Einweihung der documenta-Skulptur von Giuseppe Penone zieht Publikum an

Kassel. „Das ist mein Geschenk an die Kasseler Bürger“, sagte Carolyn Christov-Bakargiev, „um die 100 Tage der documenta zu verlängern“. Für gestern Mittag, 12 Uhr, knapp zwei Jahre vor dem eigentlichen Beginn am 9. Juni 2012, hatte die Künstlerische Leiterin zur Einweihung des ersten Kunstwerks der documenta 13 eingeladen.

Auf der Rasenfläche zwischen der Gustav-Mahler-Treppe und dem Ehrenmal in der Karlsaue ist der Bronze-Abguss eines abgestorbenen Haselnuss-Baums errichtet worden, in dessen Krone ein drei Tonnen schwerer Findling ruht. Die Kasseler nahmen das Geschenk dankbar an. Über 200 Gäste kamen: Kindergruppen, ob aus der Tagesstätte Menzelstraße oder dem Kinderhaus Landaustraße, ebenso alte Menschen, die auf bereit gestellten Klappstühlen Platz nahmen, Studierende und Dozenten der Kunsthochschule sowie Mitarbeiter der Museen.

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Und ganz einfach documenta-Fans. Für alle gab’s nach kurzen Reden unter großem Medieninteresse und Klängen eines Geigers Sekt, Schmalzbrot, Ahle Wurst und Kuchen. Die Vorfreude auf die documenta sei schon sichtbar, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Carolyn Christov-Bakargiev erläuterte die mannigfaltigen Bezüge der Arbeit „Idee di Pietra (Ansichten eines Steins)“ von Giuseppe Penone zu ihrer eigenen Biografie. Der 63-Jährige kommt aus Turin, der Stadt, in der sie bis vor kurzem das Museum Castello di Rivoli leitete. Er ist ein Vertreter der in Turin enstandenen Bewegung Arte Povera (arme Kunst), deren Künstler sie zeit ihres Lebens inspiriert hätten und über die sie 1999 eines ihrer wichtigsten Bücher veröffentlichte.

Giuseppe Penone

Die Arbeit Penones - der seinerseits schon dreimal auf der documenta vertreten war - ist schon auf der Sydney-Biennale 2008 ausgestellt gewesen, die ebenfalls Christov-Bakargiev geleitet hat: „Sie ist mir nun nach Kassel gefolgt, um heute und hier die documenta für die Kasseler Bürger beginnen zu lassen.“ Neben der in einem Betonfundament verankerten Bronze-Skulptur - die von fern wie ein echter Baum aussieht - wurde eine Stechpalme (Ilex) gepflanzt. Sie soll, so Christov-Bakargiev, wachsen und gedeihen wie die Pläne für die documenta. „Das muss man sich angucken, sonst kann man ja nicht mitreden“, hatte sich Bewohnerin Ursula Wessel gesagt und war mit einem Grüppchen aus dem Augustinum in die Karlsaue gefahren. Gerade die Idee, etwas Lebendiges zu pflanzen, gefällt ihr. Alles sei schön organisiert, fand sie. „Ich bin nur skeptisch, ob der Baum nicht bei einem Sturm auch mal umfällt.“

Von Mark-Christian von Busse

Fotos: So sieht das erste Kunstwerk aus

Erstes documenta-13-Kunstwerk vorgestellt

Hintergrund: Das sagt der Künstler

Auch der Künstler Giuseppe Penone erläuterte seinen Bronze-Baum: Ziel und Sinn der Malerei sei, zu bedecken (englisch cover), Ziel der Skulptur hingegen, aufzudecken (discover), etwas ans Licht zu bringen. Die Malerei unterliege der Schwerkraft, während die Skulptur die Kraft ausdrücke, die der Schwerkraft entgegen wirkt, die ihr entflieht: „eine Kraft des Lichts“. Die Welt der Pflanzen entfliehe ebenfalls der Schwerkraft, sie sei vom Licht bestimmt, lebe und wachse aufgrund des Lichts: „Das Licht zieht das Gewicht der Zweige und Blätter an.“ Deshalb gebe es keinen besseren Zeitpunkt für die Einweihung als den Tag der Sommersonnenwende, den längsten Tag des Jahres, an dem die Sonne am höchsten stehe. Die Sonne selbst ließ sich allerdings am gestrigen kühlen Mittag nicht blicken.

Ein anderer Blick auf das Kunstwerk

So sieht Klaus Stawinski den Bronzebaum von Penone: Zum Video

Quelle: mydocumenta

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