Zerstörtes Kassel nach 1943

documenta-Kunstwerk: Videoinstallation von Hiwa K. soll im Stadtmuseum bleiben

+
Das Modell der zerstörten Stadt im Stadtmuseum.

Kassel. Ein documenta-Video von Hiwa K. zeigt das Modell von Kassel nach der Bombennacht und erzählt dazu eine aktuelle Geschichte. Es soll dauerhaft im Stadtmuseum bleiben.

Wenn es im Kasseler Stadtmuseum so etwas wie ein zentrales Ausstellungsstück gibt, dann ist es das riesige Modell der zerstörten Stadt. Es zeigt sehr detailgenau die Situation nach den verheerenden Zerstörungen in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943

Dieses Modell spielt eine wichtige Rolle in dem eindrucksvollen documenta-Video von Hiwa K. Der irakische Künstler, der mit den Röhren auf dem Friedrichsplatz eines der populärsten documenta-Werke geschaffen hat, erzählt in dem Video eine Geschichte. Es geht um einen Freund und dessen zunächst erfolglosen Asylantrag. Erst als er glaubhaft versichern kann, dass er aus dem unsicheren Teil der weitgehend zerstörten Stadt K. kommt, wendet sich das Blatt. Dafür lernt er den Stadtplan auswendig. „View from above“ (Blick von oben) heißt der Film, die Bilder dazu wurden aus dieser Perspektive mit dem Modell der zerstörten Stadt Kassel gedreht.

Videoinstallation im Stadtmuseum: Das Werk von Hiwa K soll auch nach der documenta in Kassel bleiben. 

Kein Wunder also, dass Museumsleiter Dr. Kai Füldner großes Interesse daran hat, die Videoinstallation dauerhaft in Kassel zu behalten. Einen so unmittelbaren Bezug von einem Kunstwerk zu einer Stadt und ihrer Geschichte gebe es nur selten. Zudem hat das Museum dazu beigetragen, dass der Film überhaupt entstehen konnte.

Mitten in der hektischen Phase vor der Wiedereröffnung nach dem Um- und Ausbau der Räume kam vor anderthalb Jahren die Anfrage des Künstlers. Zu diesem Zeitpunkt sei die Vitrine mit den schweren Glasplatten, unter denen das Modell der zerstörten Stadt steht, bereits geschlossen gewesen. Spezialisten hätten sie für die Filmaufnahmen noch einmal geöffnet, die Rechnung dafür habe die documenta übernommen.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Das findet auch Gabriela Wolff-Eichel, die Vorsitzende des Vereins Freunde des Stadtmuseums. Der will sich finanziell daran beteiligen, dass das Kunstwerk von Hiwa K. in Kassel bleiben kann. Gespräche darüber laufen bereits. Gut möglich, dass das Ende der documenta am kommenden Sonntag der Anfang für eine neue Attraktion in der Dauerausstellung des Museums wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.