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Künstler Reinaart Vanhoe lädt mit seinem ook-Kollektiv alle Menschen zum Mitmachen ein

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Von: Leonie Krzistetzko

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Setzt auch bei Fotos auf den Gedanken der Nachbarschaft: ook-Künstler Reinaart Vanhoe lässt sich für ein Porträt nie allein abbilden, rechts steht Mustafa von der Kirchengemeinde und aus der Nachbarschaft.
Setzt auch bei Fotos auf den Gedanken der Nachbarschaft: ook-Künstler Reinaart Vanhoe lässt sich für ein Porträt nie allein abbilden, rechts steht Mustafa von der Kirchengemeinde und aus der Nachbarschaft. © Pia Malmus

Auf der documenta fifteen möchte der Künstler Reinaat Vanhoe Menschen aller Art zusammenbringen. Sein ook-Kollektiv bündelt verschiedene Gruppen - auch aus Kassel. Sein Treff, das ook-Visitorzentrum, liegt in der Weserstraße.

Kunst ist Zusammenarbeit – zumindest für den Belgier Reinaart Vanhoe. Der mittlerweile in Rotterdam wohnende documenta-Künstler betreut das ook-Visitorzentrum in der Weserstraße 26, das ein Treffpunkt für Künstler, Besucher und Nachbarn sein soll. „Ook“ stammt von dem niederländischen Wort für „auch“, was die Kernidee des von Vanhoe gegründeten gleichnamigen Kollektivs ausdrückt, das stetig durch neue Gruppen und Künstler erweitert werden kann.

„Wir wollen auf den ersten Besucher der documenta achtgeben“, erzählt Vanhoe, „und das sind die Nachbarn.“ Deshalb habe er vor Beginn der documenta viele verschiedene Gruppen in Kassel kontaktiert, und sie gefragt, ob sie Teil von ook werden wollen, wie auch seine direkten Nachbarn aus Rotterdam und internationale Freunde. Besonders wichtig sei es ihm dabei gewesen, dass im documenta-Handbuch alle derzeitigen Mitglieder des Kollektivs aufgeführt werden und nicht nur er selbst im Fokus steht.

Künstler Reinaart Vanhoe auf der documenta fifteen: Kunst als Gemeinschaftspraxis

Den Gemeinschaftsgedanken merkt man Vanhoe an, der sich in seiner Arbeit seit geraumer Zeit mit dem Konzept des kollektiven Arbeitens beschäftigt und dazu 2016 sogar eine Studie veröffentlicht hat, die sich unter anderem mit Kunstkollektiven in China und Indonesien beschäftigt. Selbst bei Fotos ist es ihm wichtig, die Menschen aus der Gemeinde zu zeigen und sich nicht im alleinigen Zentrum zu inszenieren, wie es Einzelkünstler vielleicht machen würden.

In seiner Heimat Rotterdam betreibt Vanhoe ein ook-Haus zusammen mit seiner Partnerin Marielle Verdijk, die selbst Künstlerin ist. Mit Ruangrupa arbeitet der Künstler, der an der Rijksakademie in Amsterdam studiert hat und mittlerweile auch als Dozent in Rotterdam lehrt, seit über 20 Jahren zusammen. Zusammen haben sie beispielsweise im Rahmen der Sonsbeek-Ausstellung 2016 an einem Ruruhaus in Arnhem gearbeitet.

ook-Visitorzentrum bei der documenta fifteen soll alle Menschen anziehen

Auch das ook-Visitorzentrum soll dem Zusammenkommen dienen und verschiedene Kollektive und Gruppierungen bündeln. Zu den lokalen Gruppen gehören dabei beispielsweise das BPoC-Festival Kassel, die Gruppe der Neuen Brüderkirche common ground, sowie die Siebdruckwerkstatt Colorlabor und die lateinamerikanische Studentenvereinigung Espora.

Dabei soll das Visitorzentrum ein gemeinsamer Ort für Besucher aller Art sein: Es soll nicht nur die einzelnen Gruppen anziehen, sondern auch die Besucher der documenta, oder beispielsweise Menschen, die das Angebot der Lebensmittelverteilung in Anspruch nehmen, die dreimal die Woche in der Neuen Brüderkriche stattfindet. Denn das ook-Visitorzentrum liegt in den Räumen des Stadtteilzentrums Wesertor neben der Kirche und gliedert sich in die Aktivitäten und Angebote der Gemeinschaft ein.

documenta fifteen: In der Weserstraße 26 werden Schreine erstellt

Ganz nach dem Konzept der Nachbarschaft und lokalen Nähe war es Vanhoe wichtig, dass sich sein Kollektiv zur documenta nicht „in einem abgetrennten Raum befindet“. „Wir haben versucht, uns in ein bereits existierendes Muster einzufügen“, erklärt er.

Zum Konzept von ook gehört, dass die verschiedenen Gruppen und Künstler Schreine erstellen. Rund zehn Gruppen habe Vanhoe dafür angefragt, erzählt er: „Ich wollte, dass wir damit unsere Sorgen, Erfahrungen und Energie teilen, denn Schreine sind etwas, in das wir unsere Wünsche hineinlegen.“

Diese Schreine können ein individuelles Erzeugnis sein, oder kollektiv erstellt werden. „Ich möchte, dass Menschen in ihren Unterschieden zusammen sind und dabei ihre unterschiedlichen Sprachen verstehen. Das ist die grundlegende Idee“, erzählt Vanhoe. Die Schreine können, müssen dabei aber nicht ausgestellt werden und werden zum Teil immer noch weiterentwickelt. Sie sind weniger Kunstwerke als Möglichkeiten, Menschen zusammenzubringen. Ein Beispiel dafür, wie das gelingen kann, ist die Schrein-Gruppe common ground der Neuen Brüderkirche, die für ook einen bunten Flickenteppich aus Stoffresten knüpft.

Neben den Schreinen bietet das ook-Visitorzentrum auch ein Café und ausgewählte Veranstaltungen wie Netzwerk-Treffen und Workshops an – ganz im Dienst des Zusammenseins.

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