Kommission prüft Ankauf von Kunstwerken - Anrainer würden sich über Verbleib freuen

Bleibt der documenta-Obelisk dauerhaft auf dem Königsplatz?

Obelisk auf dem Königsplatz? Soll er hier eine Zukunft haben? 

Kassel. Der Obelisk des US-Künstlers Olu Oguibe auf dem Königsplatz gehört zu den Lieblingskunstwerken der documenta 14. Doch was geschieht anschließend?

Artikel wurde aktualisiert um 19.03 Uhr - Es gibt nicht wenige Menschen, die sich wünschen, dass das 16,20 Meter hohe Kunstwerk auch nach Ende der d14 dauerhaft in Kassel bleibt. Der Künstler selbst hatte von Beginn an diese Hoffnung geäußert.

Auch documenta-Leiter Adam Szymczyk sagt nun durch die Blume, dass er dafür wäre: „Das öffentliche Monument des Künstlers Olu Oguibe hat dem gesamten Königsplatz eine neue Bedeutung gegeben. Es ist nicht nur ein politisches Statement über die Umstände und Bedingungen des Fremdseins und die Wichtigkeit von Gastfreundschaft, sondern ein Ort, an dem die Menschen sich tatsächlich treffen, zusammen sitzen, denken und miteinander sprechen können.“

Wie viel Geld der Stadt in diesem Jahr für den Ankauf von documenta-Kunstwerken zur Verfügung steht, darüber wird derzeit noch geschwiegen. Vor fünf Jahren haben die Stadt Kassel 385 851 Euro und das Land Hessen 200 000 Euro für den Erwerb von sieben Kunstwerken ausgegeben. Hinzu kam der Ankauf des Bronzebaums des Bildhauers Giuseppe Penone in der Karlsaue. Dafür hatten Unternehmen und Privatleute gespendet.

Die documenta von oben - Luftbilder der Ausstellung

Welche documenta-Kunst tatsächlich in Kassel bleibt, darüber berät die Ankaufskommission. Hierbei handelt es sich um eine seit 1969 bestehende Abteilung der Kulturkommission, die über den Ankauf von Kunstwerken für die städtische Kunstsammlung im Rahmen des jeweiligen Haushaltsansatzes berät, so Stadtsprecher Michael Schwab.

Die Ankaufskommission unterbreitet ihren Vorschlag dann dem Magistrat, der darüber entscheidet. Aktuell gebe es verschiedene Vorschläge für Kunstwerke, die in Kassel bleiben könnten, sagt Schwab. Der Stadtsprecher bestätigt, dass sich darunter auch der Obelisk befindet. 

Anrainer des Königsplatzes: „Der Obelisk wertet den Platz auf“

„Was passiert eigentlich mit den documenta-Außenkunstwerken, wenn die Ausstellung vorbei ist? Diese Frage hat kürzlich Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, gestellt, als er zusammen mit den Direktkandidaten für die Bundestagswahl über den Friedrichsplatz ging. Boris Mijatovic erklärte seinem Parteichef, dass die Stadt nach jeder documenta Kunstwerke ankaufe, die bei der Bevölkerung besonders beliebt sind. Bei der d14 sei zum Beispiel der Obelisk auf dem Königsplatz möglicherweise solch ein Kunstwerk.

Bei diesem Gespräch stellte sich auch heraus, dass auch andere Stadtteile eventuell Interesse an dem Kunstwerk hätten, bei dem es um Flucht und Aufnahme geht. Auf dem 16,2 Meter hohen Bauwerk des US-Künstlers Olu Oguibe steht das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ – in Deutsch, Türkisch, Englisch und Arabisch.

Alternative Goethestern

Zum Beispiel habe der Ortsvorsteher des Vorderen Westens Interesse an dem Obelisken für seinen Stadtteil angemeldet, sagte Mijatovic.

Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne) bestätigt, dass er sich vorstellen könnte, dass der Obelisk auch auf dem Goethestern an der Goethestraße stehen könnte. Das sei aber bislang nur eine fixe Idee, die natürlich im Stadtteil diskutiert werden müsste.

Es gibt allerdings eine Reihe Leute, die den Obelisken unbedingt auf dem Königsplatz behalten wollen. Wie zum Beispiel Ralf Kofer, Chef der Kamps-Filiale am Königsplatz. „Der soll auf alle Fälle bleiben“, sagt Kofer. Die Resonanz auf das Kunstwerk sei super und die Menschen richtig begeistert. „Der Obelisk wertet den Königsplatz auf alle Fälle auf. Ich habe noch nichts Negatives darüber gehört.“

Dorota Bröbach, die im Restaurant „Königskeller“ arbeitet, sieht das genauso. „Die Gäste finden den Obelisken gut. Aber die sind sowieso von Kassel begeistert.“ Der Obelisk sei auch nicht mit der Treppe vergleichbar, die im Jahr 2000 bei „Nacht und Nebel abgerissen werden musste“, sagt Bröbach.

„Die Treppe musste damals definitiv weg“, sagt Servicekraft Sabiha, die bei Waffel Café arbeitet. Sie sei sich zwar nicht sicher, ob der Obelisk Kunst sei, aber er passe auf alle Fälle auf den Königsplatz.

Der Obelisk sei der einzige Grund, aus dem jetzt die documenta-Touristen auf den Königsplatz kämen, sagt Sabiha. Nach Ausstellungsende könne er solch ein Magnet bleiben.

Die City Kaufleute haben sich mit diesem Thema Obelisk noch nicht beschäftigt, so der Vorsitzende Gerhard Jochinger. Man werde das Thema aber gern auf die Tagesordnung der nächsten Vorstandssitzung am 10. August nehmen.

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