documenta-Partys: Lange Nächte nach langen Wegen

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Kassel. Auch wenn sich alles um die Kunst dreht, so gehören doch die Partys und diversen Empfänge zu den Eröffnungstagen der Weltkunstausstellung wie das Salz an die Suppe.

Den Auftakt des Veranstaltungs-Marathons bildete auch in diesem Jahr wieder der traditionelle Empfang der Stadt und des Kasseler Presseclubs am Mittwochabend (6. Juni) im Rathaus. Es war so voll wie sonst nur beim Neujahrsempfang der Stadt. Und was die Gäste betrifft, so waren es auf Kasseler Seite auch die gleichen Gesichter. Dazu dann der Tross der internationalen Journalisten und einige Künstler. Ebenfalls unter den Feiernden: Rudi Fuchs, 1982 künstlerischer Leiter der documenta 7.

Party-Impressionen

Party-Impressionen

die aktuelle documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev (vom Partyvolk schlicht CCB genannt) war zum Auftakt für eine halbe Stunde präsent, dann zog sie weiter - vermutlich wie so viele an diesem Abend noch in die Alte Brüderkirche.

Die Mode-Party

"Der Tanz war sehr frenetisch, rege, rasselnd, klingend, rollend, verdreht und dauerte lange Zeit."

(Text auf der Einladungskarte zur documenta-Eröffnungsparty im KulturBahnhof)

Während der Presseempfang zur Frühaufsteher-freundlichen Zeit um 20 Uhr begann, musste man am Donnerstagabend schon etwas länger wachbleiben beziehungsweise vor-ruhen. Um 23 Uhr begann in der Tiefgarage auf einem irrsinnig langen Catwalk die Modenschau von Seth Price und Tim Hamilton. Eigentlich eine documenta-Veranstaltung für die Kulturjournalisten, denn es ging um Kunst als Mode und Mode als Kunst. Doch angesichts eines gut funktionierenden Barbetriebs gewann die Aktion schnell an Partycharakter.

Lange Drinks, enge Mode (Price scheint nur in den Größen M und S zu schneidern) und ein gut gelaunter Mix zwischen einheimischen und internationalen Mode-Kennern sorgten trotz der vorgerückten Stunde für ein kurzweiliges Vergnügen.

Sufi-Musik und Elektro-Beats

Am Freitagabend folgte dann die Nacht der Nächte. Der documenta-Empfang im KulturBahnhof für die Künstler, ihre Helfer und Freunde sowie Kasseler Kultur-Schickeria war eine Wucht. Das begann schon mit dem Schlaraffenland-Entrée. Berge von Erdbeeren (natürlich!), Äpfeln, Schinken, Gurken und anderen biologisch angebauten Schmeckewöhlerchen verwöhnten nicht nur den Gaumen sondern auch die Augen.

Auch hier gab es im Innenhof eine von Absolut Vodka gesponserte Wodka-Bar, an der in unregelmäßigen Abständen eine Happy Hour ausgerufen wurde, die dann zwar keine Stunde dauerte, dafür aber sehr häufig stattfand. Hier trafen wir unter anderem Kuluramtsleiterin Dorothée Rhiemeyer und ihren Vor-Vorgänger Volker Schäfer.

Ustad Haji Ameer Khan gab ein sensationelles Qawwal-Konzert im KulturBahnhof

Musikalischer Höhepunkt im KulturBahnhof war der Auftritt von Ustad Haji Ameer Khan (Pakistan) und seinem Ensemble. Die Khan Brothers spielten und sangen traditionelle Qawaali-Musik wie man sie von den Sufi Moslems kennt. Weltweit berühmt wurde diese Musik durch den leider allzu früh verstorbenen Nusrat Fateh Ali Khan.

Unter den der Sufi-Musik andächtig lauschenden Menschen war auch Karel Dudesek, der 1987 auf der documenta 8 und 1992 auf der documenta 9 als Mitglied der Künstlergruppe Minus Delta T für allerhand Aufregung sorgte (Kulturpolizei, Piraten-Fernseh-Kanal und Piraten-Radio). Heute lebt er als Chef des Austrosinoartsprogramms (Kulturaustausch zwischen Österreich und China) in Peking.

Parallel zum Sufi-Konzert gab es in der ehemaligen Schalterhalle Disko - vor Mitternacht sehr "old School" und ebenso langweilig. Erst mit einer japanischen DJane und ihren Electro-House-Beats kam gegen 1 Uhr in der Früh der nötige Schwung auf den Dancefloor.

Nach der Show

Rohe Rock 'n' Roll-Energie: The Feminists

Kurz nach 2 Uhr war der KuBa-Tanz zu Ende und die Party-Besucher teilten sich in zwei Gruppen. Die einen strömten Richtung Lolita Bar, Galerie Loyal und A.R.M, wo die Feminists ein vor Energie nur so strotzendes und an die New York Dolls und Stooges erinnerndes Rockkonzert gaben. Unter den begeisterten Zuschauern entdeckten wir unter anderem Stadtbaurat Christof Nolda, Richard Skornia (C&A Filialleiter in Kassel), Sabine-Amelie Alt (Leiterin der C&A schräg gegenüberliegenden Sinn-Leffers Filiale) und Andrea Behrens (Kassel Marketing).

Ebenfalls dabei: documenta-Künstlerin Maria Loboda. Die heute in London lebende ehemalige Städel-Schülerin hat die Zypressen-Installation am oberen Ende der Karlswiese aufgebaut. Dortselbst hatte ihre Galerie am Donnerstagnachmittag ebenfalls zu einer Stehparty geladen und 50 Liter Champagner spendiert. 

Der andere Teil der KulturBahnhof-Gäste zog am frühen Samstagmorgen "nur um die Ecke" Richtung Bahnhof-Nordflügel, wo eine Galerie zur After Show Party iin den ehemaligen Gemüsemarkthallen geladen hatte. Welche? Das wusste keiner der Anwesenden und interssierte auch kaum jemanden. Hauptsache der Tanz ging weiter. (wd)

Quelle: mydocumenta

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