Künstler aus der Region sind enttäuscht

Kein Markt: Kunsthandwerker bleiben bei documenta außen vor

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Zirkuswagen auf dem Königsplatz: Vor fünf Jahren war der Kunsthandwerkermarkt hier angesiedelt. Auch Jutta Walther (Perlenrausch) war nicht glücklich über diesen Standort. 

Kassel. Während der documenta 2017 wird es erstmals seit vielen Jahren keinen Kunsthandwerkermarkt geben.

Einst war er spontan und unorganisiert entstanden. Künstler, Musiker und kleine Marktstände siedelten sich während der documenta zunächst auf dem Friedrichsplatz und der Mahlertreppe an, später wurde daraus ein größerer Kunsthandwerkermarkt. Erstmals seit vielen Jahren wird es diesen Markt an Rande der documenta 14 nicht mehr geben. Er sei von der documenta-Leitung nicht gewünscht, ist zu hören.

Eine Platzierung in der Nähe der Ausstellungsorte der documenta könne nicht bestätigt werden, heißt es dazu lediglich von der documenta-Pressestelle. Viele der Künstler und Standbetreiber, die seit vielen Jahren die documenta auch mit Aktionen begleiteten, hätten versucht, den Markt auch in diesem Jahr auf die Beine zu stellen und ein Okay von den Verantwortlichen zu erhalten. „Wir haben viele Gespräche geführt, aber es war nichts zu machen“, sagt Susanne Roth, die seit den 80er-Jahren dabei ist und sich gut an die Anfänge erinnert. „Es war ein wilder Markt, der einfach so entstanden ist“, sagt sie. Joseph Beuys habe sich für den Markt eingesetzt: „Er sagte: Jeder ist ein Künstler.“

Und so wurde der einst wilder Markt von Kunstschau zu Kunstschau immer mehr zu einer Institution. „Es war spontan und inspirierend“, erinnert sich die Zierenbergerin, die unter anderem Schmuck aus altem Tafelsilber fertigt.

Besonders viel Spaß habe auch die documenta 9 mit Jan Hoet als künstlerischem Leiter gemacht, an deren Leichtigkeit sie sich gerne erinnert.

Susanne Roth

Der Markt habe eine Chance für Künstler und Kunsthandwerker aus der Region geboten, bei der Weltkunstschau dabei zu sein, bedauert auch Jutta Walther, die vor fünf Jahren das erste Mal mit ihrem selbstgefertigten Schmuck und dem bunten Zirkuswagen dabei war. „Es wäre einfach schade, denn dann wird es den Kunsthandwerkermarkt zur documenta nie wieder geben.“ 2012 fand der Markt mit rund 30 Ständen erstmals unter der Regie der documenta auf dem Königsplatz statt. Mit den Jahren sei der einst wilde Markt immer mehr reglementiert worden, sagt Susanne Roth. So wurden beim letzten Mal Klagen der Standbetreiber laut, dass der Markt auf dem Königsplatz zu weit entfernt von den Ausstellungsorten von den documenta-Besuchern nicht gefunden werde. Immerhin lagen vor fünf Jahren die Standmieten schon bei 2000 bis etwa 5000 Euro für die 100 Tage.

An die wunderbare Atmosphäre des Kunsthandwerkermarktes an der Schönen Aussicht bei der documenta 12 dachten viele mit Wehmut zurück.

Die Standbetreiber von einst jedenfalls sind enttäuscht, „dass es Künstlern aus der Region kein Raum gegeben wird, wenn in der Stadt etwas passiert“, wie es Susanne Roth auf den Punkt bringt.

Das sagt die Stadt Kassel

„Beim Ordnungsamt gab es lediglich Anfragen von Kunsthandwerkern, die im Zeitraum der documenta Verkaufsstände an Einzelstandorten – zum Beispiel auf dem Königsplatz oder im Bereich Friedrichsplatz – aufstellen wollten. Die Anfragen wurden abgelehnt, da Verkaufsstände nur innerhalb von festgesetzten Märkten aufgestellt werden sollen. Ein Kunsthandwerkermarkt ist nicht angemeldet worden“, sagt ein Stadtsprecher.

Alle Infos, Öffnungszeiten und Ticketpreise finden Sie auf unserer Themenseite zur documenta 2017.

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