Standorte, Außengastronomie, Kunst, Politik

Ein Jahr nach dem Ende: Was nach der documenta 14 geblieben ist

+
Tanz im Parthenon: An diesen Abend im August erinnern sich viele documenta-Besucher besonders gerne zurück.

Kassel. Natürlich sind die Bilder geblieben von jenem documenta-Sommer im vergangenen Jahr. Was aber hat die Ausstellung sonst hinterlassen in der Stadt? Der Frage sind wir nachgegangen.

Dazu ein Blick nach oben: Der Parthenon der Bücher ist immer noch ein Motiv, an dem man sich nicht sattsehen kann. Er steht zwar nicht mehr auf dem Friedrichsplatz, aber in der Erinnerung ist er nach wie vor sehr präsent – auch dank der vielen Fotos.

Was aber hat die documenta 14 sonst noch unserer Stadt hinterlassen – außer vielen Eindrücken und dem Gefühl, dass im vergangenen Jahr Kassel internationaler war mit all den Gästen, die zur Weltkunstausstellung nach Nordhessen gekommen waren?

Der Frage sind wir nachgegangen – ein Jahr nach dem Ende der documenta. Was ist geblieben, was hat sich seitdem getan, was hat sich geändert?

Die Standorte: Erwachen nach Dornröschenschlaf

Lange hat es gedauert, bis in die meisten documenta-Standorte wieder kulturelles Leben eingezogen ist. So wurde im Fridericianum erst zur Museumsnacht die Ausstellung „Absurdity in Paradise“ eröffnet – zuvor wirkte Kassels imposantestes Museum vorübergehend im Dornröschenschlaf. Für den Kasseler Kunstverein bot sich jetzt anlässlich des 25. Jubiläums seines Einzugs ins Fridericianum zum ersten Mal die Chance, das gesamte Erdgeschoss des Gebäudes zu bespielen. 

Lange im Dornröschenschlaf: Kassels imposantestes Museum, das Fridericianum.

Alltag kehrte hingegen schnell an der Torwache ein. Die Säcke, die die Torwache umhüllt hatten, wurden nach der d14 für eine weitere Performance des Künstlers Ibrahim Mahama in Grenoble benutzt. 

Bereits vor der documenta 14 fristete die neue Hauptpost ein Schattendasein an der Unteren Königstraße. Während der documenta ging der Plan von documenta-Leiter Adam Szymczyk auf, das Viertel zu beleben. Nach dem Ende der Weltkunstausstellung herrscht am Standort der „Neuen Neuen Galerie“ allerdings Tristesse. Nach dem Auszug von Post- und Postbank-Filiale stehen weite Teile des Gebäudes leer. 

Dagegen ist die Neue Galerie wieder das MHK-Museum für die Kunst des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geworden. Die Ausstellung wurde um 50 Werke ergänzt. Als jüngste Erwerbungen von Kunst der documenta 14 sind das Gemälde „vater kind kind“ von Miriam Cahn und Teile der Installation „Music Room, Athens“ von Nevin Aladag zu sehen. 

Ins benachbarte Palais Bellevue soll künftig das Spohr-Museum einziehen und Kasseler Musikgeschichte präsentieren. (kme/w.f.)

Die Außengastronomie: Weinberg als Anziehungspunkt

Eins steht fest: Die documenta 14 hat den Weinberg endgültig zu einem der Anziehungspunkte im Stadtgebiet gemacht. Gründe dafür sind natürlich die beeindruckende Aussicht und die dortigen Museen. Aber auch die Gastronomieangebote locken Einheimische und Besucher in den Park und auf die Weinbergterrassen. 

Lockt die Massen: Der Kasseler Weinberg mit seinen kulturellen und gastronomischen Angeboten.

Umso schöner, dass „Grimms Garten“ auch nach der documenta erhalten geblieben und zum beliebten Treffpunkt in diesem Supersommer geworden ist. Auch das Südstadtfestival auf den Weinbergterrassen hat ein bisschen documenta-Gefühle mit in diesen Nach-documenta-Sommer gebracht. Gleiches gilt für den Biergarten Boreal am Schlachthof, der sich zu einem kulturellen Treffpunkt entwickelt hat. 

