Wo Kunst entsteht

documenta-Vorbereitungen in der Aue: Ruhe vor dem Sturm

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Der japanische Künstler Shinro Othake mit einer Skizze zu seinem Environment

Kassel. 20 Tage vor Eröffnung der dOCUMENTA 13 wird in der Karlsaue in aller Ruhe gebaut, gepflanzt, gehobelt, gehämmert und gestrichen. Die ersten Künstler sind vor Ort.

Wo in weniger als 20 Tagen Tausende von Besuchern auf der Suche nach den einzelnen Kunststationen durch die Aue pilgern werden, herrscht zur Zeit eine rege, aber keinesfalls hektische Betriebsamkeit. Jeden Tag präsentiert sich dem Aue-Wanderer etwas Neues.

Vorbereitungen in der Karlsaue

documenta-Vorbereitungen in der Karlsaue

Auf der Wiese gegenüber der Gärtnerplatz-Brücke, auf der in den vergangenen Jahren die Open-Air-Produktionen des Staatstheaters stattfanden, ist das Areal mit Zäunen in verschieden große Flächen unterteilt. Auf manchen liegt Sand. Die Zauntüren sind verschlossen.

Gleich dahinter ist eine kleine, von hohen Sträuchern und kleineren Bäumen umschlossene Baustelle sogar mit rot-weißem Absperrband abgesteckt. Was man dahinter sieht, ist jedoch alles andere als spektakulär: gestapelte Betonplatten, mit denen man auch einen Gartenweg pflastern könnte.

Durchgang vor dem 9. Juni verboten

Kein Geheimnis um seine Arbeit macht der Japaner Shinro Ohtake. Der nach eigenen Angaben vom Surrealismus, der Pop-Art, Musik und  persönlichen Erlebnissen beeinflusste Künstler baut unweit der Gärtnerplatzwiese ein Environment aus kleinen Ruderbooten, einem Wohnwagen und Materialien, die man zum Hausbau benötigt. Während der documenta will der 57-Jährige in seiner Installation präsent sein.

Entlang der Wege und Kanäle zwischen der Blumeninsel Siebenbergen und der Orangerie entstehen in diesen Tagen 26 Räume für Kunst, in denen, so sagt es eine Aufbauhelferin, zirka 60 Künstler ihre Arbeiten zeigen. An den meisten Holzhäusern wird noch gebaut. Die Helfer nennen nur ihre Vornamen: "Mein Name ist Josef, der Künstler kommt noch". Kristian aus Ungarn schleift derweil nach Künstlervorgabe eine Holzplatte nach der anderen.

Im Fokus: Die Zeit-Bank

Ziemlich in der Mitte der Aue, auf halbem Weg zwischen Kunsthochschule und Fuldaufer bekommt die Time Bank (Zeit-Bank) der mexikanischen Künstlerin Julieta Aranda und des russischen Künstlers Anton Vidokle ein farbenfrohes Äußeres verpasst. Es besteht aus Plakaten mit Zeit-Offerten. Die Angebote sind echt. In der Zeit-Bank können während der Weltkunstausstellung Kunden/Besucher aus aller Welt Zeit-Angebote machen: Kindern in ihrer Stadt etwas vorlesen, Ältere spazieren führen, jemanden von X nach Z kostenlos mitnehmen und vieles mehr. Gut möglich, dass dies eines der viel diskutierten Projekte der d 13 wird. Wir haben auch schon ein Angebot entdeckt: Vier Stunden bei einem/einer (noch) Unbekannten Comedy-Serien schauen.

Auf der Wiese vor der Orangerie hat der mit Kiefern, Eiben, Johannisbeer-Sträuchern, Buchsbaum und sehr viel Unkraut bewachsene Erdhügel inzwischen eine Einfassung aus Beton bekommen. Ein Platz zum Verweilen. Ein paar Meter weiter pflanzen junge Menschen Gräser um ein in den Boden eingelassenes, Wasser-gefülltes Beton-Rechteck. Der ökologische Aspekt der Ausstellung, von dem documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargieff im Vorfeld immer sprach - er ist überall zu spüren.

Schöne Aussicht

Schöne Aussicht zum Abschluss

Am Küchengraben, vis-a-vis der Kunsthochschule entdecken wir in die Erde eingelassene Betonplatten. Ein wenig erinnert die Situation an einen Friedhof. Zum Abschluss des Aue-Rundgangs wird der documenta-Besucher vermutlich mit einem imposanten Blick, sowohl über den Aue-Teich in Richtung Blumeninsel Siebenbergen wie auch in Richtung Orangerie belohnt. Auf was sonst soll die Betonkonstruktion hinweisen, die dort am Ufer des Sees entsteht?

Fazit: Wer auch immer nach Kassel kommt und sich auf die "grüne" documenta einlässt - er sollte gut zu Fuß sein. Der kleine, oben beschriebene, Rundgang dauerte vier Stunden. Ohne die nähere Besichtigung von Kunst. (wd)

Quelle: mydocumenta

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