Kunst unter der Akropolis

documenta 14: Nordhessen treffen sich in Athen 

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Haben jetzt eine Vorstellung von den Dimensionen: Auf der Akropolis in Athen steht der Parthenon-Tempel. Die Künstlerin Marta Minujín lässt ihn zurzeit im gleichen Größenverhältnis auf dem Friedrichsplatz als „Parthenon der Bücher“ nachbauen. Norbert Kraft und Annelie Kühn-Federlin aus Baunatal sowie Heike und Rainer Erythropel aus Schauenburg (von links) nehmen das antike Vorbild in Augenschein. 

Athen. Die documenta 14 ist am Samstag eröffnet worden und lockt bereits am ersten Wochenende viele Kunstliebhaber aus der Region in die griechische Hauptstadt. 

Wer zurzeit in Athen unterwegs ist, der kann unter Umständen an jeder Straßenecke auf ein bekanntes Gesicht aus Nordhessen treffen. Kassel trifft sich dieser Tage in der griechischen Hauptstadt, denn es ist documenta-Zeit. Nicht nur Oberbürgermeister Bertram Hilgen weilt samt Entourage zur Eröffnung der documenta 14 in Athen. Er traf hier neben seinem Amtskollegen Yiorgos Kaminis, dem Bürgermeister von Athen, auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie den griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos. Große Politik trifft auf große Kunst.

An mehreren Dutzend Orten in Athen zeigt d-14-Chef Adam Szymczyk, was Künstler aus der ganzen Welt aktuell zu sagen haben. Und mehrere hundert Kasseler Kunstinteressierte sind live dabei. Allein vom Airport Kassel in Calden aus starteten in der zurückliegenden Wochen zwei Maschinen der Fluglinie Aegean-Airlines nach Athen, voll besetzt mit documenta-Fans. Darunter 80 Passagiere, die eine HNA-Leserreise gebucht hatten.

Alles zur documenta 14 in Athen und Kassel finden Sie hier in unserem Spezial.

Die meisten einte schon wenige Stunden nach der offiziellen Eröffnung im EMST, einer zur Kunsthalle umgebauten Brauerei, eines: Begeisterung. „Ich bin positiv überrascht“, war am Eröffnungswochenende ein häufig gehörter Satz. Und das lag nicht nur am blauen Himmel über Athen, an den duftenden Pomeranzenbäumen an den Straßenrändern oder an der Gastfreundschaft der Griechen, sondern an sehr politischer und zugleich sinnlich ansprechender Kunst, die viel zu sagen hat und zur Auseinandersetzung auffordert. Einer der von Anfang an die künstlerische Idee der zwei Standorte mitgetragen hatte, ist OB Hilgen: „Ich hoffe, dass jetzt jeder sieht, dass es sich für Kassel um eine Verdoppelung der Perspektive und nicht um eine Halbierung handelt.“

Szymczyk hat das Motto „Von Athen lernen“ ausgegeben und deshalb ist die d14 ohne das Zusammenspiel mit der Millionen-Stadt, in der alle Probleme Europas zu kulminieren scheinen, nicht denkbar. Vielsagende Kunst findet vor der Kulisse von zahllosen leer stehenden Wohn- und Geschäftshäusern, Bauruinen und Demonstrationszügen von Menschen, die um ihre Existenz kämpfen, statt.

„Athen ist eine Verkörperung von allen Gegensätzen des Lebens – mit der Freude und dem Schmerz“, sagt Szymczyk in einem Interview, das in der Aegean-Airline-Bordzeitung zu lesen ist.

Ab dem 10. Juni werden die Künstler, die jetzt in Athen ihre Kunst zeigen, in Kassel zu sehen sein. Schon jetzt sind in der Athener Schau viele direkte Bezüge zu Kassel zu erkennen.

Die australische Künstlerin Bonita Ely beispielsweise war in Vorbereitung ihrer beeindruckenden Arbeit „Plastikus progressus“, die in der Hochschule der Bildenden Künste Athens (ASFA) zu sehen ist, auch in Kassel unterwegs. Ihr Thema, die Verschmutzung von Umwelt und Gewässern, zeigt sie an Beispielen in Athen und in Kassel.

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