Werk der Argentinierin Marta Minujín

Grundstein für documenta-Kunstwerk "Parthenon der Bücher" gelegt

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Mit einem Modell ihres Kunstwerks, eines Parthenons aus Büchern: Kurator Pierre Bal-Blanc (links) und Künstlerin Marta Minujín auf dem Kasseler Friedrichsplatz, wo die Arbeit zur documenta 2017 entstehen wird.

Kassel. Hunderte waren dabei, als die argentinische Künstlerin Marta Minujín am Samstagnachmittag auf dem Friedrichsplatz den Grundstein für ihr documenta-14-Kunstwerk legte. Es handelt sich um einen spektakulären Tempelbau, der aus 100.000 Büchern verfolgter, verfemter und verbotener Schriftsteller entstehen soll.

„Die documenta ruft und die Kasseler kommen.“ Annette Kulenkampff, die Geschäftsführerin der documenta GmbH war begeistert und gleichzeitig auch etwas verblüfft angesichts der enormen Resonanz. Hunderte von Menschen waren am Samstagnachmittag auf den Friedrichsplatz geströmt, trotz Nieselwetters und klammer Kälte. Sie alle wollten dabei sein, als die argentinische Künstlerin Marta Minujín den Grundstein für ihr Kunstwerk „Parthenon der Bücher“ legte.

Parthenon der Bücher: Grundsteinlegung für documenta

Es handelt sich nicht nur um ein besonders großes Kunstwerk das hier aus 100.000 Büchern gebaut werden soll, sondern es ist indirekt auch der Start in die Kunstausstellung documenta 14. Die Kasseler scheinen das jedenfalls so zu empfinden. „Wer sagt denn, dass die documenta in Athen eröffnet wird? Sie wird doch heute in Kassel eröffnet“, sagt der Kasseler Schriftsteller Peer Schröder, der mit dem Hamburger Verleger Michael Kellner auf den Friedrichsplatz gekommen war.

Keine Frage, Spannung und documenta-Fieber lagen in der Luft, als Marta Minujín vor der Grundsteinlegung ihr Kunstwerk und die ihm zugrunde liegende Idee über Lautsprecher erläuterte. Sogar Autogrammjäger stürzten sich auf die Frau mit dem hellblonden Haar und der Sonnenbrille.

Ein echtes Happening war das Ablaufen des Grundrisses des Buch-Bauwerks, das in den Maßen des Parthenon-Tempels auf der Akropolis entstehenden soll, immerhin 70 mal 30 Meter. Benjamin Koziol und sein Technik-Team der documenta 14 steckten das Terrain mit einer roten Kunststoffkordel geradezu feierlich ab. Im mitlaufenden Tross befanden sich neben der Künstlerin, ihrem Kurator Pierre Bal-Blanc aus Paris und einer großen Menge an Journalisten auch viele documenta-Fans. „Mitzulaufen hat Spaß gemacht“, sagte der Musikstudent Konstantin Kopf. Und Eveline Best, die in Frankfurt Architektur studiert, fügte hinzu: „Wir haben viele schöne Fotos gemacht.“

Einbezogen waren und werden die Kasseler auch künftig sein, wenn es darum geht, Bücher von verfemten, verbrannten und verbotenen Dichtern zu spenden. Aus diesen papierenen Bausteinen soll das Bauwerk auf dem Friedrichsplatz später entstehen. Die vielen, die schon am Samstag Bücher dabei hatten, wie Volker Mohr, Jacqueline Greinert oder Miki Lazar - Bücher von Heinrich Heine, Walter Mehring und Gustav Meyerink - und in den großen Gitterkorb auf dem Friedrichsplatz ablegten, bekamen als kleines Dankeschön einen Anstecker mit dem darauf abgebildeten Parthenon.

Die documenta 14 findet vom 10. Juni bis 17. September 2017 in Kassel und vom 8. April bis 16. Juli in Athen statt.

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