1. Startseite
  2. Kultur
  3. documenta

documenta: Kulturausschuss kritisiert abwesende Geselle und Schormann

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Florian Hagemann, Mark-Christian von Busse

Kommentare

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle und documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann  im Auestadion
Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann bei der Eröffnung der documenta im Juni 2022. © Andreas Fischer

In der mit Spannung erwarteten Kulturausschusssitzung des Bundestages zum Antisemitismus-Eklat auf der documenta fifteen richtete sich die Kritik vornehmlich gegen jene, die gar nicht anwesend waren.

Kassel – Und zwar gegen Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann. Geselle habe mit Verweis auf die Haushaltsberatung im Kasseler Rathaus abgesagt und den Ausschuss zugleich nach Kassel eingeladen, teilte Ausschuss-Vorsitzende Kerstin Budde (SPD) mit. Schormann habe krankheitsbedingt abgesagt. Von hohem Fieber war die Rede.

Bei den meisten Ausschussmitgliedern – darunter die Kasseler Bundestagsabgeordnete Awet Tesfaiesus (Grüne) – sorgte vor allem Geselles Fernbleiben für Unmut. Gitta Connemann von der CDU nannte es sogar einen Skandal, dass der Oberbürgermeister nicht bereit gewesen sei, nach Berlin zu kommen. „Jeder Termin ist nicht so wichtig wie dieser.“ Anikó Merten (FDP) nannte Geselles Fehlen symbolhaft für die mangelhafte Übernahme von Verantwortung für den Eklat um das Darstellen von antisemtischer Bildsprache auf der documenta.

Jene Gäste, die in dem Ausschuss Rede und Antwort standen, machten Geselle und Schormann als Hauptverantwortliche der Entwicklung aus. Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrates der Juden, sagte: „Dass Frau Schormann immer noch im Amt ist, ist eine Zumutung.“ Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) sprach von einem Versagen im Planen und in der Durchführung der Weltkunstausstellung. Die Staatsministerin mahnte erneut eine Änderung der Struktur an. Gesellschafter der documenta sind die Stadt Kassel und das Land Hessen, nicht aber der Bund. Der steuert über die Bundeskulturstiftung lediglich 3,5 Millionen Euro zum 42-Millionen-Etat bei. Roth zur Zukunft: „Wir machen nur etwas, wenn es eine Reform gibt.“ Geselle hatte zuletzt gesagt, die documenta zur Not auch ohne den Zuschuss des Bundes zu veranstalten.

Geselle drückte am Nachmittag auf Nachfrage sein Bedauern aus, dass er nicht in Berlin habe sein können. Er verwies auf die Wichtigkeit des Haupt- und Finanzausschusses in Kassel. Aufgrund der Vorbereitungen habe er die Debatte des Kulturausschusses auch nicht online verfolgen können.

Heute debattiert der Bundestag über die documenta.

Das sagt Oberbürgermeister Christian Geselle

Mitglieder des Kulturausschusses äußerten zum Teil harsche Kritik am Fernbleiben von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). Erhard Grundl (Grüne) sagte: „Die Verantwortung liegt in Kassel. Die Verantwortlichen sind nicht da.“ Geselle teilte am Nachmittag auf Anfrage mit: „Ich bedaure sehr, dass ich heute nicht in Berlin sein konnte, um an dem Austausch zur documenta fifteen im Ausschuss für Kultur und Medien teilzunehmen. Meine Teilnahme als Oberbürgermeister und Finanzdezernent an einer wichtigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zum städtischen Haushalt, der wichtige Weichenstellungen für die Zukunft unserer Stadt beinhaltet, hat dringend meine Anwesenheit erfordert. Aufgrund der Vorbereitungen für diese Sitzung konnte ich die Debatte auch nicht online verfolgen, so dass ich mich heute nicht zu den Inhalten äußern kann.“ 

Wollen Sie Informationen zur documenta direkt in Ihr Postfach bekommen? Dann abonnieren Sie einfach unseren documenta-Newsletter. Alle Artikel zur Weltkunstausstellung in Kassel sammeln wir in unserem documenta-Themenspezial. Alle Standorte der documenta fifteen finden Sie in unserer interaktiven Karte.

Auch interessant

Kommentare