Kunst schon häufiger anderswo gezeigt

documenta 14: Athen als Ausstellungsort spaltet Kassel

Adam Szymczyk

Kassel. Für Entsetzen, Verwunderung, aber auch Zustimmung sorgt der Plan von documenta-Chef Adam Szymczyk, die d14 im Jahr 2017 gleichberechtigt in Kassel und Athen stattfinden zu lassen.

„Ich bin entsetzt und erschüttert, wie mit dem Erbe von documenta-Gründer Arnold Bode umgegangen wird“, sagt Gerhard Jochinger, Vorsitzender der City-Kaufleute.

In 60 Jahren sei aus dem „Pflänzchen documenta ein Weltstadtereignis in der Provinz“ geworden. Das sei eine „herausragende Leistung“, die nicht einfach zerpflückt werden dürfe. Jochinger räumt ein, dass er als Geschäftsmann natürlich auch wirtschaftliche Interesse an der Ausstellung habe. Er rechnet mit einem Besucherrückgang für 2017.

Das macht auch Anna Homm, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands. „Kassel verliert damit als Ausstellungsort an Bedeutung. Allerdings soll die künstlerische Freiheit des Leiters toleriert werden.” Heimische Hoteliers gingen davon aus, dass aufgrund der Konkurrenz in Griechenland Kassel viele Übernachtungsgäste verloren gehen. „Ich befürchte, dass das internationale Publikum eher die documenta in Athen besuchen wird.“ Laut einer Studie der Uni Kassel kamen 28 Prozent der Besucher der d 11 aus dem Ausland.

Lesen Sie auch:

- Ritt auf der Klinge: Kasseler Stimmen zu Adam Szymczyks documenta-14-Konzept

- documenta hatte mehrfach Standorte anderswo

- documenta auch in Athen - ein Pro und Kontra

Auch Angelika Hüppe, Geschäftsführerin von Kassel Marketing, staunte, als sie von Szymczyks Plänen hörte. Sie hält sich aber mit Kritik zurück. „Ich kann mir vorstellen, dass sich die Aufmerksamkeit auf Kassel dadurch noch erhöht.“ „Das ist instinktlos“ „Wir lassen uns unsere documenta doch nicht nach Athen wegnehmen“, sagt hingegen Dr. Norbert Wett, Vorsitzender der Kasseler CDU-Fraktion. Die Äußerung von Szymczyk, dass das Leben nicht in Kassel, sondern „woanders“ stattfinde, bezeichnet Wett als „instinktlos“. Gefragt sei jetzt Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der ein Machtwort sprechen müsse. Das wird es aber nicht geben. Jedenfalls nicht öffentlich. „Dass ein Teil der d 14 in Athen stattfinden wird, rückt Kassel zusätzlich in den Fokus der weltweiten Aufmerksamkeit“, so Hilgen in einer schriftlichen Stellungnahme. Dadurch werde deutlich, dass Kassel sich auch mit drängenden internationalen Fragen beschäftige. Er habe großes Vertrauen in Szymczyk und sein Team, dass sie aus dieser spannenden Idee ein gelungenes Konzept für die d 14 machen werden.

Videos

Hier sehen Sie Adam Szymczyk in der Kunsthochschule Kassel (f unktioniert nicht im Internet Explorer, bitte die Browser Firefox oder Google Chrome verwenden)

- Video 1

- Video 2

Die d 14 in Griechenland wird zum Teil auch von der Stadt Kassel finanziert. Insgesamt werde für Athen ein Budget von 3,5 Mio. Euro benötigt, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Hiervon seien im Ausgabenvolumen der documenta, das von Stadt, Land, Bund und den Einnahmen finanziert wird, 300.000 Euro eingeplant. Der Rest von 3,2 Mio. Euro müsse durch Sponsorengelder und Fördermittel finanziert werden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Athen ist der Kulminationspunkt jahrtausendealter europäischer Kultur und aktueller, globaler Herausforderungen für Politik und Gesellschaft. Ausstellungsorte außerhalb Kassel gehörten seit der d 11 zum Konzept der jeweiligen künstlerischen Leitung. Adam Szymczyk setzt diese Tradition fort. Die Ausstellung in öffentlichen Institutionen in Athen, die der documenta in Kassel zeitlich auch vorgeschaltet ist, ergänzt die Vielfalt der Weltkunstausstellung, die ihren Schwerpunkt eindeutig in Kassel haben wird.

Dass ein Teil der documenta 14 in Athen stattfinden wird, rückt Kassel zusätzlich in den Fokus der weltweiten Aufmerksamkeit. Wird dadurch doch deutlich, dass wir uns in Kassel auch mit drängenden internationalen Fragen beschäftigen. Das Ausstellungskonzept bietet die Chance, die Perspektive zu verdoppeln. Und zwar in voller künstlerischer Freiheit, die die Stelle des jeweiligen Kurators seit Jahrzehnten auszeichnet. Ich habe großes Vertrauen in Adam Szymczyk und sein Team, dass er aus dieser spannenden Idee ein gelungenes Konzept für die documenta 14 machen wird.“

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.