Bau am Holländischen Platz?

Alle Fraktionen einig: documenta-Institut soll in Kassel entstehen

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Entscheidung angekündigt: Am Holländischen Platz soll das documenta-Institut entstehen.

Kassel. Darüber, dass in Kassel ein documenta-Institut entstehen soll, sind sich alle Fraktionen einig. Über den Standort allerdings nicht.

Neben dem von der SPD und Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) favorisierten Grundstück für den Neubau am Holländischen Platz, war auch ein Standort in der Nähe der documenta-Halle im Gespräch.

Doch wird der Magistrat der Stadt nun wohl einen Schlussstrich unter die Diskussion ziehen. Zumindest kündigte das Hilgen am Dienstagabend in der Sitzung des Kulturausschusses an.

Der Auftrag fürs documenta-Institut

Der Magistrat war Anfang Mai von den Stadtverordneten beauftragt worden, einen Standort auszuwählen.

Dabei habe es sich um den Auftrag gehandelt, ein geeignetes Grundstück auszuwählen, sagte Hilgen – und das habe er getan: „Zur Überraschung ist es das Grundstück am Holländischen Platz“, so Hilgen weiter.

Wenn der Magistrat das nun auch so am Montag beschließe, wovon er stark ausgehe, dann sei das eine finale Entscheidung und nicht nur eine Empfehlung. „Der Magistrat hat den Auftrag der Stadtverordneten so verstanden, dass er zu entscheiden hat, welches Grundstück zur Verfügung gestellt wird, weil es geeignet ist“, sagte Hilgen. Und: Damit sei es nicht nur eine Empfehlung.

Eine weitere Diskussion in den Ausschüssen würde es demnach nicht mehr geben. Kommt es so, wie Hilgen angekündigt hat, könnten nur noch die Stadtverordneten die Entscheidung kippen. Doch davon ist bei den Mehrheitsverhältnissen im Parlament nicht auszugehen.

Die Kosten fürs documenta-Institut

Insgesamt soll der Neubau 24 Millionen Euro kosten. Der Bund (zwölf Mio. Euro) und das Land Hessen (6 Millionen Euro) hätten zwischenzeitlich finanzielle Unterstützung angekündigt, sagte Hilgen. Die Stadt Kassel wolle vier Millionen Euro tragen. Hilgen geht davon aus, dass der Magistrat sich dafür aussprechen werde, dass die Stadt einstehen solle, wenn die für die Finanzierung noch fehlenden zwei Millionen Euro nicht durch Spenden erzielt würden. „Einen Teil davon habe ich schon gesammelt“, erklärte Hilgen.

Wie viel Geld und von wem wollte er allerdings nicht sagen. Er zeigte sich aber überzeugt davon, dass die Lücke durch Spenden geschlossen werde. Und weiter: Stehe die Finanzierung, könne es losgehen.

Nutzen eines documenta-Instituts

Das documenta-Institut in Kassel soll Besuchern die Geschichte der Weltkunstausstellung vermitteln und zugleich wissenschaftlichen Untersuchungen dienen. Die Universität will in dem Neubau unter anderem die gerade berufene documenta-Professur unterbringen. Nach Angaben von Oberbürgermeister Hilgen werden zunächst etwa 25 Personen in dem Gebäude arbeiten. 

Mehr als 30 sollen es werden, wenn sich das Institut als außeruniversitäre Forschungseinrichtung etabliert habe und an die Leibnitz-Gemeinschaft überführt werden könne. Das Raumprogramm für das documenta-Institut sieht etwa 4600 Quadratmeter Nutz- und Technikflächen vor

Kassel als Kulturhauptstadt

Die Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ schreite voran, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen im Kulturausschuss. Der Stand der Dinge: 

Eine Bestandsaufnahme, eine sogenannte Kulturlandschaftsanalyse, wurde erstellt. Dabei habe man auch die Mitbewerber-Städte im Blick und „was uns noch fehlt“, so Hilgen.

Ein Institut für Kulturschaffende wurde beauftragt, einen Kulturentwicklungsplan zu erstellen. Das sei ein unverzichtbarer Baustein für die Bewerbung. Richtig loslegen werde man im September – nach der documenta. Im Oktober soll es dann ein europäisches Fest geben, bei dem die Besucher in Kassel auf Europareise gehen können, ergänzte Kulturamtschefin Dorothée Rhiemeier. Und: Es soll Workshops mit lokalen Kulturschaffenden geben. Zudem sollen Webseite, Logo und Slogan entwickelt und im Herbst vorgestellt werden.

Noch kein Kulturdezernent in Kassel

Bis zu der Besetzung des Postens des eigenständigen Kulturdezernenten in Kassel werde bei der Verantwortlichkeit in Sachen Kultur in der Stadt keine Lücke entstehen, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen auf eine Anfrage der CDU-Fraktion. Sein Nachfolger im Amt, Christian Geselle, wolle diesen Posten erst mal bis zu der Neuwahl des Dezernenten ungeteilt bis zur Komplettierung des Magistrats mit übernehmen, kündigte Hilgen an. 

Das Kulturamt arbeite überdies in dieser Zeit unabhängig von der Frage, wer Kulturdezernent ist, natürlich weiter an der Bewerbung für die Kulturhauptstadt. „Was vorbereitet ist, wird systematisch und in hoher Qualität weiter abgearbeitet. Das ist selbstverständlich. Da gibt es keinen Bruch und kein Leck.“

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