Diese acht sollen künstlerischen Leiter auswählen

Fünf Gründe, warum die Findungskommission der documenta 15 vielversprechend ist

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Viermal auf der documenta vertreten: Der indische Filmemacher Amwar Kanwar hat 2002, 2007, 2012 und 2017 an der Ausstellung in Kassel teilgenommen – hier ein Blick in die Neue Galerie, wo bei der d12 seine Videoarbeit „The Lightning Testimonies“ lief. Jetzt gehört der Künstler der Findungskommission für die künstlerische Leitung der documenta 2022 an.

Kassel. Acht Kuratoren und Museumsleiter haben die Aufgabe übernommen, den künstlerischen Leiter für die documenta 15 vom 18. Juni bis 25. September 2022 auszuwählen. Eine gute Wahl?

Nach dem bisher praktizierten Verfahren stimmt der Aufsichtsrat der documenta diesem Vorschlag zu. Die Politiker vertrauen also dem Urteil der Kunstexperten. Wie ist die Findungskommission einzuschätzen? Fünf Argumente, warum die Liste klug zusammengestellt ist.

1. Die Kommission ist international. Singapur, Neu-Delhi, Johannesburg, New York, São Paulo – die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Erdteilen. Das entspricht dem Anspruch der documenta, den Stand der Weltkunst abzubilden. Und es ermöglicht den Blick über den Tellerrand – die Mitglieder sind frei und unbelastet vom unerfreulichen Klein-klein der Kasseler Finanz- und Obeliskdebatte. Sie können nach vorn schauen.

2. Es sind Institutionen von Rang repräsentiert. Ob Tate Modern, Van Abbemuseum, Städelschule oder die Biennalen São Paulo und Berlin – die Kommission steht für Top-Adressen der Kunstwelt.

3. Es ist documenta-Erfahrung dabei. Kassel kennen alle, aber zwei Mitglieder – Ute Meta Bauer und Amar Kanwar – waren selbst intensiv in die Ausstellung involviert.

4. Die Mitglieder repräsentieren unterschiedliche Bereiche der Kunstszene. Museen, Biennalen, Lehrtätigkeiten für Hochschulen in Theorie und Praxis, Publikationen – die Kommission verkörpert ein breites Spektrum. Mit Amar Kanwar ist sogar, anders als bei den letzten Malen, auch ein Künstler dabei.

5. Die Kommission ist jung und am Puls der Zeit. Die Geburtsjahrgänge reichen von 1958/’59 bis 1974. Die Findungskommission steht für verschiedene Weltgegenden und berufliche Perspektiven, aber alle Mitglieder sind dicht am Geschehen, „voll im Geschäft“ und wissen genau, was die Leitung einer documenta erfordert.

Die Mitglieder der Findungskommission in Kurzporträts:

Ute Meta Bauer

1958 in in Stuttgart geboren. Seit 2013 Gründungsdirektorin des Centre for Contemporary Art (CCA) in Singapur. Vorsitzende des Beirats für Bildende Kunst der Goethe-Institute. Sie gehörte dem Kuratorenteam von Okwui Enwezor bei der D11 an. Weitere Stationen: u.a. Künstlerische Direktorin der 3. Berlin Biennale, Royal College of Art London, MIT Boston, Professorin an der Kunstakademie Wien.

Charles Esche

1963 in England geboren. Seit 2004 Direktor des Van Abbemuseum, Eindhoven, Niederlande. Professor of Curating and Contemporary Art an der University of the Arts London. Zuvor Direktor des Rooseum Center for Contemporary Art in Malmö, Schweden, bei Tramway, Glasgow, und Gründer der proto-academy in Edinburgh. Mitherausgeber des Afterall Journals und Afterall Books mit Mark Lewis.

Amar Kanwar

1964 in Neu-Delhi geboren, wo er noch heute lebt. Der indische Dokumentarfilmer und Künstler beschäftigt sich mit Gegenwart und Geschichte des Subkontinents. Seine mehr als 40 Videoinstallationen und Filme wurden u.a. auf der Biennale in Sydney, bei der documenta 11, 12, 13 und 14, im Stedelijik Museum Amsterdam oder im Haus der Kunst in München gezeigt. Zahlreiche Auszeichnungen.

Frances Morris

1959 in London geboren, spielte sie ab 1987 eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Tate Galerien in London, darunter von 2006 bis 2016 als Director of Collection, International Art, und seit 2016 als Direktorin der Tate Modern. Morris kuratierte bahnbrechende Ausstellungen, insbesondere große Retrospektiven von Künstlerinnen. Mitglied zahlreicher internationaler Gremien und Organisationen.

Gabi Ngcobo

1970 in Südafrika geboren. Die in Johannesburg ansässige Künstlerin, Kuratorin und Vermittlerin leitet aktuell die 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, für die sie hervorragende Kritiken bekam. Seit 2011 Fakultätsmitglied an der Wits University School of Arts Johannesburg. 2010 gründete Ngcobo das Center for Historical Reenactments in Johannesburg, dessen Direktorin sie ist.

Elvira Dyangani Ose

1974 in Spanien geboren. Seit 2017 Kuratorin bei Creative Time in New York. Sie war Kuratorin auf Gran Canaria, in Andalusien, bei der Tate Modern in London, für die Kunstmesse Arco in Madrid tätig, Dozentin an der Goldsmiths University of London für Visual Studies. 2015 kuratierte sie die achte Ausgabe der International Biennal for Contemporary Art (GIBCA) in Göteborg.

Philippe Pirotte

1972 in Antwerpen geboren. Seit 2014 Rektor an der Hochschule für bildende Künste - Städelschule in Frankfurt, er leitet dort die Ausstellungshalle Neuer Portikus. 2005 - 2011 war Pirotte Direktor der Kunsthalle Bern. Er ist Korrespondent und Mitherausgeber mehrerer Zeitschriften. Als freier Kurator u.a. am Witte de With Center for Contemporary Art Rotterdam, Chefkurator La Biennale de Montréal.

Jochen Volz

1971 in Braunschweig geboren. Im Mai 2017 wurde Volz zum Direktor der Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brasilien, ernannt. Zuvor Kurator an der Ausstellungshalle Portikus in Frankfurt, Programmleiter an den Serpentine Galleries in London und 2016 Kurator der 32. Biennale von São Paulo. 2017 kuratierte Volz den brasilianischen Pavillon auf der 57. Biennale von Venedig.

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