Auch ein Biergarten ist geplant

documenta 2017: Hauptpost-Kantine am Holländischen Platz wird zum Restaurant

Kassel. Noch drei Monate, dann wird Kassel bei der documenta 2017 wieder zur Gastgeberstadt für ein Publikum aus aller Welt. Das Gastronomie-Konzept der d14 steht inzwischen fest.

Die Radeberger-Gruppe ist dafür seit 30 Jahren Generalpartner der Weltkunstschau und holt regionale Gastronomen mit ins Boot für die Versorgung von rund einer Million Kunstbesuchern, die erwartet werden. Gegenüber der HNA hat Radeberger-Verkaufsdirektor Michael Kuchenbecker die geplanten Hauptstandorte und Partner genannt.

Kantine der Post wird zum Restaurant für documenta 2017

Spannendster Gastro-Ort für die documenta 2017 könnte die Hauptpost an der Unteren Königsstraße werden. Die weitläufige, seit Jahrzehnten ungenutzte Postler-Kantine im 4. Stock wird ab 10. Juni 2017 zum documenta-Schauplatz. In der angrenzenden Ex-Großküche wird ein Konsortium aus den „Grischäfer“-Brüdern Rainer und Frank Holzhauer sowie den Gastro-Unternehmern Karl Börries und Georg Brechtken (York, Soda, Club 22) ein zeitgeistiges Restaurant eröffnen und außerdem eine Grünfläche in Richtung Holländischer Platz als urbanen Schreber-Biergarten bespielen.

Apel mit Zelten auf dem Friedrichsplatz

Auf dem Friedrichsplatz kommt wieder die Firma Apel Catering mit ihren weißen Pagodenzelten zum Zuge, die am südlichen Platzrand nahe der AOK aufgebaut werden. Apel wird außerdem im Innenhof des Palais Bellevue eine gehobene Freiluft-Gastronomie einrichten, die auch in den Abendstunden geöffnet sein wird.

Keine Gasto am Fridericianum

Der Platz rund um das Fridericianum wird wegen des mächtigen Tempel-Nachbaus „Parthenon of Books“ frei von Gastro-Ständen bleiben. Gegenüber, in Richtung Karlsplatz, wird Irish-Pub-Inhaber Brendan Kennedy einen „Samuel-Beckett-Biergarten“ mit Livemusik einrichten. Die Gastronomen aus der Königs-Galerie bewirtschaften den oberen Friedrichsplatz-Rand zwischen Sinn Leffers und dem Café Alex.

An jedem Standort sollen laut Radeberger-Mann Kuchenbecker auch vegane und vegetarische Gerichte erhältlich sein. Da die documenta einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit lege, werde komplett ohne Einwegverpackungen und -geschirr gearbeitet.

Gastwirte als Kulturbotschafter für documenta 2017

Gastwirte, Hoteliers, Café- und Restaurantbetreiber stehen naturgemäß ganz vorn an der Front der kulturellen Botschafter Kassels und Nordhessens. Wie man fit für diese Rolle wird, davon haben viele von ihnen kürzlich einen Einblick erhalten bei einem Informationsabend von Kassel Marketing und der documenta GmbH in der Stadthalle. 

In einem Vortrag auf Einladung der Veranstalter schilderten Sunil und Samir Sarferaz vom Kasseler Gastro-Dienstleister Queens Service Personal, dass der Umgang mit internationalen Gästen oft ein kulturelles Glatteis voller Fettnäpfchen und Missverständnisse ist. 

Mit der Materie haben die Brüder, deren Familie aus Afghanistan stammt, allerlei Erfahrungen: Seit ihrer Schul- und Studienzeit in Kassel haben sie in der Gastronomie gejobbt. Ihre Firma, die seit 2013 besteht, beschäftigt an die 100 Service-, Küchen- und Logistikmitarbeiter, die weitgehend auf Aushilfsbasis in regionalen Hotels, Restaurants, Event-Agenturen und bei Veranstaltungen eingesetzt werden. 

