documenta auf dem Friedrichsplatz: „Das ist alles so schön bunt hier“

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Viel zu sehen auf dem Friedrichsplatz: Holger Hansen aus Hamburg und Marita Holzriegel aus Kassel diskutieren angesichts des wachsenden Kunstwerks von Marta Minujín und seiner Bedeutung.

Kassel. Gesprächsthema Nummer eins in Kassels Innenstadt ist zurzeit das wachsende documenta-Kunstwerk der Argentinierin Marta Minujín, „Parthenon der Bücher“.

Auch Marita Holzriegel und Holger Hansen sitzen mit vielen anderen Zaungästen auf den Treppenstufen, die zum Friedrichsplatz hinunterführen, in der Sonne und betrachten das ungewöhnliche Schauspiel: In luftiger Höhe bestücken Mitarbeiter der d 14 den „Parthenon“ mit in Kunststoff eingeschweißten Druckerzeugnissen.

Die Arbeiten seien doch viel spannender anzusehen, als wenn alle Bücher schon an Ort und Stelle angebracht sind, finden sie. „Das ist alles so schön bunt und insgesamt ein optisch richtig schönes Kunstwerk“, sagt Holger Hansen aus Hamburg, der zu Besuch bei Maria Holzriegel in Kassel ist. Die kann ihm jetzt, drei Wochen vor der offiziellen Eröffnung, schon eine kleine documenta-Führung bieten. „Und über die politischen Inhalte der Arbeit diskutieren wir auch“, sagt Marita Holzriegel. Sie selber habe ebenfalls einst verbotene Bücher zum Kunstwerk beigetragen, unter anderem das „Decamerone“ und Werke von Schiller, erzählt sie. Dadurch fühle sie sich mit der Arbeit verbunden.

Hingucker: Willi Holzhauer aus Schauenburg und Enkeltochter Tilda sind nach Kassel gekommen, um sich die erste documenta-Kunst anzuschauen.

Auch Willi Holzhauer aus Schauenburg ist mit seiner Enkeltochter Tilda (4) eigens zum Parthenon gepilgert, um die Entstehung des Kunstwerks mit eigenen Augen zu sehen. „Ich verfolge in der Zeitung alles über den Parthenon“, sagt Holzhauer, „aber heute wollte ich mir das Ganze mal aus der Nähe anschauen.“ Sein Urteil: „Ich bin beeindruckt.“ Tilda gefalle es auch. Der Anblick des bunten Bauwerks stimme ihn fröhlich. Auch wenn er weiß, dass der Hintergrund der Arbeit der Argentinierin Marta Minujín ein ernster ist und es darum gehe, verfemte und verbotene Bücher in den Blickpunkt zu rücken.

Julia Eckhardt und Tanja Zaun, die beide beruflich in der Kasseler Innenstadt tätig sind, verbringen heute ihre Mittagspause auf den Treppenstufen vor dem Parthenon. „Und das soll bis zur documenta-Eröffnung alles noch mit Büchern aufgefüllt werden?“, fragt Tanja Zaun, die zum ersten Mal das documenta-Kunstwerk in Augenschein nimmt. „Ich glaube ja“, sagt Julia Eckhardt.

Beide freuen sich auf die documenta und werden sich auch Eintrittskarten besorgen. Dass man als Kasseler die Entstehung der Schau so exklusiv verfolgen kann, empfinden sie als großes Privileg.

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