Neue documenta-Tipps für Einsteiger, Spürnasen und Kinder

Kassel. Auch wenn die Hälfte der dOCUMENTA (13) schon vorbei ist, haben die meisten Besucher noch längst nicht alles gesehen. Deshalb gibt die HNA-Kulturredaktion immer wieder Anregungen für verschiedene Besucher-Typen.

Den Einsteiger, der vielleicht nicht genau weiß, wo er anfangen soll, die Familie, die auch ihren Nachwuchs zur Kunst locken möchte, und die Spürnase, die die Hauptschauplätze schon gesehen hat und jetzt die versteckten Schätze sucht.

Die Tipps sind durch eigene Besuche der HNA-Kulturmitarbeiter erprobt und sollen eine Anregung sein. Auf eigene Faust entdecken geht ja danach immer noch.

documenta für Einsteiger

Einstieg ohne Eintrittskarte: In der Karlsaue bekommt man nicht nur einen starken ersten Eindruck von der documenta 13, man benötigt dazu an vielen Stellen auch keine Eintrittskarte. Eine Verschnaufpause auf dem roten Sitzring von Song Dongs „Doing Nothing Garden“, dem Hügel auf der Karlswiese, lohnt sich: Hier kann man documenta-Atmosphäre schnuppern. Einen guten Überblick bietet Sam Durants Galgen-Anlage, eigentlich ein Anti-Todesstrafe-Denkmal, vor dem Aueteich. Geht man rechts ein paar Schritte am Teich entlang, entdeckt man im Wald eine Klang-Installation „for a thousand years“ von Janet Cardiff und George Bures Miller. Ein Klangerlebnis zwischen Naturidylle und Geräuschen herabstürzender Bomben.

Monumental inszenierte Technik: Die große Halle in der documenta-Halle ist allein dem Künstler Thomas Bayrle vorbehalten. Er thematisiert unser Verhältnis zur Technik nicht nur in Form einer riesigen Fotomontage eines Flugzeugs, sondern auch mit aufgeschnittenen, abwechselnd laufenden Kolbenmotoren, die für Kunstfans und Technikfreunde gleichermaßen interessant sind.

Choreografie von Jalousien: Die Koreanerin Haegue Yang zeigt im Nordflügel des Kulturbahnhofs eine Installation mit sich wie von Geisterhand bewegenden Jalousien. Eine poetische Auseinandersetzung mit einem Nicht-Ort.
Werner Fritsch

documenta für Kinder

Wie lockt man Kinder auf die documenta? Ein guter Start kann der Klang-Walk von Natascha Sadr Haghighian in der Aue sein. Von der Schönen Aussicht aus muss man mit einer Leiter über die Mauer auf einen Trampelpfad klettern. Am Rand des Weges hängen Lautsprecher in den Bäumen, aus denen seltsame Tierlaute kommen. Lustig und ein bisschen abenteuerlich, aber nur mit festen Schuhen.

Was geht mit ganz Kleinen? Die Kuscheltiervitrine von Sanja Ivecovic in der Neuen Galerie sollten jedes Kleinkinderherz zum Hüpfen bringen. Bei etwas größeren Kindern können Eltern dazu den ernsteren Hintergrund der Widerstandskämpfer erklären.

Und für die Größeren? Wer schon Englisch lernt, sollte unbedingt den Bahnhofs-Walk von Janet Cardiff und George Bures ausprobieren. Aber selbst wenn sie noch nicht alles verstehen erleben die Kinder dort eine etwas andere Schnitzeljagd mit vielen sinnlichen Eindrücken, die man hinterher gut diskutieren kann.

Was hilft bei Nörgelattacken? Die Jukebox von Susan Hiller in der Neuen Galerie. Hier muss man nicht still stehen und leise sein, sondern darf selbst Musik auflegen, singen und tanzen. Im Notfall hilft vielleicht auch ein documenta-Apfelsaft vom AndAndAnd-Kiosk.

Was macht Kindern und Eltern gleich viel Spaß? Für jedes Alter beeindruckend könnte Nalini Malanis Installation „In search of vanished blood“ in der documenta-Halle sein. Kinder können über die bunten Lichteffekte und fremden Klänge staunen, während sich die Erwachsenen in Malanis Welt aus indischer Mystik und dunklen Dämonen denken. Saskia Trebing

documenta für Spürnasen

Wer Fridericianums-Schlangen umgehen will: Der Raum von Michael Rakowitz ist meistens leer. Und einer der absoluten Höhepunkte der Ausstellung. Der ästhetisch gelungene Raum ist aus dem ersten Geschoss über eine Treppe ins Erdgeschoss erreichbar. Rakowitz zeigt Bücher aus Stein. Es sind Nachbildungen von Folianten, die einst im Fridericianum aufbewahrt wurden und dort im Bombenangriff verbrannten. Sie sind aus jenem Marmor, der für Buddhastatuen in Afghanistan verwendet wurde. Diese Statuen haben die Taliban teilweise vernichten lassen. Rakowitz hat afghanische Bildhauer eingesetzt, so bleibt diese Handwerkstechnik vor Ort lebendig.

Aus dem Dornröschenschlaf: Das Kaskade am Königsplatz war ein glamouröses 50er-Jahre-Kino. Jérôme Bel und ein außergewöhnliches Künstlerensemble erwecken es zum Leben. „Disabled Theatre“ ist ein Projekt mit geistig behinderten Schauspielern, das Video einer Performance.

Unbekannte Seite: Zeichnungen des Computer-Pioniers Konrad Zuse in der Orangerie.

Unaufdringlich beeindruckend: Eine Hütte mit Tuschezeichnungen - künstlerisch und inszenatorisch toll ist Dinh Q. Lês Projekt über den Vietnamkrieg in der Aue.

Bettina Fraschke

Quelle: mydocumenta

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