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Antisemitismus-Eklat: Geselle schreibt Scholz – documenta „unter Generalverdacht gestellt“

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Von: Matthias Lohr, Florian Hagemann

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documenta in Kassel: Nach Antisemitismus-Skandal entschuldigt sich das Ruangrupa.
documenta in Kassel: Nach Antisemitismus-Skandal entschuldigt sich das Ruangrupa. (Archivbild) © Uwe Zucchi/dpa

Die documenta 15 in Kassel wird von einem Antisemitismus-Skandal überschattet. Jetzt hat sich erstmals das kuratierende Künstlerkollektiv Ruangrupa geäußert.

Kassel – Nach dem Antisemitismus-Eklat auf der documenta fifteen in Kassel hat sich gestern Nachmittag das kuratierende Künstlerkollektiv Ruangrupa erstmals zu den Entwicklungen rund um das mittlerweile abgebaute Kunstwerk der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi auf dem Friedrichsplatz geäußert.

In einer schriftlichen und auf Englisch verfassten Stellungnahme auf der Homepage der Weltkunstausstellung heißt es: „Wir haben alle darin versagt, in dem Werk die antisemitischen Figuren zu entdecken.“ Ruangrupa bekennt: „Es ist unser Fehler. Wir entschuldigen uns für die Enttäuschung, die Schande, Frustration, Verrat und Schock, die wir bei den Betrachtern verursacht haben.“

documenta 15 in Kassel: Kollektiv äußert sich

Die Kuratoren aus Indonesien erwähnen zudem, dass die documenta in Kassel geöffnet bleiben soll. Sie kündigen an, den begonnenen Dialog fortzusetzen. Eine Gesprächsreihe zum Thema hatte documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann bereits am Tag zuvor im Interview mit unserer Zeitung angekündigt.

Schormann ist selbst extrem in die Kritik geraten. Trotz diverser Rücktrittsforderungen sagte sie gestern aber, sie wolle im Amt bleiben. Indes soll es nach dem Antisemitismus-Eklat nun kulturpolitische Konsequenzen für die Kasseler Kunstschau geben.

Video: documenta reagiert auf Antisemitismus-Skandal

Claudia Roth zu documenta 15: Bund will mehr Einfluss in Kassel

Laut einem Plan von Kulturstaatsministerin Claudia Roth will der Bund mehr Einfluss auf die documenta haben. Demnach sollen Verantwortlichkeiten künftig „klar abgegrenzt und vereinbart werden“.

Damit will die Grünen-Politikerin „die Freiheit der Kunst und des kuratorischen Handelns“ sicherstellen und gleichzeitig Verantwortung eindeutig festschreiben. Der Rückzug des Bundes aus dem Aufsichtsrat 2018 bei gleichzeitigem Festhalten an der Bundesförderung wird als „schwerer Fehler“ bezeichnet. Das soll sich wieder ändern.

documenta 15 in Kassel: Das sind 2022 die Standorte der Weltkunstausstellung.

Antisemitismus-Skandal bei der documenta: Geselle wendet sich an Bundeskanzler

Unterdessen hat Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle einen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (beide SPD) geschrieben. Der Regierungschef in Berlin hatte angekündigt, nicht zur documenta zu kommen – wegen der antisemitischen Motive auf dem Banner der indonesischen Gruppe Taring Padi.

Der OB hält die Absage für unangemessen, da so die documenta „quasi unter Generalverdacht gestellt werde“, wie ein Rathaussprecher auf Anfrage mitteilt. Geselle hofft, dass der Kanzler seine Haltung noch einmal überdenkt und sich ein differenziertes Bild von der aktuellen Situation macht. (Florian Hagemann, Matthias Lohr)

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