Kassel bleibt Zentrale

documenta-Streit beigelegt: Auslagerung nach Athen als Image-Gewinn

Die dunklen Wolken haben sich verzogen: Die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg und die Stadt Kassel haben ihren Streit über die documenta in Athen beigelegt. Archivfoto: dpa

Kassel. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Stadt Kassel haben ihre Meinungsverschiedenheiten mit Blick auf den documenta-Doppelstandort Kassel/Athen ausgeräumt.

In einer gemeinsamen Sitzung des Regionalausschusses Kassel sowie des Ausschusses für Handel und Dienstleistungen erläuterte Oberbürgermeister Bertram Hilgen als Aufsichtsratsvorsitzender der documenta GmbH jetzt das Konzept der 2017 stattfindenden Weltkunstausstellung.

Danach herrsche nunmehr Übereinstimmung darin, dass die Auslagerung eines kleinen Teils der Kunstschau in die griechische Hauptstadt eine Bereicherung und ein Image-Gewinn für Kassel darstelle.

Lexikonwissen: Die documenta im HNA-Regiowiki

„Die große Mehrheit in beiden Gremien sieht die Beteiligung Athens als Chance für Kassel“, erklärte der Vorsitzende des Regionalausschusses, Stefan Lange. Jörg Ludwig Jordan sagte für den Ausschuss Handel und Dienstleistungen, dass sich das Stimmungsbild nach den Ausführungen Hilgens gedreht habe. „Die documenta darf auch an anderen Stellen stattfinden, solange die Zentrale in Kassel bleibt“, sagte er.

Sorge um Einnahme-Ausfall

Im Vorfeld hatte die Kammer Kritik am Doppelstandort-Konzept geübt und die Frage aufgeworfen, ob die Kunstschau künftig zu einer Wanderausstellung werde, die die Kasseler Wurzeln nur noch in der Historie erscheinen ließe. Zudem äußerten Gastronomen und Kaufleute die Sorge, Athen könne Kassel auch wirtschaftlich schaden. Eine weitere IHK-Sorge war, dass die documenta als weltweite Imageträgerin und als starke Argumentationshilfe auch für die Anwerbung von externen Fachleuten durch die Beteiligung Athens an Zugkraft verlieren könne.

Hilgen konnte die Befürchtungen weitgehend zerstreuen. Vom Gesamtbudget von 32 Millionen Euro werde nur ein Zehntel in Athen ausgegeben. Dort erwarte man bestenfalls 70.000 Besucher. Zum Vergleich: 2012 zählte die documenta mehr als 900.000 Besucher in Kassel. „Athen wird Kassel eher nutzen als schaden“, sagte Hilgen.

Im Übrigen sei der Hauptzweck der Ausstellung die Kunst. Der wirtschaftliche Aspekt sei lediglich „ein gewünschter Nebenzweck“, und der jeweilige Kurator habe von jeher die Freiheit der Zweitstandortwahl. Job des Aufsichtsrates sei es aber, sicherzustellen, „die wesentlichen Kriterien für den Erfolg der documenta in Kassel zu halten und ihre Wurzeln zu schützen“, führte Hilgen aus.

10. Juni bis 17. September

Das Budget der nunmehr 14. Ausgabe der documenta verteilt sich über fünf Jahre. Von den 32 Mio. Euro sollen 20 Mio. aus dem Verkauf von Eintrittskarten und Katalogen sowie aus Sponsoring und von Mäzenen kommen. Die verbleibenden zwölf Mio. Euro zahlen Stadt, Land und Bund zu gleichen Teilen. Die 100 Tage währende Kunstausstellung findet vom 10. Juni bis 17. September 2017 statt. Künstlerischer Leiter ist der Pole Adam Szymczyk.

Archivvideo: documenta-Leiter im Interview

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