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documenta forum: Debatten über Antisemitismus-Eklat haben verstört, statt Klarheit zu schaffen

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Das leere Gerüst am Friedrichsplatz in Kassel, an dem das documenta-Kunstwerk der Gruppe Taring Padi hing. Davor die Poller, in denen die Pappfiguren standen, die Teil des Kunstwerks waren.
Das leere Gerüst am Friedrichsplatz in Kassel, an dem das documenta-Kunstwerk der Gruppe Taring Padi hing. Davor die Poller, in denen die Pappfiguren standen, die Teil des Kunstwerks waren. © Thomas Siemon

Nachdem die Künstlerin Hito Steyerl am Freitag ihren Rückzug von den documenta fifteen bekannt gegeben hatte, wurde der Raum mit ihrer Arbeit „Animal Spirits“ im Ottoneum am Wochenende geschlossen.

Kassel – Indes hat sich auch das documenta forum mit einer Pressemitteilung zu den aktuellen Entwicklungen zu Wort gemeldet. Für die antisemitischen Elemente sei die documenta fifteen zu Recht kritisiert worden, heißt es: „Der Schaden, welcher der documenta damit zugefügt wurde, ist erheblich.“

Die documenta fifteen biete den Besuchern aber auch vielschichtige, künstlerisch anregende Positionen zur Gerechtigkeit, zum Stand demokratischer Strukturen, zu dialogischen Strukturen, zur Ökologie dieser Welt, zum Frieden und Begegnungen auf Augenhöhe unterschiedlicher Geschlechter, Regionen und Lebenswirklichkeiten. „Sie ist nach unserer Einschätzung ausgesprochen sehenswert“, heißt es in der am Wochenende verschickten Pressemitteilung.

Leider hätten eine Reihe Kasseler, Wiesbadener und Berliner Debatten der letzten Tage eher verstört, statt Klarheit zu schaffen. „Statt eines orientierenden Dialogs der wichtigen Institutionen und der demokratischen Parteien war er eher von punktuellen Selbstdarstellungen und Betonierungen der jeweils individuellen Position geprägt.“

Man bedauere, dass die Bitte des Kuratorenkollektivs Ruangrupa um Entschuldigung und ihre nachdenkliche, ernsthafte und reflektierende Haltung, eventuell inkriminierte Exponate zurückzunehmen, nahezu wirkungslos geblieben sei. Ihre aufrichtigen und selbstkritischen Anmerkungen seien im medialen Aufschrei untergegangen. Große Teile der überregionalen Presse hätten ihre Berichterstattung über die vielfältige Kunst auf der documenta nahezu eingestellt, kritisiert das documenta forum. „Über 1500 Künstler sind Gäste Kassels. Sie haben es nicht verdient, unter Generalverdacht gestellt zu werden.“

Im Kern der Auseinandersetzung gehe es um die Freiheit der Kunst. Doch die Freiheit der Kunst habe wie jede Freiheit ihre Grenzen. Die Freiheit der Kunst habe zwei Geschwister: Vertrauen und Verantwortung. Sie setze auf das Vertrauen, dass die Ausgestalter der Freiheit ein gutes Gespür für deren Grenzen haben und diese nicht überschreiten. Das documenta forum respektiere die selbstkritische Sicht der documenta-Verantwortlichen. Ihre aufreibende Arbeit dürfe – gerade auch unter Corona-Bedingungen – nicht in Bausch und Bogen verurteilt werden. „Statt jetzt vordringlich nach personellen Konsequenzen zu rufen, sollte eine Fehleranalyse erstellt werden“, heißt es.

Gerade die Kasseler Bürger hätten ein großes Interesse daran, dass die documenta nicht allein von negativen Schlagzeilen überschattet werde.

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