Steinmeier bei Eröffung: Kunst ist keine Komfortzone

documenta 14 in Athen eröffnet: Ritt nach Kassel hat begonnen

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3000 Kilometer liegen vor ihnen: Hunderte Zuschauer verabschiedeten am Sonntag in Athen die Langstreckenreiter Zsolt Szabo (von links), David Wewetzer, Peter van der Gugten und Tina Boche vor ihrem Aufbruch zur documenta nach Kassel. Ihr Ritt ist der documenta-14-Beitrag des schottischen Künstlers Ross Birrell.

Athen. Es war der symbolische Auftakt für eine lange Reise: Einige Reiter zogen unterhalb der Akropolis auf. Vier werden mit ihren Pferden zu einem Ritt nach Kassel aufbrechen.

Am 9. Juli wollen sie ihr Ziel erreicht haben.

Adam Szymczyk

Der künstlerische Leiter Adam Szymczyk kommentierte den Beitrag „The Transit of Hermes“ des schottischen Künstlers Ross Birrell zur documenta, damit solle eine Linie gezogen und eine Verbindung geschaffen werden zwischen den beiden d14-Standorten Athen und Kassel. Am Samstagmorgen hatte Szymczyk im Museum für zeitgenössische Kunst (EMST) Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und den griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos zur offiziellen Eröffnung empfangen. Steinmeier betonte die politische Dimension der weltweit wichtigsten Kunstschau: „Die documenta war nie eine Komfortzone für Politiker.“

Frank-Walter Steinmeier

Die Komfortzone der documenta hatte der polnische Kurator verlassen, indem er die documenta erstmals gleichberechtigt an einem zweiten Schauplatz ansiedelte. Szymczyk verteidigte diese Verlagerung nach Athen, in jene Stadt, die einst die Wiege genau jener europäischen Zivilisation gewesen sei, die heute einen Punkt der Erschöpfung erreicht habe. Griechische Schuldenlast und der Druck der internationalen Gläubiger hätten zum sozialen Kollaps geführt, es seien Hunderttausende Flüchtlinge ins Land gekommen, in aller Welt würden autoritäre Regierungen und Rechtspopulismus Fuß fassen. „Die Welt kann nicht exklusiv von einem Ort aus erklärt, kommentiert oder geschildert werden“, sagte Szymczyk.

Bundespräsident Steinmeier bekannte sich in seiner Rede zu einem starken Europa - mit, nicht ohne die Griechen.

Wie kompliziert es heutzutage ist, in diesem Europa zu Pferde Staatsgrenzen zu überwinden – das ist die Botschaft des Quartetts, das nun zu 3000 Kilometern nach Kassel aufbricht. Wie David Wewetzer, einer der Langstreckenreiter, sagte, soll der Ritt auch an die lange Kulturgeschichte im Umgang des Menschen mit dem Pferd in der offenen Landschaft erinnern. Diese Selbstverständlichkeit sei inzwischen verloren gegangen.

Die Route führt durch Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich nach Deutschland. Ankommen sollen die Reiter am 9. Juli 2017, etwa einen Monat nach der Eröffnung der documenta 14 in Kassel.

Als beim Stopp an der Kirche St. Sophia der griechische Tierarzt und Pferdezüchter Konstantinos Kourmpelis, der ein Jahr in Kaufungen gearbeitet hat und das Projekt betreut, auf Deutsch die documenta-Stadt Kassel erwähnte, ging ein Johlen durch die Menge. Zahlreiche Kasseler documenta-Gäste hatten sich eingefunden, um die Reiter zu verabschieden.

Hintergrund: Die vier Reiter

Vier erfahrene Langstreckenreiter sind mit ihren Pferden im Namen der Kunst unterwegs: Der Berliner David Wewetzer, der Schweizer Peter van der Gugten, der Ungar Zsolt Szabo und Tina Boche aus Bayern. Sie nutzen vier verschiedene Pferderassen: Criollo, Haflinger, Kabardiner und Karabagh. Begleiten wird sie laut Projektbeschreibung ein Pferd der griechischen Pferderasse Arravani namens Hermes, benannt nach dem Götterboten aus der griechischen Mythologie. Mehr zum Athen-Kassel-Ritt finden Sie hier. (dpa)

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