Mit einem Choristen unterwegs

Hunderte Gäste buchen Spaziergänge zur documenta 14 am Wochenende 

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Sind für die documenta-Gäste da: Saskia Conrad, Homeira Hüseini und Ilona Dutziewski (von links) geben im Shop am Friedrichsplatz geduldig Auskunft.

Kassel. Im documenta-Shop auf dem Friedrichsplatz summt es wie in einem Bienenkorb. Es ist Samstagmorgen, aber es herrscht bereits Hochbetrieb. Die Vorfreude der documenta-Gäste auf die Kunst ist spürbar.

Hier wird Englisch gesprochen, da Französisch, Japanisch.

Der Container, in dem auch die d 14-Souvenirs wie T-Shirts und Kappen ebenso wie sämtliche Publikationen gekauft werden können, ist häufig Treffpunkt für die Teilnehmer an den documenta-Walks, den Spaziergängen durch die Ausstellungsorte und zur documenta-Kunst. Fünf mit verschiedenen Schwerpunkten werden angeboten, von „Fridericianum“ bis „Von der Neuen Hauptpost zur Gottschalkstraße“.

Walk mit Choristen zur documenta

Mitten im Stress der vielen Fragen erledigen Saskia Conrad, Homeira Hüseini und Ilona Dutziewski ihren Job: in aller Ruhe, ausnehmend freundlich und geduldig. Sie buchen die Walks mit den Choristen. Es sind im Schnitt 100 an einem Wochentag, am Wochenende sind es täglich 170 Spaziergänge.

An anderer Stelle im Container werden die Souvenirs und Publikationen verkauft, Daybooks, Reader, Socken mit d 14-Aufdruck oder die berühmten schwarzen Borosana-Schuhe der Firma Yugoexport der serbischen Künstlerin Irena Haiduk. Und sie geben Auskunft, Auskunft, Auskunft. Das Reservoir an Fragen der internationalen Besucher ist schier unerschöpflich.

Saskia Conrad von der Münchner Agentur Avantgarde, die die Bereiche Kunstvermittlung und Produktsortiment für die documenta 14 übernommen hat, ist verantwortlich für die Choristen. Tausend hatten sich für den Job beworben, zur documenta in Kassel den Besuchern die Kunst nahe zu bringen. 

„160 Menschen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren aus der ganzen Welt haben wir ausgesucht“, sagt Saskia Conrad. Diese interessanten Menschen mit ihren eigenen Biografien sorgten für ein großes Spektrum an möglichen Gesprächen und Annäherungen an die d 14-Kunst. „Unser Ziel ist es, dass die Leute die documenta toll finden“, sagt Saskia Conrad. Bisher sei das Feedback der Gäste auf diese offene und wenig starre Herangehensweise der Spaziergänge vorwiegend begeistert gewesen.

Ruhe und Entspannung vor dem documenta-Walk: Choristen bereiten sich im Infozentrum am Friedrichsplatz auf ihre Spaziergänge mit d 14-Besuchern vor. Helène Coineau-Sellnow aus Berlin ist eine von 160 Choristen.

Hundert Meter vom Shop entfernt, im documenta-Infozentrum (in den ehemaligen Räumen des Geschäfts Leder-Meid) haben die Choristen ihren Rückzugsort. Hier können sie arbeiten, lesen, sich vorbereiten, ausspannen. Die in Berlin lebende Kunsthistorikerin Hélène Coineau-Sellnow (36) wird gleich zum Walk mit Mitgliedern des Country-Clubs aus Oldenburg starten. Sie freut sich drauf. „Kunst“, so sagt sie, „ist oft ein Vorwand für gute und tiefe Gespräche.“

Hier ziehen sich die Choristen zurück

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