Wenn Kunst das Recht umhüllt

Blick hinter Jutesäcke: In der Torwache trifft documenta-Künstler auf Juristen

+
Interessanter Ausblick: Durch Jutesäcke hindurch blickt man vom hessischen Verwaltungsgerichtshof auf den Turm vom hessischen Landesmuseum. 

Kassel. Die Torwache in Kassel ist wegen der documenta 14 mit Jutesäcken verhüllt. Nur: Wie sieht das Innenleben aus? Künstler Ibrahim Mahama traf nun auf die Juristen, die dort arbeiten.  

Aktualisiert am 1. Juni 2017 um 12.10 Uhr - Draußen steigt die Temperatur mal wieder, es soll heiß werden – 34 Grad. Aber? Halb so schlimm. Im großen Sitzungssaal des hessischen Verwaltungsgerichtshofs in Kassel können sie derzeit nur lachen über das Stöhnen der Hitzehasser. Schließlich verweisen sie hier auf eine Besonderheit, die sie umgibt: das Kunstwerk des Ghanaers Ibrahim Mahama. Es hat nämlich einen Nebeneffekt: Es sorgt dafür, dass es – so ist zumindest der erste Eindruck – innen kühl bleibt, und so nennt der eine oder andere Beschäftigte das Ganze auch schon: Beschattungsanlage.

Darum geht es also: Um die Kunst zur documenta, die auf die Arbeitswelt vor Ort trifft. Das Leben im Verwaltungsgerichtshof endet ja nicht auf einmal, nur weil jetzt Jutesäcke über dem Gebäude hängen. Nein, es geht weiter, und das ist das Interessante. Was passiert in und mit einem Gericht, dem Oberverwaltungsgericht gar, wenn ihm plötzlich die Kunst übergestülpt wird? Was ist der Sinn des Ganzen? Auch darüber soll diese Veranstaltung Aufschluss geben.

Der Künstler ist da, er sitzt in diesem großen Sitzungssaal vorne mit seinem Laptop, auf dem das Logo der documenta 14 in Athen zu sehen ist. Ibrahim Mahama trägt ein T-Shirt, im Publikum haben die Juristen Platz genommen. Die meisten Männer tragen Hemd, auch die Frauen sind elegant angezogen. In Reihe eins: Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. 

Ibrahim Mahama  spricht über seine Arbeit und die Auswahl der Torwache. Ihn hat die Geschichte des Gebäudes fasziniert – und vor allem der Standort. Früher bildete die Anlage zu Beginn der Wilhelmshöher Allee eine gewisse Grenze zur Stadt, was zu einem passt, der die Grenzüberschreitung gern zum Thema macht und der auch an diesem Vormittag die Situation von Flüchtlingen erwähnt.

Zu Gast im Gerichtssaal: Ibrahim Mahama.

Aber was ist jetzt mit der Kunst und dem Recht? Das deutet Eva Kühne-Hörmann am Rande der Veranstaltung an. Sie verweist auf Themen, um die es hier in den Räumen geht: um Asylverfahren zum Beispiel. „Hier schließt sich der Kreis.“ Die Ministerin ist stolz, einen documenta-Standort präsentieren zu können, an dem alles irgendwie mit allem zusammenhängt. An der Wand in diesem Sitzungssaal, in den wegen der Jutesäcke außen an der Torwache nur wenig Licht fällt, hängt eine Tafel. Auf ihr steht: „Hier wohnten die Brüder Grimm 1814 – 1822.“

Mitarbeiter müssen wegen documenta umziehen

Und jetzt die documenta. Dirk Schönstädt, der Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, sagt, es herrsche unter den 73 Mitarbeitern eine gewisse Neugierde, hier und da ist auch von Skepsis die Rede. Ein paar Mitarbeiter müssen während der documenta umziehen, um nicht nur bei künstlichem Licht tätig sein zu müssen. Aber sonst halten sich die Unannehmlichkeiten in Grenzen. Es ist sogar überprüft worden, ob die Schadstoffbelastung durch die Jutesäcke erhöht ist. Aber: alles in Ordnung.

Als Ibrahim Mahama seinen Vortrag beendet, gibt es lang anhaltenden Applaus. Angelika Cezanne, eine Richterin, sagt: „Es ist spannend, das alles mitzuerleben.“ Es scheint das gute Gefühl zu überwiegen, irgendwie Teil der documenta sein zu dürfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.