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Wegen Becks documenta-Kritik: Ex-OB Eichel tritt aus Deutsch-Israelischer Gesellschaft aus

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Von: Matthias Lohr

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Hans Eichel, ehemaliger Bundesfinanzminister und Ex-Oberbürgermeister von Kassel
Hans Eichel © dpa

Ex-Finanzminister Hans Eichel ist aus der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) ausgetreten – aus Protest gegen Volker Beck. Der DIG-Präsident verleumde die documenta.

Kassel – Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel ist aus Protest gegen die Kritik von Volker Beck an der documenta aus der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) ausgetreten. In seinem Rücktrittsschreiben begründet dies der Sozialdemokrat unter anderem mit Äußerungen des DIG-Präsidenten Beck im HNA-Interview vorige Woche. Dort hatte der Grünen-Politiker gesagt, es sei „vielleicht nicht schlecht“, wenn die Ausstellung woanders weitergehen würde. Zudem hatte er bereits zuvor behauptet, die „documenta der Schande“ sei ein „antisemitisches Feuerwerk“.

Gegenüber der HNA sagte Eichel: „Wenn der Präsident der DIG die documenta so verleumdet und sie aus Kassel weghaben will, kann ich ihr nicht mehr angehören.“ Der ehemalige hessische Ministerpräsident und Ex-Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Kassel gehörte der DIG mehrere Jahrzehnte an. Seine Arbeit für das deutsch-israelische Verhältnis will Eichel in der Jerusalem Foundation fortsetzen.

Auch der Kasseler Stadtplaner Christian Kopetzki hat sich zu Wort gemeldet. Der langjährige Kasseler Professor nennt die Äußerungen Becks einen „inquisitorischen, ja denunziatorischen Angriff auf die documenta insgesamt“. Zudem wirft er dem DIG-Präsidenten „Gesinnungsschnüffelei und Kontrollwahn“ vor.

Der innenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, gibt am 04.02.2015 in Berlin eine Pressekonferenz. Der Grünen-Politiker ist von der Polizei mit dem Rauschgift Crystal Meth gefasst worden. Beck legte seine Ämter nieder. Foto: Jörg Carstensen/dpa (zu dpa „Grünen-Bundestagsabgeordneter Volker Beck legt Ämter nieder“ vom 02.03.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Seit diesem Jahr Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft: Grünen-Politiker Volker Beck. © Jörg Carstensen

Beck hatte das Schreiben von Eichel am Sonntag noch nicht bekommen, wie er auf Anfrage sagte. Er wolle nun versuchen, ein Telefonat mit ihm zu führen.

DIG Vorsitzender aus Kassel: Die documenta braucht eine radikale Neuausrichtung

Der Vorsitzende der Kasseler DIG verteidigt dagegen die Äußerungen des Präsidenten. Auf Anfrage sagte Rupert Lang: „Die documenta braucht eine radikale Neuausrichtung. Das Nichtkuratieren ist gescheitert und hat dazu geführt, dass Antisemitismus gezeigt wird.“ Es reiche nicht, dass die Generaldirektorin Sabine Schormann nicht mehr im Amt ist. Auch das Artistic Team und der Aufsichtsrat müssten Konsequenzen ziehen: „Wir sehen immer noch nicht die wirkliche Bereitschaft zur Aufarbeitung. Von Volker Beck fühlen wir uns sehr gut vertreten.“ Die Kasseler DIG hat 147 Mitglieder.

Unterdessen hat Hans Eichel mit dem langjährigen Leiter des Bärenreiter-Musikverlags, Wendelin Göbel, eine Online-Petition zur Unterstützung der documenta gestartet. In dem Aufruf auf der Plattform Open Petition, der auch von den Bärenreiter-Verlegern Claudius und Clemens Scheuch unterstützt wird, heißt es: „Wir bitten das Land Hessen und die Stadt Kassel als Gesellschafter alles dafür zu tun, dass die documenta fifteen sich entfalten kann und als großartige Ausstellung wahrgenommen wird.“

Eine Würdigung der documenta fifteen in der Gesamtheit ihrer Aussage und ihrer Exponate finde politisch und medial derzeit kaum statt. (Matthias Lohr)

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