Kritik an der Aufspaltung der documenta 14

Hilgen: Volle Hotels sind nicht Auftrag der documenta

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Kassel. Mit einem rhetorischen Kniff versuchte Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) die Kritik an der Aufspaltung der documenta 14 ins Positive zu wenden: Vor den Stadtverordneten sagte er am Montagabend, dass die leidenschaftliche Debatte zeige, dass den Kasselern ihre documenta am Herzen liege.

Dies sei in der Geschichte der Weltkunstschau nicht immer so gewesen. Die Entscheidung des künstlerischen Leiters Adam Szymczyk, die d14 im Jahr 2017 auch in Athen stattfinden zu lassen und dort zu eröffnen, verteidigte er. Künstlerische Freiheit stehe über den Interessen der örtlichen Hotellerie und Geschäftsleute.

Wörtlich sagte Hilgen: „Die documenta ist nicht in erster Linie erfolgreich, wenn Parkhäuser und Hotels ausgelastet sind.“ Es sei eine Kunst- und Bildungsveranstaltung. Wenn nach dem Motto schneller, höher, weiter verfahren werde, drohe die documenta „verramscht“ zu werden. Das sei nicht im Sinn des documenta-Gründers Arnold Bode.

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Hilgen stellte nochmals klar, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender das von der CDU geforderte Machtwort weder sprechen könne noch wolle. In künstlerischen Angelegenheiten verbiete sich das. Darin sei er sich auch mit dem hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein (CDU) einig, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt. Szymczyk, der von einer international besetzten Findungskommission ausgewählt wurde, genieße sein volles Vertrauen, so Hilgen.

Der Oberbürgermeister benannte aber auch die Risiken. Natürlich könne es sein, dass durch die Eröffnung der d14 in Athen die Aufmerksamkeit stärker auf die griechische Hauptstadt gelenkt werde. Auch die „symbiotische Verbindung“ zwischen documenta und Kassel könne gelockert werden. Aber aus seiner Sicht sei die Chance größer, dass sich durch zwei Standorte die Aufmerksamkeit verdopple. „Es ist ist nicht ehrenrührig für Kassel, mit Athen auf einem Niveau zu diskutieren.“ Zudem habe Szymczyk klar gestellt, dass Kassel das Zentrum der Schau bleibe.

Die Stadtverordneten bezogen unterschiedliche Positionen. Während sich CDU-Fraktionschef Dr. Norbert Wett und Bernd Häfner (Demokratie erneuern/Freie Wähler) um das Alleinstellungsmerkmal der documenta sorgten, sprach Axel Selbert von den Kasseler Linken von „kleingeistigem Alarmismus“.

Grüne: Das ist prima PR

Helga Weber von den Grünen sieht in der bundesweit laufenden Debatte eine „bereits jetzt gelungene PR“ für die d14. Kassel sei der originäre Standort der documenta und das wisse auch jeder. Die documenta müsse jeweils für Überraschungen gut sein und sei eben „keine Veranstaltung der Wirtschaftsförderung“.

Dr. Rainer Hanemann von der SPD rief zur Gelassenheit auf. Erst müsse das Konzept des Leiters vollständig vorliegen. „Es ist kontraproduktiv, es vorher kaputt zu reden.“

Von Bastian Ludwig

Quelle: mydocumenta

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