documenta-Künstler Cy Twombly starb mit 83

Zweifacher documenta-Teilnehmer: Cy Twombly.

Das kann mein Kind auch - bei keinem Künstler liegt dieses Vorurteil gegen zeitgenössische Kunst so nah wie bei Cy Twombly. Der Maler und Bildhauer, der als einer der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus gilt, ist am Dienstag in Rom mit 83 Jahren an Krebs gestorben.

Geboren wurde Twombly 1928 in Lexington, Virginia (USA). Er hat mit rätselhaften, wuchernden, scheinbar unkontrollierten Kritzeleien im wahrsten Sinne des Wortes eine eigene Handschrift entwickelt. Er verband lange Zeit auf meist weißgrundierter Leinwand Malerei, Zeichnung, Grafik und Schrift - seine „Krakeleien“ wirken ebenso filigran wie monumental.

Auch mit farbigeren Gemälden und als Fotograf machte Twombly zuletzt von sich reden. Seine abstrakte, großformatige Werke erzielten bei Auktionen Millionenpreise. Typisch für seine Arbeiten waren die Kombination von Mal- und Zeichentechniken, die Wiederholung von Linien in Verbindung mit graffitiartigen Elementen und Textfetzen. Er war Teilnehmer der documenta 6 und 7.

Oft setzte sich Twombly mit antiken Mythen auseinander. Als Kind faszinierten ihn griechische Sagen, nach seinem Kunststudium reiste er mit seinem Künstlerfreund Robert Rauschenberg nach Südeuropa und Nordafrika. Italien wurde Twomblys große Liebe: Der Vater eines Sohnes lebte zurückgezogen in Rom und in der Küstenstadt Gaeta.

Nicht nur Kunstkritiker und Sammler schätzen Twombly, für den Star-Architekt Renzo Piano in Houston ein eigenes Museum errichtet hat. Dort soll sich vor einiger Zeit eine Besucherin vor einem Gemälde völlig nackt ausgezogen haben. Und bei einer Ausstellung in Avignon drückte eine Französin einem zwei Millionen Euro teuren „weißen“ Twombly ihren knallroten Kussmund auf. Sie hatte sich von der „Macht der Kunst“ provoziert gefühlt - diese Wirkung dürften Kinder-Kritzeleien in der Regel nicht erreichen.

Erst 2010 hatte Twombly, dem im Museum Brandhorst in München ein ganzes Stockwerk gewidmet ist, einen Teil der Decke im Pariser Louvre ausmalen dürfen - eine Ehre, die vor ihm nur zwei anderen Gegenwartskünstlern zuteil wurde. Das 400-Quadratmeter-Werk war untypisch für sein Schaffen: Ein tiefblauer Himmel mit großen Kreisen in Gelb, Ocker, Weiß und Blau. (mit dpa)

Quelle: mydocumenta

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