Wohnen wie Peter Lustig im Kreis Kassel

documenta-Besucher wohnen in Lohfelden im Bauwagen

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Urlaub im Bauwagen: Pia Bothe und Thomas Meibert nehmen Gäste in Vollmarshausen auf.

Lohfelden. Die documenta 14 läuft in Kassel – das macht sich auch im Landkreis bemerkbar. Viele Privatleute bringen die Gäste aus aller Welt bei sich zu Hause unter. Wir erzählen in loser Reihenfolge von den besonderen Begegnungen im Landkreis Kassel.

Im Garten von Thomas Meibert und Pia Bothe sieht es ein bisschen aus wie bei Peter Lustig – das Ehepaar vermietet seit fünf Jahren seine Bauwägen an Urlauber und Durchreisende. Gerade documenta-Besucher lassen ihre kulturellen Eindrücke gerne im idyllischen Garten der Lohfeldener Revue passieren.

Aber nicht nur für die Urlauber, sondern auch für Familie Meibert-Bothe selbst ist die Bauwagen-Vermietung über verschiedene Online-Anbieter im Laufe der Zeit etwas ganz Besonderes geworden. „Wir erinnern uns an so viele spannende Begegnungen“, erzählt Pia Bothe. Erst am vergangenen Wochenende haben Agnes und Michael Langenbach, ein Ehepaar aus dem Schwarzwald, auf der Durchreise nach Schweden Station im Bauwagen gemacht, um sich die documenta anzuschauen.

Klein aber fein: Beide Bauwägen sind mit einem gemütlichen Doppelbett und einer Sitzecke ausgestattet.

Aus dem Alltag ausbrechen

Der ruhige Schlaf im gemütlichen Bauwagen ist laut Bothe ein einzigartiges Erlebnis. „Man ist auf ein Minimum beschränkt und kann aus dem stressigen Alltag ausbrechen“, sagt sie. Natur pur, eine einfache Einrichtung und uriges Ambiente – das sei für viele eine Wohltat.

Manchmal entwickele sich aus einem reinen Mietverhältnis sogar eine Art freundschaftliche Beziehung zwischen dem Paar und den Urlaubern. „Einen Franzosen, der hier im Bauwagen übernachtet hat, habe ich abends mal mit zum Fußball genommen“, erzählt Meibert. Ein Künstler aus Dresden war sogar für ein halbes Jahr zu Gast. Dabei war dieser zuerst nicht so überzeugt von der Bauwagen-Idee. „Nörgler gibt es immer. Aber nach der ersten Nacht sind meistens alle total begeistert“, sagt Meibert. Einige Anfragen haben die Zwei in der Vergangenheit auch schmunzeln lassen: „Einmal haben wir eine Mail von einem Chinesen bekommen. Der wollte hier schlafen und dann täglich mit dem Rad nach Göttingen fahren. Dem haben wir vorsichtig von seiner Idee abgeraten“, erzählt Bothe mit einem Augenzwinkern.

Selfie auf der Durchreise: documenta-Besucher Agnes und Michael Langenbach haben auf dem Weg nach Schweden Station in Kassel gemacht. Übernachtet wurde bei Familie Meibert-Bothe im Bauwagen. Foto: privat

Vom Acker in den Garten

Vor rund zehn Jahren hat die damals 12-jährige Tochter Natalie den ersten Bauwagen auf einem Feld entdeckt und wollte ihn unbedingt haben. „Wir haben dann mit dem Landwirt gesprochen. Der hat uns den Wagen vermacht und seitdem ist er Teil unseres Gartens“, so Meibert. Den zweiten Bauwagen habe sich das Paar erst kürzlich angeschafft.

Auch von Familie und Freunden bekommen die Lohfeldener häufig Besuch. Im schönen Wohnhaus und auf der geräumigen Terrasse wird dann zwar Kaffee getrunken oder gegrillt, doch für die Übernachtung wählen auch die privaten Gäste nur eines: die kleinen, gemütlichen Bauwägen im Garten.

Die Bauwägen sehen alle verschieden aus und sind unterschiedlich eingerichtet.

Hintergrund: Gastgeber bestimmen Preis

Sind Hotels und Pensionen in Kassel ausgebucht, greifen viele Gäste der documenta auf Unterkünfte im Kreis zurück, sagt Dehoga-Kassel-Geschäftsführerin Anna Homm auf HNA-Anfrage. Zahlen könne man aber erst im Nachhinein nennen. Die Unterbringung über Privatleute etwa über Airbnb ist eine beliebte Alternative. Überall im Landkreis werden Unterkünfte angeboten – vom Zimmer, über eine Wohnung bis zum kompletten Haus. Die Kosten legen die Gastgeber selbst fest. Sie können auch entscheiden, ob sie zu der Unterbringung weiteren Service, wie etwa Frühstück, anbieten.

Aufruf an die Leser

Haben auch Sie Menschen aus aller Welt bei sich im Kreis Kassel aufgenommen? Dafür zum Beispiel ein Baumhaus gebaut oder eine Scheune hergerichtet? Wenn Sie von Ihrer Begegnung mit Besuchern der documenta 14 erzählen wollen, melden Sie sich bei der Kreisredaktion der HNA unter der E-Mail-Adresse kreiskassel@hna.de

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