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documenta findet 2022 definitiv statt - Offener Brief an Aufsichtsrat

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Von: Christina Hein

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Kassels Oberbürgermeister: Christian Geselle hat jetzt verkündet, dass es - auch nach dem Millionendefizit der Ausstellung im Jahr 2017 - mit der documenta weitergehen wird. 2022 wird es wieder soweit sein. Das genaue Datum ist aktuell noch nicht bekannt. © Malmus/Archiv

Kassel. Während der nächsten Sitzung des documenta-Aufsichtsrats, voraussichtlich im November, wird der genaue Termin für die documenta 15 festgelegt. Sie wird definitiv 2022 stattfinden.

Das hat Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) am Dienstag am Rande der ersten Konferenz zur Kulturkonzeption im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung 2025 im Kulturbahnhof (Kuba) verkündet. Die Kunstschau werde wie gehabt in fünf Jahren in dem Zeitkorridor Juni bis September 2022 stattfinden, so der Oberbürgermeister. Während der Aufsichtsratsitzung werden zudem „alle Voraussetzungen geschaffen“, damit eine internationale Findungskommission eingesetzt werden kann, um den neuen künstlerischen Leiter zu benennen.

Offener Brief an den Aufsichtsrat der documenta

Während der Veranstaltung im Kulturbahnhof Kassel wurde  ein Offener Brief der Kunstszene an den Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH verteilt. Darin heißt es: „Viele Kasseler Kunstinstitutionen sind in großer Sorge um die Reputation der documenta als weltweit bedeutender Ausstellung zeitgenössischer Kunst.“ 

Die Sorge der Unterzeichner, darunter Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann, Dr. Friedrich Block (Brückner-Kühner-Stiftung) und Frank Thöner (Bali-Kino) umfasse „neben dem sich konkretisierenden finanziellen Ergebnis auch die Behandlung dieser Situation durch die verantwortlichen Gremien und die medial produzierte öffentliche Wahrnehmung“. Als „dramatisch“ schätzen die Unterzeichner das Echo ein, das die Bedeutung der documenta „an ihrer derzeitigen finanziellen Lage bemisst und damit ihr Ansehen gefährdet“. Angesichts des engen Zeitplans sehen sie es als „sinnvoll“ an, die Geschäftsführerin Annette Kulenkampff mit der Vorbereitung der documenta 15 zu beauftragen. 

Zuletzt machte die Kunstausstellung um ihren Leiter Adam Szymcyk bundesweit Schlagzeilen, weil es ein Millionendefizit bei der documenta 14 gab.

Der Offene Brief im Wortlaut: 

Sehr geehrter Aufsichtsratsvorsitzender, Herr Oberbürgermeister Christian Geselle, sehr geehrter Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, Herr Staatsminister Boris Rhein, sehr geehrte Damen und Herren Aufsichtsratsmitglieder,

viele Kasseler Kulturinstitutionen sind in großer Sorge um die Reputation der documenta als weltweit bedeutender Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Diese Sorge umfasst neben dem sich konkretisierenden finanziellen Ergebnis auch die Behandlung dieser Situation durch die verantwortlichen Gremien und die medial produzierte öffentliche Wahrnehmung. Wir rufen alle Personen und Institutionen dazu auf, ihrer herausgehobenen Bedeutung für die documenta-Stadt Kassel und für die zeitgenössische Kunst dieser Welt gerecht zu werden. Die documenta 14 konnte in Athen und Kassel bei vielen Besucher*innen ein großes Interesse hervorrufen. Auch kritische Stimmen waren unüberhörbar - diese erreichten zum Ausstellungsende ihren Höhepunkt, als Interna aus dem Aufsichtsrat zur finanziellen Situation der documenta 14 bruchstückhaft an die Öffentlichkeit gelangten und noch vor dem Vorliegen von Berichten der Wirtschaftsprüfer in den Medien Schuldzuweisungen lanciert wurden.

Allein diese Situation war in Kassel misslich genug, und sie hat das Gesamtergebnis der documenta 14 erheblich beeinflusst. Noch dramatischer aber schätzen wir das nationale und internationale Echo ein, das die Bedeutung der documenta als einer der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt an ihrer derzeitigen finanziellen Lage bemisst und damit ihr Ansehen gefährdet. In dieser Situation haben die beiden Gesellschafter, die Stadt Kassel und das Land Hessen, durch eine Bürgschaft eine bemerkenswerte Zusicherung zur finanziellen Leistungsfähigkeit der documenta abgegeben. Das allerdings betrifft nur deren finanzielle Situation.

Darüber hinaus halten wir es für unverzichtbar, dem dramatischen Einbruch der Reputation der documenta als der international bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst entschieden entgegenzutreten.

Wir begrüßen die Bemühungen, neben der Stadt Kassel und dem Land Hessen auch den Bund -vertreten durch die fachliche Expertise der Bundeskulturstiftung - als Gesellschafter zu gewinnen. Da die Realisierung dieser begrüßenswerten Absicht aber möglicherweise längere Zeit in Anspruch nehmen wird, halten wir es für geboten, die documenta bereits jetzt wieder in ruhigeres Fahrwas- ser zu bringen. Das ist zum einen eminent notwendig für die vielen, vielen Menschen, die für die documenta täglich kämpfen - aber auch nach außen auch als unüberhörbare Botschaft, dass die documenta sich auf eine anregende und aufregende Ausstellung 2022 mit weltweit relevanten künstlerischen, ästhetischen, ethnischen, sozialen, politischen und vielen anderen Fragestellungen vorbereitet.

Angesichts des engen Zeitplans für die Vorbereitung dieser weltweit beachteten Ausstellung halten wir es für dringend notwendig,

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