Welten zwischen Buchdeckeln

Kataloge, Bücher und Magazine zur documenta: Eine Übersicht

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In den documenta-Shops und Buchhandlungen erhältlich: Das documenta-Daybook.

Kassel. Keine klassischen Ausstellungskataloge sind die Publikationen zur documenta 14. Was Daybook, Reader und Magazin bieten. Eine Übersicht.

Was welche Literatur zur Weltkunstausstellung bietet:

Daybook

Das Daybook im Klassenbuch-blauen Plastikeinband entschuldigt sich schonmal im Voraus. Es sei durchaus möglich, dass sich die Leser ein wenig irregeleitet fühlten, steht auf der ersten Seite der Einführung. Schließlich sei diese Publikation weder ein bloßer Ausstellungsführer noch ein Verzeichnis aller lebenden Künstler der documenta 14.

Das Begleitbuch zur Ausstellung versteht sich – ganz im kapriziösen documenta-Sprech – als „polyphone Anthologie“, die durch „disparate Stimmen“ und „von radikal persönlichen Standpunkten aus“ zu den d14-Besuchern spricht. Wer also einen Katalog als übersichtliches Faktenreservoir zum Nachschlagen versteht, wird an dem Buch auf bibeldünnem Umweltpapier wenig Freude haben.

Vielmehr ist das Daybook wie ein Tagebuch gestaltet, das die Seiten statt mit Zahlen mit Daten markiert. Vom 11. April, dem Beginn der documenta in Athen, bis zum 17. September, dem letzten Tag in Kassel, werden die Teilnehmer der d14 in eher poetischen als informativen Texten vorgestellt. Dazu kommen von den Künstlern ausgewählte Bilder (die wenigsten zeigen die documenta-Werke) und Rückblicke auf Ereignisse, die für ihre Arbeit wichtig waren.

Für Geduldige ist die Publikation ein vielschichtiges Künstleruniversum, in dem man sich durch Briefe und assoziative Texte in die Gedankenwelt der documenta-Macher lesen kann. Als Begleiter zum Ausstellungsbesuch ist das weitschweifige Buch jedoch weniger hilfreich – zumal sich alle Texte auch unter den Künstlernamen auf der Homepage finden lassen.

Preis in Kassel: 25 Euro, online inklusive Ausstellungsbroschüren: 35 Euro.

Reader

Inhaltlich ein noch schwererer Brocken ist der 712 Seiten starke ebenfalls bei Prestel erschienene Reader, der mit Essays, historischen Dokumenten und literarischen Texten den theoretischen Unterbau der d14 zwischen Buchdeckel bringt. „Die Transition löst eine epistemische Krise aus“, lautet der erste Satz des Essays von Paul B. Preciado über Geschlechterpolitik. An Begriffe wie „pharmapornografisch“ sollten sich Leser des Bandes gewöhnen.

Das Hirn- und Herzensbuch der d14 für 35 Euro verhandelt unter anderem die Themen Kolonialismus, Geschlecht und die Ökonomien der Kunst, die wie Cecilia Vicunas rote Wollfäden durch die Ausstellung wehen. Der Reader zeigt – wie schon die 100 Notizbücher der d13 – das Streben der documenta nach intellektuellem Avantgarde-Status. Hier kommt die Sehnsucht dazu, moralisch auf der richtigen Seite zu stehen.

Magazin

Als von der documenta oft gepriesene Zwischenform lässt sich das Magazin „South as a state of mind“ (15 Euro) bezeichnen. Waren die Hefte vor der Eröffnung der documenta 14 vor allem publizierte Indizien für die Künstlerliste, lassen sich die Gedichte, Tagebucheinträge und Fotostrecken nun wie Skizzen zur fertigen Ausstellung lesen. Für den Sommer ist ein viertes Bändchen geplant. 

Ebenfalls in Shops und Buchhandlungen erhältlich:  Die  Magazine „South“.

Wenn alle Welt nach Nordhessen strömt, soll der Süden als Gemütszustand noch einmal ausführlich beleuchtet werden.

Alle Publikationen erscheinen auf deutsch, englisch und griechisch.

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