Henschel-Hallen werden zur Bühne für die documenta: Hausbau und Voodoozauber

Herumirren als Prinzip: Die Tänzerin Kettly Noël mischt Voodoo-Praktiken aus ihrer Heimat Haiti mit Elementen des afrikanischen Straßentanzes. Vom 10. bis zum 13. Juli tritt sie mit ihrem Stück „Errance“ in den Henschel-Hallen auf. Foto:  d14

Die Henschel-Hallen verwandeln sich in den nächsten Wochen der documenta in eine außergewöhnliche Kunst-Bühne. Wir stellen Ihnen vor, worauf Sie sich freuen können. 

Ein Haus zu bauen ist für viele Menschen ein Lebensprojekt. Aber manchmal ist keine Zeit für solide Wände, Beton und Bausparvertrag. Wenn Menschen weltweit ihr Zuhause verlieren, wird ein Haus eine flüchtige, verletzliche Sache. Ein Zelt, eine Plane, ein Stapel Papier.

Mit der Vergänglichkeit von Bauten beschäftigt sich auch die französische Künstlerin und Zirkusartistin Phia Ménard, die am morgigen Sonntag die Performance-Reihe der documenta in den Henschel-Hallen eröffnen wird. In ihrer Aufführung „Immoral Tales Part One: The Mother House“ wird die 45-Jährige ab 20.30 Uhr Häuser aus Pappe und Klebeband errichten, die von einer Hallendecken-Sintflut gleich wieder dahingerafft werden.

Der ehemalige Produktionsstandort der Firma Henschel verwandelt sich in den nächsten Wochen in eine Bühne für Kunst-Experimente. Nach zwei Abenden mit der unermüdlich bauenden Phia Ménard folgt am 5. Juli ab 20 Uhr ein Konzert mit Stücken und Adaptionen des 1970 verstorbenen griechischen Komponisten Jani Christou. Dirigiert von Rupert Huber werden die Musiker des griechischen Ergon-Ensemble Christous Werke nach Kassel bringen. Seine experimentellen Kompositionen beinhalten auch Elemente des Schauspiels – wie einen Mann, der versucht, mit einem Klavier zu kommunizieren.

Henschel-Hallen: Alle Termine

2., 4. und 7. Juli: Phia Ménard: „Immoral Tales – Part One: The Mother House“ 

5. Juli: Jani Christou: „Praxis for 12“ (1966), „Interlude with John Cage Four6“ (1990) „Anaparastasis III“, „The Pianist“ (1968). 

10. bis 13. Juli: Alexandra Bachzetsis: „Private Song“ 

  19. und 20. Juli: Kettly Noël: „Errance“ Die Performances von Phia Ménard beginnt um 20.30 Uhr, die von Jani Christou und Kettly Noël um 20 Uhr, die von Alexandra Bachzetsis um 22 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro und 2 Euro mit documenta-Eintrittskarte. Karten gibt es an den d14-Ticketschaltern und an der Abendkasse. Der Eingang liegt an der Wolfhager Straße 109.

Henschel-Künstler im Detail

Vom 10. bis zum 13. Juli gehört die Bühne ab 22 Uhr der Tänzerin und Choreografin Alexandra Bachzetsis, die wie in Athen ihr Stück „Private Song“ zu einer Auswahl griechischer Rembetiko-Musik aus den 40er- und 50er-Jahren aufführen wird. Die Partnerin des künstlerischen Leiters der d14, Adam Szymczyk, beschäftigt sich in ihren Performances mit der Entstehung eines tanzenden Körpers, der Verwischung männlicher und weiblicher Konventionen und der Verbindung von Tanz und alltäglichen Bewegungen. Ihr Publikum lässt sie dabei ganz nah an sich heran, die Zuschauer sitzen nicht vor, sondern mit auf der Bühne.

Den Abschluss der Performance-Reihe bestreitet am 19. und 20. Juli ab 20 Uhr die haitianische Tänzerin Kettly Noël. Die 48-Jährige, die 2014 in Abderrahmane Sisakos oscarnominiertem Film „Timbuktu“ eine Voodoo-Anhängerin spielte, setzt sich auch in ihren Tanzperformances mit den folkloristischen Traditionen ihrer Heimat auseinander. Elemente des Voodoo kombiniert sie mit Kampfgesten und afrikanischem Straßentanz. Ihre Aufführung trägt den Titel „Errance“, Herumirren. Mit ihrem Fokus auf den Umweg und das Ausprobieren bringt Kettly Noël ein zentrales Thema der d14 auf die Bühne.

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