Start ist samstags zur blauen Stunde

documenta-Kunst „by night“: Ab jetzt gibt's auch d-14-Nachtspaziergänge

+
Die documenta mit anderen Augen sehen: Neu im Angebot sind jetzt jeden Samstag Nachtspaziergänge zu den Außenkunstwerken. Choristin Steffi Kutsch führte am Wochenende eine der ersten und startete am Parthenon.

Kassel. Als Steffi Kutsch ihre Besucher-Gruppe am Parthenon in Empfang nimmt, fängt das Spektakel gerade an: Eine blasse Mondsichel am Himmel läutet die blaue Stunde ein.

Auf geht’s zum Nachtspaziergang, der die documenta in einem anderen Licht präsentieren soll. Keine anstrengende Rezeption politischer Kunst sei das Ziel, sondern ein genussvoller Spaziergang, um die eigene Befindlichkeit zu reflektieren.

Leuchtbänder: Steffi Kutsch führte durch die Nacht. Um das ganze Foto zu sehen, klicken Sie oben rechts.

„Wir haben uns heute den ganzen Tag lang Kunst in Räumen angeschaut, jetzt freuen wir uns auf einen entspannten Ausklang unseres documenta-Besuchs“, sagt Marita Basten aus Bonn. Sie ist mit Ehemann Heinz Giller in Kassel und bezeichnet sich als "Kunst-Junkie". „Danach werden sie gut schlafen“, verspricht die Kölnerin Kutsch, die im wirklichen Leben Lehrerin ist. Die Gruppe bekommt von der Frau mit dem mitreißenden Naturell während des Walks über die Karlsaue, Grimmwelt und Torwachen zum Königsplatz ein Riesenpaket an Informationen mit. Die Choristin geht nicht nur auf aktuelle documenta-Kunst ein. Die glänzt bei Nacht völlig neu oder zeichnet sich lediglich als Kontur ab wie Olaf Holzapfels Holzskulptur am Küchengraben in der Aue. „Sie müssen sich hier ein leuchtendes Orange vorstellen“, sagt Steffi Kutsch lachend und stößt dabei auf zwei Männer, die es sich am Fuße der Arbeit im Dunkeln bequem gemacht hatten. Ein wenig Kitzel wie bei Nachtwanderungen in Kinderzeiten ist beim zweistündigen Walk inklusive. „Ich find’s toll“, sagt Agnes von Baeyer aus Kassel, die sich zum ersten Mal der documenta 14 gewidmet hatte.

Steffi Kutsch breitet ihr weit gefächertes Wissen aus. Sie lässt auch die Bedeutung der Grimms nicht unerwähnt und geht auf alte documenta-Kunstwerke ein. Als sich die Gruppe nach Gesprächen an den Röhren Hiwa Ks dem Rahmen des Künstlerkollektivs Haus-Rucker-Co von 1977 zugewandt hatte, ploppte im Dunkel der Aue ein Feuerwerk auf. „Hab ich extra für sie bestellt“, sagt Steffi Kutsch; in der Gruppe wird gelacht.

„Das neue Begleit-Angebot, das sich nur auf Außenkunstwerke bezieht, ist aus dem Stand gut angenommen worden“, sagt Saskia Conrad von der für die d 14 tätigen Agentur Avantgarde: „Wir werden sie im August an jedem Samstag anbieten.“ Start ist am d 14-Shop neben dem Parthenon, 20 bis 22 Uhr, 20.30 bis 22.30 Uhr, 21 bis 23 Uhr und 21.30 bis 23.30 Uhr, Kosten pro Person: 12 Euro (ohne zusätzliche Eintrittskarte, da nur Außenkunst betrachtet wird).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.