1. Startseite
  2. Kultur
  3. documenta

documenta 16: Findungskommission für künstlerische Leitung wird berufen

Erstellt:

Von: Mark-Christian von Busse

Kommentare

Roger M. Buergel (Leiter der documenta 12) und Adam Szymczyk (documenta 14)
Roger M. Buergel (Leiter der documenta 12) und Adam Szymczyk (documenta 14) © Lothar Koch

Es ist ein erster wichtiger Schritt Richtung documenta 16: die Zusammenstellung der Findungskommission, die die Künstlerische Leitung wählen soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Kassel – Ferdinand von Saint André, Interimsgeschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, hat jetzt das Verfahren der Zusammenstellung der Findungskommission, die die Künstlerische Leitung für die documenta 16 auswählen soll, bekannt gegeben: Die bisherigen Künstlerischen Leiter der documenta sollen einen Vorschlag für die vom 12. Juni bis 19. September 2027 stattfindende Kunstausstellung benennen. Fragen und Antworten dazu.

Welche Aufgabe übernehmen die bisherigen documenta-Leiter?

Sie haben sich einverstanden erklärt, eine Liste von Fachleuten zu erstellen, die wiederum einen Vorschlag für die Künstlerische Leitung der d16 im Jahr 2017 erarbeiten sollen. Bislang gehörten der Findungskommission stets international tätige, renommierte Kuratoren und Museumsleiter an, zuletzt etwa Frances Morris, Direktorin der Tate Modern London, und Charles Esche, Direktor des Van Abbemuseum Eindhoven. Beim letzten Mal war mit Amar Kanwar auch ein mehrfacher documenta-Teilnehmer dabei. Diese Experten stellen ihre Auswahl im documenta-Aufsichtsrat vor. Er hat sich verpflichtet, ihrem Vorschlag zu folgen.

Welche documenta-Leiter sind genau beteiligt?

Es wird eine fünfköpfige Runde sein – mit Rudi Fuchs, der 1982 die documenta 7 verantwortet hat, Catherine David (dx im Jahr 1997) Roger M. Buergel (d12, 2007), Carolyn Christov-Bakargiev (d13, 2012) und Adam Szymczyk (d14, 2017). Ferdinand von Saint André hat sie an ihren Wohnorten Amsterdam, Paris, Turin und Zürich erreicht – Szymczyk war gerade in Tokio: „Das waren fünf ganz besondere Gespräche. Ich habe gespürt, dass für alle die Ausstellung etwas sehr Wichtiges war. Sie wollen die documenta weiter unterstützen.“

Warum sind Ruangrupa nicht dabei?

Das Künstlerkollektiv aus Indonesien sei gefragt worden, sagt von Saint André, die Leiter der umstrittenen documenta fifteen verzichten aber auf eine Beteiligung: „Sie sind noch zu nah dran.“

Carolyn Christov-Bakargiev (Leiterin der documenta 13) und Rudi Fuchs (documenta 7)
Carolyn Christov-Bakargiev (Leiterin der documenta 13) und Rudi Fuchs (documenta 7) © Lothar Koch

Wie könnte der Zeitplan aussehen?

Schon im Dezember kommen die ehemaligen documenta-Kuratoren in Kassel zusammen, um sich auszutauschen. „Wir wollen sie nicht unter Druck setzen“, sagt von Saint André. Aber wenn es gut läuft und die Liste bald steht, könnte der Aufsichtsrat noch vor Weihnachten darüber befinden. Dann würde die Findungskommission Anfang 2023 ihre Arbeit aufnehmen. Die d16-Leitung soll Ende des Jahres, spätestens Anfang 2024 feststehen und hätte dann dreieinhalb Jahre Vorbereitungszeit.

Wie ist die Berufung bisher gelaufen?

Da gab es kein formalisiertes Verfahren. Bislang hat die Geschäftsführung der documenta die Experten-Liste erstellt, der Aufsichtsrat hat zugestimmt. Darum hat nie jemand besonderes Aufhebens gemacht. Mit den Angriffen auf Ruangrupa in diesem Sommer hat sich das geändert. Erstmals ist auch die Findungskommission – die erstmals die Funktion eines documenta-Beirats erhalten hatte – in die Kritik geraten. Sie ist Ruangrupa in der Antisemitismus-Kontroverse zur Seite gesprungen und hat ihre Wahl verteidigt. Laut d15-Website sollte sie eigentlich auch „Vorschläge für die nachfolgende Findungskommission unterbreiten“. Das ist nun also nicht der Fall.

Welche Themen stehen noch auf der Agenda?

Der Abschlussbericht der von den Gesellschaftern eingesetzten Expertenkommission zu den Antisemitismus-Vorwürfen steht aus. Ein Termin stehe noch nicht fest, sagt von Saint André. In finanzieller Hinsicht werde endgültig erst Anfang des zweiten Quartals 2023 Bilanz gezogen werden können, wenn der Jahresabschluss feststeht. Der Interimsgeschäftsführer sagt so viel: „Es ist nicht schlecht gelaufen.“       Der Abbau der documenta fifteen sei geradezu in Rekordgeschwindigkeit geschafft worden. Bereits im Dezember stehen die Ausstellungsstandorte wieder zur Verfügung – das Fridericianum für Ausstellungen von Roberto Cuoghi (ab 3.12.) und Mischa Kuball (ab 9.12.), die documenta-Halle für den Kunsthandwerkermarkt (3./4.12.) und die Examensausstellung der Kunsthochschule (14.-18.12.). Überhaupt richte sich der Blick nach vorn, sagt von Saint André: „Jetzt ist der gemeinsame Nenner aller Beteiligten, die Weichen so zu stellen, dass die documenta 16 ein Erfolg wird.“ (Mark-Christian von Busse)

Auch interessant

Kommentare