Rat und Hilfe für Besucher in der Kasseler Innenstadt

Wache zur documenta am Friedrichsplatz: Ist das Kunst oder Polizei? 

+
Auf Streife im Parthenon der Bücher: Sinan Tuna und Petra Gummer gehören zum Team der documenta-Wache der Polizei.

Die Polizei in Kassel hat für 100 Tage während der documenta eine neue Wache im Zentrum der Kunst: Am Friedrichsplatz ist wieder eine polizeiliche Anlaufstelle für Besucher geschaffen worden. 

Wenn man als Polizist auf der documenta arbeitet, muss man mit allem rechnen. „Sind Sie denn eigentlich echt?“, wollte eine Besucherin von Beamtin Petra Gummer wissen, die vor der Neuen Galerie Streife lief. „Die dachte wohl, ich gehöre zur Ausstellung“, amüsiert sich die Polizeioberkommissarin. Die 47-Jährige liebt zwar das Flair zur documenta, als Kunstwerk begreift sie sich aber noch nicht. Sie gehört zum Team der documenta-Wache auf dem Friedrichsplatz.

Wie bei den vergangenen Weltkunstausstellungen zeigt die Polizei im Revier der Kunst Präsenz. Die Mini-Wache in einem Container hinter dem Café Alex ist täglich elf Stunden lang geöffnet. Die Beamten, die während der 100 Tage der documenta dort im Einsatz sind, haben sich freiwillig gemeldet. „Das ist mal eine schöne Abwechslung vom normalen Dienst“, findet Sinan Tuna, der sonst im Revier Ost arbeitet. Wenn sich rund um die documenta-Wache Menschen an ihn und seine Kollegen wenden, dann meist mit Fragen oder Bitten um Auskunft. „Man ist mal nicht in dieser Rolle hier“, sagt der Polizeioberkommissar und wedelt mit dem erhobenen Zeigefinger. Stattdessen ist er vor allem als sprichwörtlicher Freund und Helfer gefragt.

Wo ist das Presse- und Informationszentrum der d14? Wo gibt es eine Toilette? Wo kann man einen Parkschein ziehen? Auch bei einem Platten am Rollstuhl haben die Beamten schon geholfen – mit Unterstützung vom benachbarten VW-Stand, wo es eine passende Pumpe gab. Zudem wird die zentral gelegene Polizeistelle auf Zeit mitunter als Fundbüro in Anspruch genommen.

Anders als im regulären Polizeialltag spielen Straftaten – zumindest bislang – eine untergeordnete Rolle auf der documenta-Wache. Bis auf einige wenige Anzeigen wegen Taschendiebstählen sei es bislang ruhig geblieben, berichtet Dienstgruppen-Leiter Lars Viereck. „Die Leute sind ja auch hier, um sich Kunst anzuschauen und nicht, um Stress zu machen.“ Es sei schon auffällig, dass ein anderes Publikum in der Innenstadt unterwegs sei als sonst.

Allerdings zieht die Weltkunstschau auch einige selbst ernannte Künstler an, die im Umfeld der documenta-Werke eine Plattform für eigene „Ausstellungen“ suchen, berichtet Viereck. Der Sicherheitsdienst der documenta könne solchen Trittbrettfahrern einen Platzverweis aussprechen. Wenn der nicht befolgt wird, holt die Kunst-Security mitunter die Polizei zur Hilfe. Mit deren Verhandlungsgeschick und Autorität ist bisher noch jeder abgezogen, ohne dass die Situation eskalierte.

Anders als noch 2012 spielt auch der Schutz vor potenziellen Terroristen diesmal eine Rolle zur documenta – wie inzwischen bei jeder Großveranstaltung. Zwar bestehe keine konkrete Gefahr, dennoch habe man sich auf alle Szenarien vorbereitet, so die Polizei, ohne Details zu nennen. Nur so viel: Es seien mehr Beamten im Einsatz und diese seien sensibilisiert. Im Streifenalltag mache sich der Unterschied vor allem darin bemerkbar, sagt Viereck, „dass wir noch mehr darauf achten, wer hier mit welchen Gegenständen herumläuft.“

documenta-Wache, Friedrichsplatz hinter Café Alex, täglich von 9.30 bis 20.30 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.