Besonders oft kamen beim Gang über den Friedrichsplatz Erinnerungen an den vergangenen Sommer auf: Wie schön wäre es doch gewesen, wenn man noch ein Bierchen auf dem Floor 14 trinken könnte, statt nur sein Auto auf der obersten Ebene des Kaufhofparkdecks abzustellen. Oder auch einen Flammkuchen mit Ahler Wurst in Beckett’s Garden. (kme)

Die Kunst: Er steht immer noch

Er steht auch noch ein Jahr nach dem Ende der documenta 14 auf dem Königsplatz. Und selbst wenn er demnächst entfernt werden sollte, hat es der Obelisk geschafft, das ganze Jahr über Thema zu sein. Soll er auf dem Königsplatz bleiben? Ja? Nein? Vielleicht? 

Prägt das Stadtbild: Der Obelisk.

Die mittlerweile sehr zähe und sich im Kreise drehende Diskussion hat zumindest verdeutlicht, was Kunst alles auslösen kann: eine politische Debatte, eine endlose Kontroverse, eine Dauerpräsenz in den Medien. Fast die ganze Welt berichtete über das Kunststück von Olu Oguibe, was ein Obelisk erst mal hinbekommen muss. Er taugte in all der Zeit als Symbol für fast alles. 

So gesehen ist Oguibe mit dem Obelisken fernab der reinen Kunstbetrachtung auch ein echter Coup gelungen. Er hat die documenta 14 verlängert, und die Geschichte ist ja noch nicht zu Ende. Stand jetzt, wird der Obelisk bis Ende des Monats abgebaut. Aber was heißt das schon? (hag)

Die documenta von oben - Luftbilder der Ausstellung

Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, Fridericianumdocumenta-Kunstwerk von Daniel Knorr, Zwehrener-TurmFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Weinberg, Grimmwelt, SepulkralmuseumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017TorwacheFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017TorwacheFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumParthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017documenta-Kunstwerk von Daniel Knorr, Zwehrener-TurmFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Obelisk des Künstler Olu Oguibe, KönigsplatzFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017documenta-Kunstwerk von Daniel Knorr, Zwehrener-TurmFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017documenta-Kunstwerk von Daniel Knorr, Zwehrener-TurmFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Obelisk des Künstler Olu Oguibe, KönigsplatzFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Foto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017„Mill of Blood“ (Mühle des Blutes) des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela Karlswiese, Karlsaue, OrangerieFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017„Mill of Blood“ (Mühle des Blutes) des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela Karlswiese, Karlsaue, OrangerieFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Foto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017„Mill of Blood“ (Mühle des Blutes) des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela Karlswiese, Karlsaue, OrangerieFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017„Mill of Blood“ (Mühle des Blutes) des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela Karlswiese, Karlsaue, OrangerieFoto: Schachtschneider
 © Schachtschn eider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín, Friedrichsplatz, FridericianumFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Luftbilder Stadt Kassel Documenta 14 vom 01.06.2017Landesmuseum TorwacheFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider

Die Politik: Es geht weiter

Dass die documenta 14 nachhallte, zeigt sich beim Blick auf die politische Aufarbeitung der Weltkunstausstellung. Das hat vor allem damit zu tun, dass die documenta mit einem Knall endete: Kurz vor Schluss wurde öffentlich, dass die Doppelausstellung in den Städten Kassel und Athen ein Millionendefizit verursachte. Das führte zu einem politischen Nachspiel – mit Gezanke und einer Menge Diskussionen im Hintergrund. 

Sabine Schormann ist die neue Generaldirektorin der documenta.

Nun ist vieles anders: Annette Kulenkampff hat sich als documenta-Geschäftsführerin verabschiedet, Wolfgang Orthmayr hat zwischenzeitlich das Sagen; im Hintergrund arbeitet aber schon Sabine Schormann an der Zukunft der Weltkunstausstellung. Im November soll sie offiziell ihr neues Amt als Generaldirektorin aufnehmen. 

Nach all den Querelen ist nun auch eine Kommission gefunden, die den neuen Künstlerischen Leiter für die documenta 15 suchen soll. Der Blick ist Richtung Zukunft gerichtet, was lange nicht der Fall war. Mehr noch: Es gab nicht wenige, die an einer Zukunft der documenta zweifelten. Von daher war das zurückliegende Jahr eines der schwersten und nervenaufreibendsten in der Geschichte der documenta. Aber es geht weiter. (hag)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.