Aus der documenta-Geschichte: Kunst im öffentlichen Raum

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Das erste Kunstwerk der dOCUMENTA 13 wurde bereits 2011 öffentlich präsentiert: "Ansichten eines Steins" von Giuseppe Penone in der Karlsaue. Es ist nicht das einzige documenta-Kunstwerk im öffentlichen Raum.

Im Kasseler Stadtbild lassen sich weitere zwölf Exponate vergangener Weltkunstausstellungen finden. Die bekanntesten, weil auch auffälligsten, sind das an Wochenenden sichtbare "Laser-Environment" von Horst H. Baumann, der "Man walking to the sky" von Jonathan Borofsky und der "Rahmenbau II" von Haus-Rucker & Co.

1: Die technischen Einrichtungen des Laser Environments, ein Relikt der documenta 6, befinden sich im Obergeschoss des Zwehrener Turms am Fridericianum. Von dort verbindet der Strahlenverlauf der grünen und roten Laserstrahlen Eckpunkte der Kasseler Stadtgeschichte: den Herkules, die Orangerie und die Karlsaue.

2: Jonathan Borofsky schuf den im Volksmund "Himmelsstürmer2 genannten Man walking to the sky für die documenta 9. Seinerzeit stand die 25 m langen Stahlröhre, die sich in einem Winkel von ca. 45 Grad in den Himmel streckt und auf deren Steigung eine männliche Figur aus Fiberglas vorwärts schreitet, vor dem Fridericianum, heute steht sie auf dem Vorplatz des KulturBahnhofs. 

4: Geht man neben dem "Rahmenbau" die Gustav-Mahler-Treppe hinunter und geradeaus an der Orangerie vorbei, so stößt man am Fuldaufer auf die Spitzhacke von Claes Oldenburg, entstanden 1982 zur documenta 7. Die "Spitzhacke" bildet das Ende einer imaginären Linie vom Herkules über die Wilhelmshöher Allee zum Brüder-Grimm-Platz und weiter bis zur Fulda. Kein geringerer also als Herkules könnte die "Spitzhacke" von seinem Monument ans Ufer der Fulda geschleudert haben.

Die Spur der Steine

5: Überall in Kassel präsent ist die Arbeit 7000 Eichen, die Joseph Beuys zur documenta 7 1982 begann und fünf Jahre später zur documenta 8 beendete. 7000 Basaltstelen ließ Beuys vor dem Fridericianum ablegen, wo er selbst den ersten Baum pflanzte. In der Folge konnten Kasseler Bürger Patenschaften für die Bäume übernehmen. Eine Patenschaft kostete 500 Euro. Dafür gab es eine Basaltstele, den Transport und ein Baumdiplom. Heute stehen die Bäume neben den dazugehörigen Stelen an vielen Stellen in der Stadt - man muss nur die Augen aufmachen.

Vor der Neuen Galerie steht der von Ulrich Rückriem bearbeitete Granitblock (6).

6: Ein weiterer markanter Stein, in diesem Fall bearbeitet von Ulrich Rückriem und aufgestellt zur documenta 7, steht vor der Neuen Galerie. Das Kunstwerk trägt den leicht sperrigen Namen  Ein Granitblock in drei Teile gespalten, der mittlere Teil in vier Teile geschnitten, alle Teile zur ursprünglichen Blockform zusammengefügt, der untere Teil als Fundament in die Erde eingelassen. (Tipp: Steht man einmal vor diesem Granitblock, sollte man auch gleich die Neue Galerie besuchen, wo man viele, von den einzelnen documenta-Ausstellungen angekaufte Kunstwerke sehen kann.)

Bildergalerie: documenta-Kunst im öffentlichen Raum

Fotos

7: Aus Stein, wenn auch aus Backstein, ist auch dieRaumskulptur von Per Kirkeby. Erbaut wurde die neun Meter hohe und 11 Meter lange Skulptur von dem Künstler und Architekten, der auch diplomierter Geologe ist, 1992 zur documenta IX als Pendant zur reichlich mit Glas und Metall ausgestatteten documenta-Halle, an deren hinterem Ende sie sich anschließt.

8: Kein documenta-Kunstwerk im eigentlichen Sinne, aber von der documenta IX unterstützt, ist das Projekt Namen und Steine des Berliner Künstlers Tom Fecht. Am Fuß der Treppe vor dem Fridericianum ließ Fecht 1992 Pflastersteine ein, in die die Namen von an Aids verstorbenen Menschen eingraviert waren. Mit diesem Kunstwerk, das Fecht auch an vielen Stellen in Europa wiederholt hat, will deer Künstler nicht nur das Gedenken an die Verstorbenen sondern auch die Gefahren, die durch Aids immer noch drohen, wachhalten.

9: Auf dem Friedrichsplatz, mitten im Kerngebiet einer jeden documenta, ist Walter de Marias Vertikaler Erdkilometer zu finden, der  zur documenta 6 entstand. Das Kunstwerk aus dem Jahre 1977 ist allerdings nur schwer zu finden - ja fast stolpert man darüber - handelt es sich doch "nur" um eine auf halbem Wege zwischen Denkmal Friedrichs II. und dem Fridericianum in den Erdboden eingelassene Steinplatte in deren Mitte ein Messingkreis (Durchmesser: 5 cm) scheint. Auf den ersten Blick sieht das recht unscheinbar aus. Eine größere Dimension erreicht das Kunstwerk, wenn man darüber nachdenkt, das dies das Ende einer Messingstange ist, die einen Kilometer tief ins Erdreich reicht und zum Erdmittelpunkt weist.

10: Am Rande des Friedrichsplatzes, auf dem Portikus des Modehauses SinnLeffers stehen vier Keramikfiguren, die Thomas Schütte 1992 für die documenta IX anfertigte. Ursprünglich waren es sogar mal zwölf Figuren, die den Portikus zur Weltkunstausstellung zierten, vier wurden schließlich aufgekauft. Mit den Fremden, so der Name der Arbeit, die scheinbar das Treiben auf dem Platz aus einer gewissen Distanz beobachten, machte Schütte bereits 1992 auf das immer noch aktuelle Thema der Asylrechtsgewährung in Deutschland aufmerksam.

Verborgen

Zum Abschluss seien noch zwei documenta-Kunstwerke im öffentlichen Raum erwähnt, die man wirklich suchen und finden muss.

11: Im Treppenhaus des AOK-Gebäudes, dort, wo der Friedrichsplatz in die Schöne Aussicht übergeht, hat Max Neuhaus zur documenta IX die Klanginstallation Three to one errichtet. Die verwendeten Geräusche und Laute unterscheiden sich nur gering von der ständigen Geräuschkulisse in diesem Treppenhaus, verändern aber gerade deshalb die Atmosphäre an diesem Ort.

12: Zur documenta X säte Lois Weinberger im Bett des stillgelegten Gleis 1 des ehemaligen Kasseler Hauptbahnhofs (heute: KulturBahnhof) Neophytensamen. Neophyten sind Pflanzen, die  durch eher zufälligen Import(z.B. durch Samen an Gepäckstücken, Autoreifen oder Schuhen) in ihnen zuvor fremden Regionen nicht nur heimisch geworden sind, sondern dort auch die zuvor ansässige Flora verdrängt haben. Diesen Kampf der Pflanzen wollte Weinberger versinnbildlichen. Das Kunstwerk, das sich immer wieder verändert, trägt den Titel Über die Pflanzen - ist eins mit ihnen. (von Wilhelm Ditzel)

...hier geht es zu aktuellen documenta-Kunstwerken im öffentlichen Raum

Quelle: mydocumenta

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