Mein Lieblingskunstwerk: Brian Jungens Dog-Run

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Vierbeiner mit Frauchen: Hund Benji mit Petra Sander (links) und Hündin Fanny mit Joséphine Hein.

Kassel. Dieser documenta-Beitrag des Kanadiers Brian Jungen ist in vielerlei Hinsicht ein Unikum. Der Dog-Run auf dem Gärtnerplatz am Rande der Karlsaue ist ein Spielplatz für Hunde.

Kurzclip: Mini-Parcours I

Er zeichnet sich durch ein Merkmal aus, das es auf noch keiner Kunstschau gegeben hat: Documenta-Besuchern mit Eintrittskarte ist der Zutritt verwehrt. Es sei denn, sie befinden sich in Begleitung eines Hundes. Und dann wird nicht mal ein Ticket benötigt.

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Ich gehöre zu diesen Privilegierten. Die zweijährige Spaniel-Hündin Fanny, die in meinem Haushalt lebt, gestattet mir, sie zu begleiten. Der offensichtliche Genuss, den sie beim Dog-Run-Erlebnis verspürt, ist ihr bereits 15 Meter vor Eintritt ins Hunde-Paradies anzusehen. Da schnüffelt sie intensiv links und rechts vom Weg im Gras, gebannt von dem, was sie da wahrnimmmt.

Wir wissen nicht erst seit Carolyn Christov-Bakargievs Postulat vom edlen Tier, dass Hunde ein paar Hundert Millionen Riechzellen mehr besitzen als Menschen. Doch die Rechnung der documenta-Leiterin geht auf: Fanny beweist tatsächlich Sinn für Kunst und findet den Weg dorthin - immer der Nase nach - ganz von selbst.

Hunde unter sich: Benji (vorn), Fanny (links) und Freunde.

Dieses Empfinden wird noch gesteigert, als sie im umzäunten Dog-Run-Areal auf eine Meute freudig aufgeregter Artgenossen stößt, mit denen sie sofort - je nach Sympathie - schnuppert, rauft und tobt. Ohne Leine selbstverständlich, denn das ist der ausdrücklich vom Künstler geäußerte Wunsch. Auf einer Tafel ist außerdem der Satz zu lesen: „Ihr Hund braucht Ihre Aufmerksamkeit, benutzen Sie daher im Hundepark kein Handy.“

Und die Dutzend Spielgeräte? Stege, Hürden, Slalomparcours, Sandhaufen und Holzhäuschen? Von selbst läuft Fanny auf einen ansteigenden Rundsteg, so wie sie auch sonst gern auf Mauern springt und balanciert. Einen verständnislosen Blick wirft sie dagegen auf einen Mops, der von seinem Frauchen in höchster Konzentration über alle Hindernisse und Geräte gelotst wird. Auch der kryptische Schriftzug, der das Spielgerät ziert, „Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird“, lässt sie kalt. Fannys Begleitung ordnet dieses Zitat später Bertolt Brecht zu. Und zerbricht sich den Kopf über einen Zusammenhang.

Kurzclip: Mini-Parcours II

Aber hier, im documenta-Hundepark, bei Sonnenschein und einer leichten Brise, herrscht unintellektuelle Entspanntheit vor. Schnell kommt man ins Gespräch, erfährt Namen, Alter, Herkunft und allerlei Eigenarten der geliebten Vierbeiner. Draußen, um das Areal herum, haben es sich Zaungäste auf Bänken gemütlich gemacht. Sie lächeln. Auch wir lächeln. Und verlassen irgendwann - Fanny mit hängender Zunge - den Hundepark. Hat Spaß gemacht.

Von Christina Hein

Quelle: mydocumenta

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