Arbeit mit Handwerkern, technischen Leitern und Künstlern

documenta: Benjamin Koziol betreut externe Standorte

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Am Rahmen von Haus-Rucker-Co: Benjamin Koziol.

Kassel. Spielerisch geht’s besser, stellt Benjamin Koziol jedesmal fest, wenn er vor der Situation steht, Unmögliches möglich machen zu sollen. Koziol ist bei der documenta 13 für einige externe Standorte zuständig.

Im documenta-Jargon heißt sein Titel Head of House External Venues. Im Klartext: Er ist die Schnittstelle zwischen den Künstlern, die an Außenstandorten ausstellen, und den Firmen, die die Räume baulich so herrichten, dass ein Ausstellungsbetrieb dort möglich wird.

Elf Künstler betreut er, wer sie sind und wo sie präsent sein werden, verrät er nicht: Die Überraschung soll bleiben. In Kassel kennt sich der verheiratete Bad Hersfelder gut aus, er hat hier ab 2005 Architektur studiert, gerade Diplom gemacht und lebt in der Nordstadt.

Koziol kommuniziert mit den Handwerkern, den technischen Leitern der documenta und den Künstlern, die er zum Teil bereits persönlich kennengelernt hat. Einige arbeiten schon hier, mit anderen spricht er über Skype - das Internet-Telefon - oder tauscht Mails aus. Manche begleitet er durch die Stadt und wirkt als Vermittler, wenn ein Künstler mit Beteiligten seines Kunstprojekts Kontakt aufnimmt und sich nicht gut auf Deutsch ausdrücken kann. Koziol hat festgestellt: „Die documenta ist ein Türöffner.“ Überall würden documenta-Beteiligte positiv und aufgeschlossen aufgenommen.

Tauchen Konflikte auf, weil künstlerische Ideen mit dem Budget, Gesetzen oder den Raumbedingungen kollidieren, dann hat sich Koziol ein persönliches Prinzip erarbeitet, das ihm weiterhilft: „Wir behalten die verrückte künstlerische Idee bei und versuchen, die Details zu reduzieren.“ Wenn das Team umgekehrt keine wie auch immer verrückte Grundidee habe und stattdessen nur ein Detail an das andere füge, lasse man die Besucher ratlos und überfordert zurück.

Dabei hat der 29-Jährige die Erfahrung gemacht, dass die Künstler „keine sturen Köpfe“ seien, sondern ernsthaft nach Lösungen suchten. So manchen Morgen fand er eine E-Mail mit Lösungsvorschlag für ein Problem vor, an dem er am Vorabend noch schier verzweifelt war.

„Mein Name steht zwar nicht unter den Projekten, aber ich gebe alles dafür.“ Da er mit seinen 29 Jahren noch jung sei, könne er gerade mit den jungen Künstlern „gut mitfiebern“, für die die documenta-Teilnahme alles bedeute.

Koziol kam zur documenta über ein Praktikum nach dem Studium. Dabei unterstützte er die kuratorische Assistenz mit Architekturplänen zu Ausstellungsräumen. „Man benötigt Pläne, um den Raum für die Kunst erfassbar zu machen.“

Die Erfahrung hatte Koziol schon während des Studiums gemacht, wo er die jährlichen Rundgänge organisierte - die Ausstellungen, mit denen sich der Fachbereich den Kasselern präsentiert. Das war von seinem aktuellen Job weniger weit entfernt als sein Diplomarbeits-Thema. Da hatte Koziol eine Biomasseanlage für Algen entwickelt - er entwarf architektonische Räume, die einem Kreislauf der nachhaltigen Energieerzeugung dienen.

Von Bettina Fraschke

Quelle: mydocumenta

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