Die Mitarbeiterschaft hat allerlei unterschiedliche Wurzeln, die Gäste der Auftraggeber häufig ebenfalls. Da ist kulturelles Feingefühl gefragt, um guten Service zu erbringen. Und dies kann und sollte trainiert werden, glaubt man bei Queens Service Personal, wo David Fähse für die Mitarbeiterschulung zuständig ist. Für den Umgang mit internationalen Gästen sei „vor allem Aufgeschlossenheit wichtig“, sagt er. „Und sprachlich sollte das Wesentliche auf Englisch funktionieren.“ Zu documenta-Zeiten ist das in Kassel längst nicht nur ein Thema für große Hotels. Aber selbst in solchen Kasseler Häusern sei „nicht jeder fit für kulturelle Unterschiede“, sagt Sunil Sarferaz. Allgemein könne man als Faustregel sagen: „Je kleiner das Lokal, desto weniger ist man dort eingerichtet auf internationale Gäste.“ 

Service für Gäste aus vielen Ländern: David Fähse (von links), Sunil Sarferaz und Geschäftsführer Samir Sarferaz im Schulungsraum der Queens Service Personal GmbH an der Wilhelmsstraße 23.

Wer diesem Thema aber die gebührende Aufmerksamkeit widme, der könne nicht nur während der documenta, sondern auch in der Zeit danach profitieren, sagt Geschäftsführer Samir Sarferaz. Sein Tipp in diesem Zusammenhang: Gastronomen sollten jetzt ihre Präsenz in sozialen Medien, bei Google und vor allem auf Bewertungsportalen wie Trip-Advisor auf Vordermann bringen. „Heute läuft alles in dieser Branche über Gästebewertungen“, sagt Sarferaz. Von Trip-Advisor hätten viele Gastronomen zumindest schon gehört, Mitbewerber wie Yelp und Foursquare hingegen seien weithin unbekannt. Wer jedoch auf solchen Portalen positive Urteile sammele, speziell bei Gästen aus einem bestimmten Land, der werde zuverlässig von etlichen weiteren Touristen aus dieser Weltregion angesteuert. Und dies nicht nur während jener bevorstehenden 100 Tage, in denen sich die ganze Welt in Kassel ein Stelldichein gibt. 

Am berechenbarsten in dieser Hinsicht seien die Chinesen, sagt Sarferaz: „Die folgen wirklich immer den Empfehlungen von Landsleuten – und kommen dann in großen Gruppen.“ Dorthin, wo einer der ihren schon mal einen schönen Restaurantabend hatte.

Tipps: So wird ein Lokal fit für die documenta

Mit einigen simplen Maßnahmen können sich Restaurants und Kneipen fit für die internationale documenta-Kundschaft machen. Die Gastro-Profis von Queens Service Personal geben Tipps:

Speisekarten

...können zeitweise ergänzt werden durch Einleger mit englischer Übersetzung des Angebots – wobei die Übersetzungen dann auch korrekt und von einer kundigen Person überprüft sein sollten. Hilfreich für Gäste nicht nur aus fernen Weltgegenden sind Bilder typischer deutscher Gerichte. Regionale Spezialitäten sollten so beschrieben werden, dass sich jeder internationale Gast etwas darunter vorstellen kann.

Personalplanung 

Küche und Service sollten sich darauf einstellen, dass Reisende aus bestimmten Ländern zu anderen Zeiten essen gehen als heimische Gäste. Ein näherer Blick in Hotelreservierungen kann Anhaltspunkte geben. Schichten sollten so geplant werden, dass stets jemand da ist, der zumindest auf Englisch weiterhelfen kann.

Abrechnung 

Zumindest während der documenta 2017 sollten Wirte darauf verzichten, Mindestbeträge vorzugeben, ab denen eine Kartenzahlung akzeptiert wird. Es hilft Gästen wie auch dem Service, wenn auf den Speisekarten erläutert ist, inwieweit das Bedienungsgeld im Preis enthalten ist und welche Trinkgeld-Gepflogenheiten hierzulande gelten. 

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