschlag auf. Das Gremium halte im Falle eines Ankaufs des Obelisken mehrere Standorte im Stadtgebiet für prüfenswert, berichtet Dr. Christian Presche. Als Beispiel für einen möglichen Standort schlage der Arbeitskreis die Fläche vor dem geplanten documenta-Institut an der Universität am Holländischen Platz vor. Das d 14-Kunstwerk sei auf der Spitze zwischen Holländischer Straße und Henschelstraße, im Blickpunkt der Unteren Königsstraße vorstellbar.

Wie berichtet, hatte bereits die Entscheidung für den Bau des documenta-Instituts auf dieser Fläche (bislang Parkplatz) für einige Diskussionen in der Kasseler Stadtpolitik gesorgt. Die CDU wollte den Neubau näher an den documenta-Stätten am Friedrichsplatz errichtet sehen. Der Magistrat sprach sich schließlich aber für den Standort an der Uni am Holländischen Platz aus.

Neuer Vorschlag: Nach Ansicht des Arbeitskreises könnte der Obelisk an der Uni am Holländischen Platz neben dem geplanten Neubau des documenta-Instituts errichteten werden.

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