Mehr Übernachtungsgäste als vor fünf Jahren

Geschäft mit den documenta-Touristen in Kassel war überwiegend erfolgreich

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Beliebter Treffpunkt: Die documenta-Gastronomie auf dem Friedrichsplatz erfreute sich vor allem bei schönem Wetter großer Beliebtheit. Kassels Restaurants erlebten zum Teil einen regelrechten Ansturm.

Kassel. Die documenta 14 mag mit Finanzproblemen zu Ende gegangen sein – für jene, die in Kassel vom Geschäft mit den Kunsttouristen leben, war sie laut ersten Zahlen ein Erfolg.

Gleichwohl gibt es auch unzufriedene Stimmen. Ein Überblick:

Übernachtungszahlen während der Kunstausstellung

Vom Statistischen Landesamt liegen offizielle Zahlen bisher für die ersten beiden documenta-Monate Juni und Juli vor. Danach sind in diesem Zeitraum deutlich mehr Touristen nach Kassel gekommen als bei der d13 vor fünf Jahren.

Im Vergleich zu 2012 lagen die Übernachtungszahlen im Juni um 14 Prozent, im Juli um 10 Prozent höher. Zusammen macht das gut 24.000 Übernachtungen mehr als im gleichen Zeitraum der vorigen documenta.

In die Landesstatistik gehen allerdings nur Gastbetriebe mit mindestens acht Betten ein. Vor dem Hintergrund, dass im Netz gebuchte Privatquartiere auf Portalen wie Airbnb seit 2012 immens an Bedeutung gewonnen haben, dürfte der tatsächliche Zuwachs weit höher ausfallen als in den offiziellen Zahlen fassbar.

Touristenbetreuung auf der documenta 14

In den beiden Kasseler Tourist-Info-Büros haben sich während der d14 laut Kassel Marketing 85.800 Menschen informiert – das sind gut die Hälfte mehr als im Vergleichszeitraum 2012, wo es 52.000 Besucher waren.

Hotels in der Stadt gut ausgelastet

Vor allem im Juni und Juli freute sich das Best Western Plus Hotel Kassel City an der Spohrstraße über Auslastungen um die 90 Prozent. Aus Sicht von Direktor Jürgen Peter Voigts verlief das documenta-Geschäft „unheimlich erfolgreich“. Nach der bereits sehr guten Kunstsommer-Saison 2012 habe es noch mal eine deutliche Steigerung bei Umsatz und Nachfrage gegeben, sagte Voigts. Das Publikum sei merklich internationaler geworden, der Anteil von Individualreisenden sei gegenüber Touristengruppen gestiegen.

Im Pentahotel nahe dem Bahnhof Wilhelmshöhe habe die Saison mit den Kunsttouristen eher verhalten begonnen. Für den Auftakt „hatten wir uns eigentlich mehr versprochen“, sagt Direktor Christian Keßler. Vor allem Reservierungen von Reisegruppen hätten da gefehlt. Im Lauf der d14 sei die Auslastung dann aber gestiegen, bis auf gut 90 Prozent im August. Keßler: „Am Ende haben wir bei Umsatz und Auslastung wieder das Niveau von 2012 erreicht.“

Gastronomie zufrieden

Für Kassels bessere Restaurants sei der documenta-Sommer „fantastisch“ gelaufen, berichtet Betreiber Elis Levorato von der „Osteria“ an der Jordanstraße: „Wir hatten die ganze Zeit eine enorme Nachfrage und waren ständig ausgebucht.“ An manchen Abenden habe das bei Kunsttouristen beliebte Lokal bis zu 100 spontane Gäste gleich an der Tür wegschicken müssen.

Ebenso habe es bei Kollegen in der gehobenen Restaurant-Liga ausgesehen, sagt Levorato: „Voit, Ilyssia, Humboldt 1a – überall das Gleiche.“ Die Inhaber hätten teilweise versucht, die Gästeflut untereinander aufzuteilen. Und der Umsatz-Vergleich mit der documenta vor fünf Jahren? „Viel besser“, sagt Levorato; „mindestens zehn Prozent mehr.“

Weniger zufrieden ist Hartmut Apel, dessen Firma mehrere documenta-Gastronomien rund um die Schöne Aussicht betrieb. Verglichen mit 2012 seien dort „bedeutend weniger Besucher“ eingekehrt, mit entsprechend weniger Umsatz.

Vor allem unter der Woche sei weniger los gewesen als vor fünf Jahren, sagt Apel. Eine Ursache sieht er in der Konzeption des documenta-Parcours: „Für schlechtes Wetter kann niemand etwas. Aber diesmal hat einfach das Flair gefehlt“, meint der Gasto-Unternehmer.

Taxifahrer etwas enttäuscht

Auch beim Taxigewerbe hat das documenta-Geschäft „etwas weniger“ gebrummt als 2012, berichtet Geschäftsführer Markus Semmelroth von der Taxi-Service-Zentrale Kassel. Vor allem nachts sei es ruhiger gewesen als erwartet.

Doch das Fahrgastgeschäft sei auf jeden Fall deutlich besser gewesen als in den Jahren ohne documenta.

documenta-Wertschöpfung wird untersucht

Welche wirtschaftlichen Impulse die documenta 14 für Kassels Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und andere tourismusnahe Branchen gebracht hat, wird Gegenstand einer Untersuchung sein, deren Ergebnisse nach Angaben der Pressestelle im Rathaus für Frühjahr 2018 erwartet werden. 

In einer älteren Analyse der Universität Kassel aus dem Jahr 2007 hatte es geheißen, dass in einem documenta-Jahr etwa 100 Millionen Euro mehr an Wertschöpfung in Kasseler Kassen hängen bleiben als in den Jahren ohne Weltkunstschau mit ihren vielen Besuchern.

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