Neue documenta-Leitung

Künstlergruppe ruangrupa will "Kassel feiern": Das sind die neuen documenta-Leiter

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Der Kern von ruangrupa: Dieses Pressebild mit den neun Mitgliedern Reza Afisina (von links), Indra Ameng, Farid Rakun, Daniella Fitria Praptono, Iswanto Hartono, Ajeng Nurul Aini, Ade Darmawan, Julia Sarisetiati und Mirwan Andan gab die documenta gestern heraus.

Ein Team soll die documenta 15 leiten - das Künstlerkollektiv ruangrupa aus Jakarta. Seine Vertreter betonen, dass sie Kasseler Gruppen in ihre Vorbereitungen einbinden wollen.   

"Die Mitglieder der Findungskommission haben Montagmorgen getanzt", berichtete ihr Sprecher Philippe Pirotte. Das Konzept der ruangrupa sei so vielversprechend, "es gab uns das Gefühl, dass wir daran teilhaben wollten".

Könnte sein, dass auf dem Weg zur documenta 2022 häufiger getanzt wird – so viel fröhliche Offenheit strahlten Ade Darmawan und Farid Rakun bei der Pressekonferenz aus. "Wir wollen Kassel feiern", sagte Farid Rakun. Er ist studierter Architekt und zurzeit Interimsdirektor der Jakarta Biennale.

"Wir mögen Leute, wir gehen auf Menschen zu", ergänzte Ade Darmawan, Künstler, Kurator und ruangrupa-Direktor. Darmawan, der am Indonesia Art Institute Grafik studiert hat und zwei Jahre an der Rijksakademie Van Beeldende Kunsten in Amsterdam ausgebildet wurde, war Künstlerischer Leiter der Jakarta Biennale 2009 und deren Geschäftsführer 2013, 2015 und 2017. Die anderen ruangrupa-Mitglieder waren durch Porträts auf Bildschirmen präsent.

Einer der Schlüsselbegriffe ihres documenta-Konzepts ist "koperasi", eng verwandt mit dem Begriff Kooperative. Es geht den zehn und mehr Mitgliedern des Künstlerkollektivs aus Jakarta um Austausch, Vernetzung, Dialoge. Aber nicht nur in einem klassischen Ausstellungskontext, wie man betonte.

Das gemeinschaftliche Modell, Ressourcen zu nutzen – sei es ökonomisch, sei es im Hinblick auf Ideen, Wissen oder Innovationen – soll seinen Ausgangspunkt in Kassel haben. „Wir wissen sehr vieles noch gar nicht“, sagte Rakun, „aber wir werden lange hier arbeiten.“ Man wolle feststellen, was in Kassel benötigt werde, als Erstes lokale Partner suchen, Räume öffnen, um mit der hiesigen Kunstszene, Schulen, Krankenhäusern, Universitäten zusammenzuarbeiten – Kunsthochschul-Rektor Joel Baumann und Verwaltungschef Thomas Fröhlich hoben da schon mal winkend die Arme. „Wir suchen schon eine große Wohnung, wo man ordentlich kochen kann, mit einem großen Tisch“, ergänzte documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann.

Ruangrupa übernimmt Künstlerische Leitung der documenta 15

 © Dieter Schachtschneider
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 © Dieter Schacht schneider
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 © Andreas Fischer
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 © An dreas Fischer
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Es komme ruangrupa darauf an, Beispiele für Kunst zu finden, die in der Realität tatsächlich etwas bewirkt, erläuterte Schormann. Es könne auch „koperasi“-Projekte anderswo in der Welt geben, deren Ergebnisse aber in irgendeiner Form in Kassel präsentiert werden sollten.

„Wenn die documenta 1955 antrat, um Wunden des Krieges zu heilen, warum sollten wir nicht versuchen, mit der documenta 15 das Augenmerk auf heutige Verletzungen zu richten“, wird ruangrupa im Pressetext zitiert: „Insbesondere solche, die ihren Ausgang im Kolonialismus, im Kapitalismus oder in patriarchalen Strukturen haben. Diesen möchten wir partnerschaftliche Modelle gegenüberstellen, die eine andere Sicht auf die Welt ermöglichen.“

ruangrupa hat bisher Sozialwissenschaften, Politik, Medien, Technik einbezogen, sich in Form von Ausstellungen, Kunstlaboren, Workshops, Konzerten, Festivals und Publikationen geäußert.

2015 entwickelte die Gruppe die in einem Lagerhaus verortete interdisziplinäre Plattform „Gudang Sarinah Ekosistem“ für Kreative und Gemeinschaften. Voriges Jahr initiierte das Kollektiv „Gudskul: zeitgenössische Kunstkollektiv- und Ökosystemstudien“, kurz „Gud-skul“, gesprochen wie „Good School“, als öffentlicher Lernraum und Ausdruck eines alternativen Bildungskonzepts, das Gleichheit, Teilen und Zusammengehörigkeit vermitteln soll.

ruangrupa nahm an Biennalen in Gwangju, Istanbul, Singapur und São Paolo teil. 2016 kuratierte sie im niederländischen Arnheim die „TRANSaction: Sonsbeek“. 2017 war ihr Internetradio als Partner am documenta 14-Radioprojekt beteiligt.

Auf die Frage, ob die zehn Indonesier Dumping-Löhne erhalten oder das Kuratorengehalt verzehnfacht werde, antwortete Schormann, bisher hätten alle documenta-Leiter weitere Kuratoren oder Assistenten beschäftigt: "Es gibt ein Budget, die Verteilung obliegt der Gruppe."

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