documenta provoziert die Stadt: Holländische Straße wird zur Halitstraße

Hauptverkehrsader der Stadt: die Holländische Straße, hier die Ecke zur Wolfhager Straße. Im documenta-Stadtplan heißt sie „Halitstraße“. Archivfoto: Malmus

Kassel. Die Ausstellungsmacher der documenta 14 haben in ihren offiziellen Stadtplänen für Besucher eine Straße und eine Brücke in Kassel umbenannt. Sie führen damit eine kontroverse Debatte fort.

Im „Map Booklet“ zum Beispiel wird die Holländische Straße zur Halitstraße, die über die Fulda führende Karl-Branner-Brücke zur „Brücke am Rondell“. Die echten Namen werden darunter unter dem Hinweis „formerly“ und „ehemalige“ genannt.

Mit den Umbenennungen greift die d14 lokalpolitische Kontroversen auf. Denn es handelt sich um Bezeichnungen, über die in Kassel tatsächlich diskutiert wurde und wird. Als provokativ kann die Aktion der Kunstausstellung deshalb verstanden werden, weil die Gremien der Stadt sich in beiden Fällen gegen eine Umbenennung und für die Beibehaltung des Straßen- beziehungsweise Brückennamens entschieden haben.

Die vor allem von seinem türkischstämmigen Vater geforderte Straßenumbenennung soll an Halit Yozgat erinnern. Der 21-Jährige war 2006 von der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße 82 erschossen worden. Der Brückenstreit geht zurück auf die in einer Studie nachgewiesenen Verstrickungen des ehemaligen Oberbürgermeisters Karl Branner (SPD) mit dem System des Nationalsozialismus.

Hilgen: Bin nicht erfreut

Kurz vor Beginn der documenta 14 habe die Stadt Kassel Kenntnis davon erhalten, dass im Übersichtsplan die Holländische Straße als „Halitstraße – Ehemalige Holländische Straße“ bezeichnet werden solle, berichtete am Freitag Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) auf Anfrage unserer Zeitung. „Natürlich handelt es sich bei den Benennungen im Übersichtsplan der documenta um eine Provokation, über die ich als Oberbürgermeister der Stadt Kassel nicht erfreut bin.“

Aber Provokation gehöre zur zeitgenössischen Kunst und gehöre immer auch zur documenta. Hilgen: „Die documenta ist nicht dazu da, den Kasseler Oberbürgermeister glücklich zu machen, der eine bekannt andere Auffassung zu den Benennungen vertritt.“

Für den documenta-Aufsichtsrat und ihn als Vorsitzenden sei die Umbenennung kein Thema, weil der Aufsichtsrat künstlerische Positionen nicht bewerte, so Hilgen.  

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