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documenta in Kassel: Kolumbianische Stiftung befasst sich mit Klima und Wald

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Von: Kirsten Ammermüller

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Die Installation um den Baum neben der Orangerie in Kassel von einer kolumbianischen Stiftung zur documenta fifteen.
Platz nehmen am runden Tisch: Zum gemeinsamen Nachdenken und Austausch dient die Installation um den Baum von Más Arte Más Acción. © Dieter Schachtschneider

Die kolumbianische Stiftung „Más Arte Más Acción“ befasst sich mit Klimagerechtigkeit und dem Wald. Das ist in Kolumbien ein Problem, aber auch in Nordhessen.

Die Hitze im Gewächshaus ist vor allem an den heißen Sommertagen nahezu unerträglich. Doch es ist eine sensitive Wahrnehmung dessen, was die Grundlage des Klimawandels ist und zeigt die Auswirkungen, die auch in unseren heimischen Wäldern deutliche Kerben hinterlässt.

Baumstämme übereinandergestapelt, die Rinde entfernt, Fraßspuren des Borkenkäfers offengelegt. Dazu eine Klanginstallation mit übereinandergelagerten Gesprächen, die Notwendigkeit eines Diskurses anmahnend. Darin liegt die Hauptforderung von Más Arte Más Acción: Über Nachdenken miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die kolumbianische Kulturstiftung Más Arte Más Acción (Mama) thematisiert auf der documenta den Klimawandel und die Auswirkungen auf den Wald – den kolumbianischen Regenwald und den heimischen, deutschen Wald, und setzt beide in Verbindung.

Ein Holzstapel aus Baumstämmen im Gewächshaus in der Karlsaue in Kassel zur documenta fifteen.
Von Klimawandel und Borkenkäfer gezeichnet: Ein Holzstapel im Gewächshaus in der Karlsaue. © Dieter Schachtschneider

Más Arte Más Acción – zu deutsch: Mehr Kunst Mehr Aktion, ist Teil eines weltweiten Netzwerkes, dem Art Collaboratory, das sich mit künstlerischen Praktiken und den Prozessen des sozialen Wandels befasst. Die Non-Profit-Organisation Más Arte Más Acción wurde 2011 von dem bildenden Künstler Fernando Arias und dem Kulturmanager Jonathan Collin gegründet.

Die Basis der Stiftung ist in Chocó an der kolumbianischen Pazifikküste. Als Plattform für interdisziplinäre Kunstprojekte drehen sich die Arbeiten um Sozial- und Umweltthemen, Klimagerechtigkeit und Biodiversität. Mama knüpft dazu Netzwerke mit Universitäten, Kunstinstitutionen und Gemeinden.

Auf dem Weg vom Gewächshaus in Richtung Orangerie sind zahlreiche abgesägte Baumstümpfe aufgestellt, laden zum Sitzen und Nachdenken ein. Es ist das Holz von Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen, nicht mehr lebensfähig sind.

Gemeinsames Nachdenken, ein zentrales Anliegen, zu dem Mama anregen möchte. Die Frage, wie Monokulturen und Klimawandel zu einem massiven Borkenkäferbefall in Mitteleuropa geführt haben, steht im Fokus.

Ein Fahrzeug für schwieriges Gelände mit Wohnanhänger.
Das Gefährt Werner: Ein Fahrzeug für schwieriges Gelände mit Wohnanhänger. © Dieter Schachtschneider

Mit Blick auf die Orangerie befindet sich auf der rechten Seite das Zentrum von Mama – der sogenannte Doc Space. Ein militärähnliches Fahrzeug mit einem als Wohnwagen konzipierten Anhänger, um ein Zelt erweitert. Das Fahrzeug, Werner, wurde von dem niederländischen Künstler Joep Van Lieshout, der als Atelier Van Lieshout (AVL) praktiziert, entworfen. Werner soll das Kino in das kulturelle Outback bringen – AVL nutzt die Geschichte des Kinos als Propagandawerkzeug im künstlerischen Sinne.

Für die documenta fifteen beherbergt Werner eine Bibliothek, die die Arbeitsweise von Mama dokumentiert. Das Zelt dient als Vorführraum für Videoarbeiten, bietet Platz für Workshops und öffentliche Aktivitäten.

Für Gespräche, zum Nachdenken oder einfach nur zum Ausruhen lädt ein runder Tisch mit 14 Metern Durchmesser, der um einen Baum aufgestellt ist, ein. Auf Baumstümpfen kann Platz genommen werden.

Und noch etwas integriert Mama in seinen Doc Space und lenkt damit den Blick auf das Zusammenspiel von Zivilisation und Umwelt: Wer seine Notdurft verrichten muss, kann die Komposttoilette benutzen, die auf den ersten Blick an einen Aussichtsturm erinnert. Die Aussicht oben wird dann durch einen leicht überraschten Blick eingetauscht – funktionstüchtig ist die Toilette mit Stroh und Sägespänen tatsächlich und darf benutzt werden.

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