Ausstellung in heutiger Gottschalkhalle

documenta: Kunst in ehemaliger Kasseler Tuchfabrik

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Schwimmendes Schachbrett: Die Installation von Bili Bidjocka in der Gottschalk-Halle. 

Kassel. Die documenta erschließt für ihre Ausstellungen immer wieder ungewöhnliche Orte. Das war vor 15 Jahren auf dem Gelände der ehemaligen Binding-Brauerei so und auch aktuell findet sich Kunst an speziellen Orten. 

Zu denen gehört neben dem früheren Henschelgelände in Rothenditmold und der Tofufabrik die Gottschalk-Halle auf dem Gelände der Universität. Hier kann man unter anderem das schwimmende Schachbrett von Bili Bidjocka und den Multimedia-Rundbau von Angelo Plessas sehen.

Erinnert an ein Zelt: Die Multimedia-Installation von Angelo Plessas bei Gottschalk. 

Letztere erinnert an die frühere Nutzung des Geländes. An der heutigen Gottschalkstraße in der Nordstadt befand sich einmal eine der größten Firmen Kassels. Im Jahr 1881 gründeten Moritz Gottschalk und Johannes Coenning die Zelt- und Tuchfabrik Gottschalk. Beide hatten vorher für den Textilunternehmer Sigmund Aschrott gearbeitet, der auch in der Immobilienbranche aktiv war und als Gründer des Vorderen Westens (damals Hohenzollernviertel) gilt.

Nach schwierigen Anfangsjahren liefen die Geschäfte bei Gottschalk immer besser. Die Firma bekam den prestigeträchtigen Auftrag für das große Festzelt bei der Einweihung des Nord-Ostseekanals 1895. In Kassel wurden neben Zelten Segeltuche für Schiffe, Wagendecken und Markisenstoffe hergestellt. Im Ersten Weltkrieg kamen Großaufträge für Armeezelte hinzu.

Blick in die Fabrikation: Bei Gottschalk wurden seit 1881 Zelte, Segeltuch, Decken und Markisenstoff hergestellt. 

Moritz Gottschalk von Nazis verfolgt

Bis zu 660 Mitarbeiter hatte die Firma damals, die Tuchindustrie gehörte mit mehreren Firmen (darunter auch Salzmann) zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. Rückschläge gab es während der Weltwirtschaftskrise und später auch in den Jahren des Nationalsozialismus. Der Jude Moritz Gottschalk musste die Firma verlassen, die den Henschelwerken zugeschlagen wurde. Nach dem Krieg hatte die Firma Gottschalk noch einige gute Jahrzehnte. 1990 wurde sie von der Fuldaer Mehler AG übernommen. Den Niedergang hielt das auch nicht auf. 1999 kam das Ende.

Auf dem Gelände hat die Kasseler Universität in den vergangenen Jahren mehrere Neubauten errichtet. Einige der Gebäude sind denkmalgeschützt. Die aktuell von der documenta genutzte Halle aus den 1970er-Jahren soll ebenfalls einem Neubau weichen.

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