documenta-Kunstwerk auf dem Königsplatz

Neue Verhandlungen über den Kaufpreis: Hoffnung für Erhalt des Obelisken in Kassel

Kassel. Die Karten werden wieder neu gemischt: Der Obelisk des documenta-14-Künstlers Olu Oguibe wird möglicherweise doch in Kassel bleiben.

Über den Knackpunkt, den Kaufpreis, wollen Oguibe und Kulturdezernentin Susanne Völker nun wieder verhandeln.

Nachdem Oguibe in der HNA erklärt hatte, er sei zu weiteren Verhandlungen bereit, habe sie ihm am Donnerstagmorgen umgehend eine Mail geschrieben, so die Kulturdezernentin: „Wir würden uns sehr freuen, wenn der Obelisk in Kassel bleibt.“ Dass die Gespräche zwischen dem Künstler und der Stadt abbrachen, sei einem Missverständnis geschuldet, erklärt Völker.

Am 25. September habe die documenta eine E-Mail geschickt: Die Stadt müsse innerhalb von drei Tagen erklären, ob der Obelisk in Kassel bleibe oder nicht. Diese Frist sei zu kurz gewesen, um mögliche Sponsoren zu finden, sagt Völker. Im Nachhinein habe sich die formulierte Frist aber als Missverständnis herausgestellt.

Nach Informationen der HNA hatte der US-Künstler mit nigerianischen Wurzeln eine Million Euro verlangt, sollte sein Kunstwerk in Kassel bleiben. Die Stadt Kassel, die zwar nicht die Kosten für den Ankauf von documenta-Außenkunstwerken übernimmt, aber beim Werben um Spenden und Sponsoren vermittelt, winkte ab: Angesichts der Preisvorstellungen Oguibes und der finanziellen Schwierigkeiten der documenta könne man keine Vermittlerrolle übernehmen.

Wie berichtet, war Oguibe enttäuscht, dass sein eigens für Kassel geschaffenes Kunstwerk offenbar nicht auf dem Königsplatz bleiben könne. Im ersten Gespräch mit Kassels Kulturdezernentin habe er einen Preis genannt, der dem Wert auf dem Kunstmark entspräche. Dieser Preis scheint jetzt verhandelbar. Ob der Obelisk in Kassel bleibt, hängt auch davon ab, wie viele Sponsoren seinen Ankauf unterstützen wollen. Nach der d13 waren für Giuseppes Penones Bronzebaum 535.000 Euro zusammengekommen.

Kurz gefragt: „Kunst hat ihren Preis - der kann stark variieren“

Der Ankauf des Obelisken auf dem Königplatz sorgt weiterhin für Diskussionen. Eine konkrete Summe für das d14-Kunstwerk steht dabei noch nicht fest. Von bis zu einer Million Euro war anfangs die Rede. Mittlerweile gibt es Bewegung zwischen den Verhandlungspartnern. 

Da stellt sich die Frage, wie sich der Preis für ein Kunstwerk zusammensetzt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen? Das kann die Kunsthistorikerin Birgit Maria Sturm erklären. Sie ist die Geschäftsführerin des Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler.

Frau Sturm, was macht den Preis für ein Kunstwerk auf dem Kunstmarkt aus?

Sturm: Dazu tragen gleich mehrere Faktoren bei.

Welche sind das?

Sturm: Da spielen zum Einen die Materialkosten, aber vor allem der Bekanntheitsgrad des Künstlers eine Rolle. Darüber regelt sich die Nachfrage auf dem gegenwärtigen Markt.

Wie schätzen Sie den Bekanntheitsgrad eines documenta-Künstlers ein?

Sturm: Generell waren auf der d14 viele Künstler vertreten, die bislang keinen großen Bekanntheitsgrad hatten, was ein bewusster Aspekt der d14 gewesen ist. Aber die Teilnahme an der documenta, die eine der wichtigsten zeitgenössischen Kunstaustellugen ist, trägt zu einem zusätzlichen Marktwert eines Künstlers bei.

Wie schätzen sie die Nachfrage des Obelisken auf dem Kunstmarkt ein?

Sturm: Da der Künstler den Obelisken für einen bestimmten Platz der Stadt Kassel und der d14 angefertigt hat, handelt es sich hierbei um ein Unikat. Das Kunstwerk ist preislich mit keinem anderen Kunstwerk zu vergleichen. Demnach kann es keinen Richtwert geben.

Wie sieht es mit den Materialkosten aus?

Sturm: Der Obelisk ist aus Beton gegossen. Da ist klar, dass es sich nicht um hochwertiges Material handelt. Allerdings muss für die bestimmte Größe und Maße eine extra Gussform angefertigt werden. Das steigert die Kosten.

Halten sie einen Preis von einer Million Euro für gerechtfertigt?

Sturm: Um es neutral auszudrücken: Für einen Obelisken ist das schon ein recht stolzer Preis.

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