45 Tage vor der Eröffnung

Vorboten der documenta 14 bereits jetzt in Kassel sichtbar

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Sie genießen jetzt schon das internationale Flair in der Stadt: Anna Jörg macht auf dem Friedrichsplatz ein Foto von ihren Freundinnen Aleyna Sankutlu (links) und Sophie Mathusek vor dem Parthenon der Bücher.

Kassel. 45 Tage sind es noch, dann wird die documenta in Kassel eröffnet. Doch schon jetzt verändert sich die Stadt an allen Ecken und Enden – und auch ein bisschen im Geiste.

Aktualisiert am 27. April 2017 um 12.07 Uhr - Nach allem, was bisher bekannt ist, wird hier keine documenta-Kunst ausgestellt sein, und doch ist die Friedrich-Ebert-Straße ein guter Ort, um den Spaziergang durch das sich verändernde Kassel zu starten. Der Boulevard ist geschmückt – wie zu Zeiten einer Fußball-WM. Die zentrale Botschaft steht auf mehreren Fahnen: „Die Welt zu Gast in Kassel.“ Mit einer Million Besucher wird gerechnet während der 100 Tage documenta in Kassel. Und es lässt sich jetzt schon sagen: Die Stadt wird das, was die Flaggen verschiedener Nationen erahnen lassen: international. 

Friedrich-Ebert-Straße

Apotheker Klaus Parzefall von der Aktionsgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße gehört zu den Initiatoren der Aktion mit den Flaggen, die kurz nach der Eröffnung der documenta in Athen offensichtlich wurde. So hängen die 47 Fahnen seit Sonntag, dem 9. April. Das war der Tag, nachdem in Griechenland der Startschuss fiel. Der Grund für die kleine Verspätung: Samstags sei zu viel Verkehr für den Hubwagen gewesen. Die Weltkugel, der Herkules, die Akropolis, die Europaflagge, die deutsche, die griechische Flagge und viele internationale Flaggen schmücken nun Kassels Partymeile. Parzefall hofft, dass die Friedrich-Ebert-Straße sich während der d 14 zu einem Erlebnis- und Gastronomiebereich entwickelt. „Wir erwarten nicht, dass die Besucher tagsüber zu uns kommen. Aber am Abend, wenn sie breite Füße haben, können sie sich bei uns erholen.“ 

Wenn es so etwas gibt wie das Herz der documenta, dann schlägt es hier – und zwar schon kräftig. Der Aufbau des „Parthenon der Bücher“ lockt die Zaungäste an. Das entstehende Werk der Künstlerin Marta Minujin ist längst das Gesprächsthema in der Stadt. Das kann auch Volker Fach bestätigen. Der 73-Jährige arbeitet als Ordner. Er sagt: „Je näher die Eröffnung rückt, desto neugieriger werden die Menschen.“ Fach hat eine interessante Erfahrung gemacht: „Viele sagen: Das ist mein Kunstwerk. Und nur ein Einziger hat bisher gemeckert.“ Fachs Fazit: „Ganz Kassel lebt gerade richtig auf.“

Vor dem Kulturbahnhof: In Nachbarschaft des Himmelsstürmers steht ein Stuhl mit Motiven aus Kassel und Athen.

Zu den Besuchern am Parthenon zählen auch Katrin Scharfenbaum und die Kinder der Königstorschule, die in der Kunst-AG sind. Auch die Sozialpädagogin empfindet die aktuelle Zeit als spannend: „Sie hat etwas Geheimnisvolles.“ Das machen auch die Kinder am Parthenon aus. Sie haben festgestellt, dass manche Bücher doppelt sind. Zwei tragen den Titel „Öl“. Die Freundinnen Alayna Sankutlu, Sophie Mathusek und Anna Jörg halten sich derzeit auch sehr gern am Friedrichsplatz auf, zumal die 17-jährige Aleyna ihre Freundinnen vor dem Kunstwerk für eine Arbeit in ihrem Kunstkurs fotografiert. Die Schülerinnen der Albert-Schweitzer-Schule erzählen, wie schön es sei, dass sich die documenta bereits an vielen Stellen bemerkbar macht. „Ansonsten wird die Kunst im Alltag vernachlässigt“, sagt Anna. „Es ist schön, dass die Stadt jetzt mitschwingt.“ 

Aue und Königsplatz

Vorbei an der documenta-Halle geht es in die Aue, von dort zum Königsplatz. Der Teil des Spaziergangs lässt sich auch als Quiz begreifen. Es stellt sich gleich mehrfach die Frage: Ensteht hier gerade ein Kunstwerk, oder ist das eine ganz normale Baustelle? Vor der documenta-Halle und auf dem Königsplatz ist die Antwort klar, hier entwickelt sich Kunst. Es gibt erste Stimmen, die sich schon jetzt für den dauerhaften Erhalt des Obelisken auf dem Königsplatz stark machen – unweit jenes Standortes, an dem sich einst eine streitbare Treppe auftat. 

Universität und Schlachthof

Zum Ende des Spaziergangs geht es über das Unigelände zur Gottschalkstraße und zum Schlachthof. Nirgendwo ist die Veränderung der Stadt offensichtlicher als hier – und das hat nur bedingt mit der documenta zu tun. Der Wandel der Uni ist das eine, die Kunstausstellung das andere. Sie soll in der Gottschalkstraße Gast sein, derzeit wird hier fleißig gebaut. Der Hauch der documenta ist aber auch am Schlachthof schon zu spüren. Hausmanager Antonio Diaz stellt die Pläne für einen Biergarten vor, der im Sommer die Menschen anlocken soll. Er freut sich: „Kassel wird dann für 100 Tage Weltstadt sein.“

Hier entsteht der Biergarten des Kulturzentrums Schlachthof: Antonio Diaz freut sich auf 100 Tage Weltstadt.

Wo sind die Ausstellungsorte der documenta Kassel 2017?

Ein Überblick über das, was bisher feststeht: 

  • Fridericianum 
  • documenta-Halle 
  • Friedrichsplatz
  • Königsplatz
  • Bali-Kinos
  • Ballhaus
  • Cinestar
  • Gloria-Kino
  • Hessisches Landesmuseum
  • Gießhaus/Uni
  • Gottschalk-Halle
  • Grimmwelt
  • Hansa-Haus
  • Kulturbahnhof
  • Kunsthochschule
  • Museum für Sepulkralkultur
  • Naturkundemuseum
  • Hauptpost
  • Neue Galerie
  • Orangerie
  • Palais Bellevue
  • Peppermint (Unt. Karlsstr.)
  • Stadtmuseum
  • Karlsaue
  • Staatstheater
  • Torwache

Wussten Sie schon, dass....?

  • ... die Führungen während der documenta 14 Spaziergänge heißen? So wird es zum Beispiel einen Spaziergang innerhalb des Fridericianums geben, aber auch einen Spaziergang vom Friedrichsplatz zur documenta-Halle. Inspiriert davon haben wir nun unseren eigenen Spaziergang unternommen.
  • ... es diese Spaziergänge auch während der bereits laufenden documenta in Athen gibt?... die Dauer der Spaziergänge in der Regel zwei Stunden beträgt? Der Preis liegt pro Person bei zwölf Euro. Eine Gruppe von bis zu 15 Personen zahlt pauschal 170 Euro. Hinzu kommt immer noch der Eintritt.

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