documenta-Projekt am Huttenplatz: Urbaner Garten bringt erste Ernte

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Die Wiese wird zum großen Garten: Timo Uehlinger vom Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Uni Kassel und Anwohner Jens Schmücker tragen Grasplatten ab, um ein weiteres Beet auf dem Huttenplatz anzulegen.

Kassel. Seit dem Frühjahr haben Anwohner aus der Wiese unterhalb der Stadthalle einen „urbanen Garten“ gemacht. Das Projekt ist auf Initiative der documenta-Künstlergruppe And And And und in Zusammenarbeit mit der Uni Kassel Anfang des Jahres entstanden.

Die erste Ernte ist eingebracht: Bei einem gemeinsamen Salatessen mit frisch aus dem Beet gezupften Blättchen zeigte sich am Samstag, dass auf dem Huttenplatz schon viel mehr gewachsen ist als Radieschen, Spinat und Sonnenblumen.

Inzwischen ist es ein Selbstläufer geworden - die Künstler mischen sich kaum ein. Die Nachbarn aus dem Quartier im Vorderen Westen kümmern sich seit dem Frühjahr um die Beete, buddeln, pflanzen, wässern. Was dabei neben den Pflanzen wächst, ist eine gute Nachbarschaft. „Man lernt sich kennen“, sagt Regula-Sophie Rickert, die zu den 30 Aktiven gehört, die regelmäßig in den Gemeinschaftsgarten kommen. „Ich hatte die Leute hier vorher alle schon im Supermarkt gesehen, aber noch nie gesprochen“, sagt die 57-Jährige.

Gute nachbarschaftliche Kontakte

Jetzt sei die Gärtnergemeinschaft für manche fast wie eine zweite Familie, sagt Timothee Uehlinger. Der 25-Jährige, der in Witzenhausen Ökologische Agrarwissenschaften studiert, ist als Fachmann bei dem Projekt dabei. „Ich habe aber schnell festgestellt, dass es über das Gärtnern hinaus vor allem um soziale Kompetenzen geht“, sagt der Student. Etwa darum, wie man eine bunt durchmischte Gruppe zusammenbringt und das Projekt koordiniert.

Katharina Schleich, die direkt am Huttenplatz wohnt, ist begeistert von dem Garten vor ihrer Tür. Die 31-Jährige hat nicht nur viele Kontakte geknüpft, sondern auch ganz praktisch etwas gelernt: „Ich hatte vom Gärtnern vorher keine Ahnung.“

Wasser-Flashmob

Wegen der anhaltenden Trockenheit haben die Huttenplatz-Gärtner ein Problem: Das Wasser in den Regentonnen wird knapp. Deshalb rufen sie für den heutigen Dienstag und für Donnerstag, jeweils 18 Uhr, zum „Wasser-Flashmob“ ein: So viele Menschen wie möglich sollen Flaschen, Eimer oder Gießkannen voll Wasser an den Huttenplatz bringen.

Bereits um 15 Uhr wird am heutigen Dienstag eine vier Meter hohe Weidenplastik auf dem Platz entstehen. Zuschauer und weitere Helfer sind willkommen.

Zur documenta-Eröffnung am Samstag, 9. Juni, lädt die Gartengemeinschaft ab 14 Uhr zu einem Fest ein. Gegen eine Spende können Pfanzen mitgenommen werden. Damit das Projekt vom Huttenplatz weiter ausstrahlt auf die Balkone und Privatgärten in Kassel. Ob das Projekt nach der documenta weitergeht, was sich viele Teilnehmer wünschen, ist noch offen. Vereinbart war ursprünglich, den Garten im Herbst wieder zurückzubauen.

Von Katja Rudolph

Quelle: mydocumenta

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