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documenta 15: Walks & Stories setzen auf Interaktion und Gespräche

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Von: Leonie Krzistetzko

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Linda Gottwald ist eine der Sobat-Sobat bei der documenta 15. Hier gibt sie eine „Walks and Stories Führung“ an der Hafenstraße 76.
Linda Gottwald ist eine der Sobat-Sobat bei der documenta 15. Hier gibt sie eine „Walks and Stories Führung“ an der Hafenstraße 76. © Krzistetzko, Leonie

Walks & Stories heißen die Ausstellungsrundgänge bei der documenta 15. Wir haben an einem teilgenommen.

Die Sonne knallt auf den Innenhof der Hafenstraße 76. Hier geben heute Sobat-Sobat eine Führung durch die Exponate der documenta. Vor dem Eingang sind verschiedene Pfeiler aufgebaut: Wie Bushaltestellen sehen die Treffpunkte aus, an denen sich Interessierte mit den Kunstvermittlern der Ausstellung treffen.

Ich treffe Linda Gottwald und Franziska Achatzi neben der hellen Holzrampe, die zum Eingang des 1907 geschaffenen Industriekomplexes führt. Diese steht, wie die diesjährige documenta selbst, für Barrierefreiheit. Gottwald und Achatzi sind Sobat-Sobat der documenta 15. Sobat ist einer der zentralen Begriffe der Ausstellung und steht für einen guten Freund. Bei der documenta sind diese Freunde Kunstvermittler, die unter anderem die Besucher durch die Ausstellung führen – ihr Plural ist Sobat-Sobat. Gottwald und Achatzi werden also in den nächsten zwei Stunden meine persönlichen Freundinnen sein.

Heute steht niemand außer mir am Treffpunkt. Eigentlich sei eine Gruppe von 15 Teilnehmenden angemeldet gewesen, erzählt mir Gottwald. So etwas sei noch nie passiert. Also bekomme ich die Führung für mich allein. Wie viel Freundschaft in den als „Walks and Stories“ gekennzeichneten Touren steckt, ist von Anfang an zu spüren. Denn die Touren mit Sobat-Sobat sind stark auf Kommunikation, Interaktion und das Sprechen über die eigenen Erfahrungen und Gefühle angelegt.

Zu Beginn stellen wir uns vor und spielen ein kleines Spiel. Achatzi legt Harvests auf den Boden, das sind die künstlerischen Notizen, die die documenta-Teilnehmer nach Treffen festgehalten haben. Wir sollen uns eine Skizze aussuchen, die wir mit der documenta verbinden. Franziska entscheidet sich für eine Zeichnung, die eine Zoom-Konferenz zeigt, Linda für das Wort „Regeneration“, das einen der sieben Werte Ruangrupas vorstellt, und ich mich für den Begriff „Neugier“.

Danach geben die Sobat-Sobat eine kleine Einführung in die Geschichte der documenta, Ruangrupa und den Standort, an dem wir uns befinden. Heute liege der Fokus zwar allein auf den Werken in der Hafenstraße, es gehe in den documenta-Führungen jedoch darum, ein globales Verständnis für die documenta zu bekommen, die Intention von Ruangrupa kennenzulernen und mit diesem Wissen auch an die anderen Standorte und Kunstwerke der Ausstellung herangehen zu können, so Achatzi. Die 30-Jährige ist Kunsthistorikerin aus Berlin und lebt seit wenigen Monaten in Kassel.

Angekommen im weißen Gebäude, schlängeln wir uns durch das Untergeschoss und bleiben bei den herunterhängenden Bannern vom Foundation Class Collective aus Berlin hängen. Die Kunstwerke an den einzelnen Standorten werden von den Kunstvermittlerinnen nur exemplarisch vorgestellt, dafür werden sie tiefgehend thematisiert.

Franziska Achatzi und Linda Gottwald sind Sobat-Sobat bei der documenta 15.
Franziska Achatzi und Linda Gottwald (von links) sind Sobat-Sobat bei der documenta 15. Hier geben sie eine „Walks and Stories“-Führung in der Hafenstraße 76. © Krzistetzko, Leonie

Nachdem wir uns die Arbeiten angeschaut haben, gehen wir zurück zu einer Installation, die sich ein wenig versteckt an der Wand eines Raumes befindet. Ali Kaafs und Khalf Muzhers Installation „Those swept away by the waters / rose up as clouds“ setzt sich mit der Fluchtthematik auseinander.

Länger bleiben wir bei der Installation von Nino Bulling stehen. Der Comic-Künstler stellt Szenen und Erweiterungen aus seiner neuen Arbeit „abfackeln“ aus, und zeigt Transidentität, Sexualität und Liebe, gezeichnet auf Seide. Im September möchte der Künstler eine Gewerkschaft für Comic-Künstler in Deutschland gründen, erzählt mir Achatzi.

Neben den Erklärungen geht es während der Führung auch immer um eigene Assoziationen. Wir laufen noch durch die Arbeiten von Cao Minghao und Chen Jianjun und sehen uns den Fotoroman des Berliner Kollektivs Fehras Publishing Practises an, bis wir uns in den dritten Stock begeben, und damit in das Reich der Künstlerin Yasmine Eid-Sabbagh.

In ihrem Raum bedecken Teppiche den Boden, Menschen sitzen oder liegen auf ihnen und hören Klaviermusik zu, während Wind durch die Vorhänge weht. Nach zwei Stunden ist die Tour vorbei. Danach machen die Sobat-Sobat noch eine Abschlussrunde. Es geht um Überraschungen, und darum, was hängen geblieben ist. Damit endet die Führung, wie sie angefangen hat: freundschaftlich.

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